• aktualisiert:

    Bergrheinfeld

    Fenn-Ende in Bergrheinfeld: Wenn "gelebtes Handwerk" stirbt

    Nach knapp 130 Jahren steht die traditionsreiche "Fenn Metallbau" nun vor dem Aus. Foto: Herbert Götz/Fenn GmbH

    "Was die Fenns machen, ist gelebtes Handwerk", lobte noch vor einigen Jahren der damalige Präsident der Handwerkskammer Unterfranken, Hugo Neugebauer, das traditionsreiche Familienunternehmen Fenn Metallbau in Bergrheinfeld. Heute kann davon keine Rede mehr sein. Das Unternehmen hat am Montag überraschend bekannt gegeben, den Betrieb zum 31. Oktober diesen Jahres einzustellen.

    "Eine zukunftsfähige Perspektive des Unternehmens ist nicht gewährleistet."
    Pressemitteilung der Fenn GmbH

    "Die Fenn GmbH wird nach jahrzehntelanger technisch und wirtschaftlich erfolgreicher Tätigkeit ihren Geschäftsbetrieb einstellen", heißt es in einer Pressemitteilung der Firma. Als Grund gibt das Unternehmen an, dass Julia Fenn, die ihrer Mutter Doris Fenn als Geschäftsführerin folgen sollte, für die Generationsnachfolge nicht zur Verfügung stehe. "Eine zukunftsfähige Perspektive für die langfristige Weiterentwicklung des Unternehmens ist daher nicht gewährleistet."

    Die Geschäftsführung des Unternehmens habe die Entscheidung von Julia Fenn mit Respekt und Verständnis zur Kenntnis genommen. Nach "reiflicher Überlegung" habe Geschäftsführerin Doris Fenn nun beschlossen, das Unternehmen deswegen zu schließen. Auf Nachfrage bezüglich der Zukunft der Mitarbeiter sagte Geschäftsführerin Doris Fenn: "Es ist gerade eine gute Zeit für Facharbeiter. Das sind alles tüchtige Leute, die alle etwas finden werden." Mit Verweis auf die zu respektierende Lebensentscheidung ihrer Tochter wollte sie bislang keine weiteren Fragen beantworten.

    "Absoluter Schock" für Bergrheinfeld

    Als "absoluten Schock" und "Hiobsbotschaft" bezeichnet Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner die Schließung des Unternehmens. "Für uns ist das ein herber Verlust." Gerade als kleine Gemeinde, die insgesamt nicht viele Arbeitsplätze bieten könne, sei das Ende eines solchen Traditionsunternehmens schwer zu verdauen. Werner zeigte jedoch auch Verständnis. Für kleine regionale Unternehmen sei es heutzutage schwer, sich auf dem Markt zu behaupten. "Ich glaube, dass dies kein Einzelfall bleiben wird, sondern noch öfter im Landkreis Schweinfurt passieren wird."

    Gegründet worden war Fenn Metallbau im Jahr 1890 von einem jungen Schmiedemeister als neue Dorfschmiede in Bergrheinfeld. Nach dem Esten Weltkrieg heiratete dann der junge Schmiedegeselle Leonhard Fenn in die damalige Eigentümerfamilie der Schmiede ein. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Unternehmen zu einem florierenden Betrieb für Landmaschinen und Anhängerbau und später auch für Aluminiumfenster. 1991 stiegt dann die bisherige Geschäftsführerin Doris Fenn ins Unternehmen ein und half dabei, es zu einer respektierten Institution in der Region zu entwickeln. Im Jahr 2015 beschäftigte das Unternehmen 30 Mitarbeiter.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (7)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!