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    Schweinfurt

    Fitness und Spaß fürs Gehirn: Life Kinetik

    Hochleistungssportler, Trainer und ganze Unternehmen wie die Daimler AG schwören auf diese Art von Training. Was ist wirklich dran an Life Kinetik? Ein Selbstversuch.
    Bei Lifekinetik dreht sich viel um Koordination. Gar nicht so einfach, hat unsere Mitarbeiterin Elke Tober-Vogt bei einem Selbsttest mit Trainerin Franziska Pfeifer festgestellt. Foto: Martina Müller

    "Euer linker Arm steht für ein Wassertier, der rechte für ein Landtier, das linke Bein für einen Vogel, das rechte für ein Insekt. Nach Ansage lasst ihr bitte das jeweilige Bein oder den Arm leicht vor dem Körper hin und her schwingen." Okay, kann ja nicht so schwer sein, denke ich, nachdem Franziska Pfeifer diese Übung erklärt hat.

    Dann geht es los: In zügigem Tempo ruft Franziska Tiernamen, die Teilnehmer des Kurses für Life Kinetik im Schweinfurter Gründerviertel schwingen und pendeln konzentriert, alles in Ordnung. Doch dann sollen wir mit der gerade benutzten Extremität weiterpendeln, während schon das nächste Tier ausgerufen wird. Dann gegengleich, dann parallel, dann hinter dem Körper, nun auch noch einen Satz mit dem Tiernamen bilden … bald stoße ich an meine Grenzen, verwechsle Elch und Amsel, halte mein rechtes Insektenbein für meinen linken Arm. Vorsichtig spähe ich zu den anderen, stelle fest, dass die genauso kämpfen wie ich.

    Alles im grünen Bereich, erklärt mir Franziska, denn bei diesem Gehirn-Fitness-Training kommt es nicht darauf an, eine Übung zu "können", zu perfektionieren oder gar zu automatisieren. Ganz nach dem Motto "der Weg ist das Ziel" sollen sich durch ständig wechselnde Übungsformen neue Synapsen im Gehirn bilden. Ungewohnte Körperaufgaben, Merktechniken, Gehirn- und Sinnestraining sowie ein bisschen Entspannung führen zu Leistungs- und Erfolgsteigerung im Berufs- und Alltagsleben, zu mehr Lebensqualität und weniger Stress, fördern die Konzentrations- und Merkfähigkeit und natürlich die Fitness, heißt es auf der Homepage der Trainerin.

    Life Kinetik – Modetrend oder ernst zu nehmende Trainingsmethode?

    Nach einem Fachabend zum Thema Demenz, bei dem der Bamberger Sportwissenschaftler Prof. Stefan Voll in seinen Vortrag "Geistige Leistungsfähigkeit im Alter durch Bewegung" ein paar Übungen aus dem Life Kinetik-Training eingestreut hatte, war ich neugierig geworden. Bei der Recherche im Internet fand ich jede Menge Botschafter: Jürgen Klopp und Manuel Neuer, viele weitere Hochleistungssportler, komplette Fußballmannschaften wie Borussia Dortmund oder den 1. FC Nürnberg, die deutsche alpine Ski-Nationalmannschaft, die Schweizer Skisprung-Nationalmannschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen wie die Daimler AG.

    Nach Ansage werfen, bewegen und bloß nichts durcheinander bringen. Life Kinetik fordert den ganzen Menschen. Der Effekt hat unsere Mitarbeiterin Elke Tober-Vogt (rechts im Bild) überrascht. Mit Trainerin Franziska Pfeifer (links) und anderen Kursteilnehmern ging es in den Selbstversuch. Foto: Martina Müller

    Alle leben wir in einer Welt, in der Technik dem Menschen immer weiter das eigenständige Denken abnimmt, das Gehirn in vielen Bereichen weniger oder gar nicht mehr gefordert wird. Gehirnzellen, die nicht benutzt werden, bilden sich zurück, sterben ab. Dem will das Life Kinetik-Training mit seinen Übungen entgegenwirken, fordert Ungewohntes, Neues, und bewirkt dadurch die Bildung von immer neuen Nervenzellen. In diesem Zusammenhang ist auch das Thema Demenz zu betrachten, die zwar durch Life Kinetik nicht verhindert werden, der man jedoch präventiv entgegenwirken kann.

    Im Zickzack über die Linie und dabei eine Geschichte erzählen

    Zu Beginn der einstündigen Einheit mit Franzi haben wir uns mit kinesiologischen Übungen "aufgewärmt", die Ohren massiert und eine große Acht in die Luft gemalt. Dann geht es zur Sache: Franzi lässt uns im Zickzack über eine Linie auf dem Boden hüpfen, rechts, links, beide Füße, links, rechts, beide. Jetzt überkreuz, dann beide Varianten wechselweise. Geht ja prima, denke ich, doch dann sollen wir dazu eine Geschichte erzählen – das kostet schon mehr Konzentration. Jetzt zückt Franzi auch noch die Querflöte, spielt drei Töne: Wenn der erste Ton der höchste war, folgt Hüpfvariante 1, war es der letzte, Variante 3, war es der mittlere, beide kombiniert.

    Wir versuchen, unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere Koordinationsfähigkeit unter einen Hut zu bringen und geraten ins Schwitzen. Nach einer Stunde mit zahlreichsten Übungsformen, begleitet von viel Gelächter und Spaß, bin ich zwar ganz schön erledigt, fühle mich aber auch äußerst angeregt, leistungsstark und irgendwie fitter. Dieser Zustand hält mehrere Tage an, was ich auch nach dem zweiten Training feststelle.

    Mit der Querflöte gibt Trainerin Franziska Pfeifer vor, wann die Kursteilnehmer was machen sollen. Foto: Martina Müller

    Franziska Pfeifer, 23 Jahre jung, betreibt ihr Schweinfurter Studio für Life Kinetik und Yoga neben ihrem Studium an der Universität Würzburg, wo sie den Beruf der Allgemeinmedizinerin anvisiert. Life Kinetik entdeckte sie für sich, nachdem sie infolge von Nebenwirkungen einiger Medikamente ein extrem schlechtes Gedächtnis hatte. Durch das Training konnte sie ihre Gehirnfunktion erheblich verbessern. Bei ihrer eigenen Trainerausbildung lernte sie universitäre Studien kennen, die den ganzheitlichen Nutzen des Trainings belegen. Seit 2018 unterstützt sie mit ihren Angeboten Menschen bei einem gesunden Lebensstil.

    Neue Kurse mit Franziska Pfeifer beginnen Ende Februar, differenziert nach den Gruppen Erwachsene, Senioren, Kinder/Jugendliche. Infos und Anmeldung: franziskapfeifer.de

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