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    Bergrheinfeld

    Fenn-Ende in Bergrheinfeld: Warum die Firma schließen muss

    Nach knapp 130 Jahren gab das traditionsreiche Familienunternehmen "Fenn Metallbau" in Bergrheinfeld überraschend die Betriebsschließung bekannt. Foto: Aaron Niemeyer

    Fast schon gespenstisch ruhig ist es am Dienstagnachmittag auf dem Firmengelände der Fenn-Metallbau in Bergrheinfeld. Die verdunkelte Glasfassade des Unternehmens lässt kaum einen Blick durch. Dass hier gerade kein Normalbetrieb herrscht, ist trotzdem zu erkennen. Am Montag hat die Firma völlig überraschend bekanntgegeben, dass sie den Betrieb Ende Oktober einstellen wird. Für die Gemeinde Bergrheinfeld war dies ein "absoluter Schock", wie Bürgermeister Ulrich Werner sagt. Die Familie Fenn spricht von einer "emotionalen" Entscheidung. Was steckt dahinter?

    "Die Fenn GmbH wird nach jahrzehntelanger technisch und wirtschaftlich erfolgreicher Tätigkeit ihren Geschäftsbetrieb einstellen", hieß es am Montag in einer knappen Pressemitteilung der Bergrheinfelder Firma. Als Grund gab das Unternehmen an, dass Julia Fenn, die ihrer Mutter Doris Fenn als Geschäftsführerin folgen sollte, für die Generationsnachfolge nicht zur Verfügung stehe. "Eine zukunftsfähige Perspektive für die langfristige Weiterentwicklung des Unternehmens ist daher nicht gewährleistet."

    Unternehmensschließung sorgt für Unruhe in der Region

    Die knappe Pressemitteilung sorgte in der Region für Unruhe und Unverständnis. "Verkaufen wäre doch eine viel bessere Alternative!", wunderten sich etwa Nutzer bei Facebook. "Ich kenne Julia von früher... Bin auch erstaunt", kommentierten Leser unter dem Beitrag auf dieser Seite. "Vermutlich hat die junge Frau in die Bücher geschaut und festgestellt, dass die Performance des Betriebes alles andere als gut war", mutmaßte ein anderer. 

    Es gab jedoch auch Verständnis für die Entscheidung der Familie: "Die Entscheidung der jungen Dame, nicht zu übernehmen, ist nachvollziehbar. Der ganze Stress mit Zertifizierungen, Gewerkschaften, Finanzämtern, Berufsgenossenschaften und so weiter. Alles ein endloser Rattenschwanz", lautete ein weiterer Kommentar. Persönlicher Hintergrund oder finanzielle Notwendigkeit – was war nun der Grund für die überraschende Schließung des Betriebs?

    "Wir haben alles unternommen, um eine zukunftsträchtige Lösung für unser Unternehmen zu finden."
    Geschäftsführerin Doris Fenn über die Schließung des Betriebs

    "Meine Tochter hat ihren weiteren Berufsweg nicht in der Führung des Unternehmens Fenn gesehen. Es ist eine von ihr getroffene Lebensentscheidung", stellt Geschäftsführerin Doris Fenn klar. "Meine Tochter Julia und ich haben in den zurückliegenden Monaten alles in unserer Macht Stehende unternommen, um eine zukunftsträchtige Lösung für unser Unternehmen zu finden." Weder intern noch von außerhalb habe sich jedoch passendes Führungspersonal finden können. "Auch die intensiven Versuche, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, scheiterten letztlich, da kein geeigneter Kaufinteressent gefunden werden konnte."

    Vor wenigen Jahren standen für Mutter und Tochter Fenn noch die nächsten Projekte im Vordergrund. Foto: Firma Fenn

    "Für mich als vierte Generation ist das eine sehr emotionale Entscheidung", sagt Doris Fenn. "Wir sind von Kindesbeinen an mit dem Unternehmen verwoben. Umso schwerer fiel uns die Entscheidung, das Unternehmen jetzt zu schließen." Sie verweist jedoch auch auf das Wohlergehen ihrer Tochter: "Es ist eine von ihr getroffene Lebensentscheidung." Doris Fenn thematisiert auch die Befindlichkeiten ihrer Mitarbeiter: "Die Mitarbeiter waren von der Nachricht überrascht und sehr betroffen. In den geführten Gesprächen sowie den Rückmeldungen vom Wochenende haben die Mitarbeiter die Entscheidung meiner Tochter respektiert und verständnisvoll aufgenommen."

    Wir sind von Kindesbeinen an mit dem Unternehmen verwoben. Umso schwerer fiel uns die Entscheidung, das Unternehmen jetzt zu schließen.
    Doris Fenn

    "Ich habe Verständnis für die Entscheidung von Frau Fenn", heißt es aus dem Bergrheinfelder Rathaus. Zwar sei die Nachricht ein "absoluter Schock gewesen". Doris Fenn hätte ihm gegenüber das Betriebsende jedoch nachvollziehbar auch mit der komplexen wirtschaftlichen Lage begründet, gibt Bürgermeister Ulrich Werner zu Protokoll. Kundenansprüche seien im Metallbau heutzutage deutlich komplexer, gekauft würde ohnehin meist im Internet. Hier seien zukünftig auch Gemeinden in die Verantwortung zu nehmen. Mit lokalen und regionalen Unternehmen müsse zunehmend zusammengearbeitet werden, um jenen wirtschaftliche Stabilität zu garantieren.

    Daniel Röper von der Handwerkskammer Unterfranken sieht generell strukturelle Herausforderungen für familiengeführte Betriebe in der Region. Zwar gehe es dem Handwerk in Unterfranken gut. "Es zeichnet sich jedoch ab, dass immer mehr familiengeführte Betriebe Nachfolgeschwierigkeiten haben." Erklären ließe sich dies mit unterschiedlichen Lebenskonzepten der jüngeren Zielgruppen. Zukünftig müsse vermehrt mit der Schließung kleiner Handwerksbetriebe gerechnet werden.

    Wie geht es nun für die Fenn-Mitarbeiter weiter?

    Bei der Schweinfurter Arbeitsagentur ist die Firma Fenn ebenfalls bereits ein Thema: "Mit der Firma Fenn gibt es in der Angelegenheit eine gute Zusammenarbeit", stellt Thomas Stelzer, Geschäftsführer der Agentur in Schweinfurt, fest. Zwar könne er keine konkreten Details öffentlich machen. Bei der Schließung lokaler Unternehmen würde jedoch meist schnell und eng miteinander kooperiert. "Wir haben aktuell in Schweinfurt über 5000 offene Stellen. Die Aussicht für die Fenn-Mitarbeiter ist also sehr gut." Auch die Azubis müssten sich keine Sorgen machen. Im Normalfall würden andere Unternehmen einfach etwas Platz schaffen. "Das klappt regelmäßig."

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