• aktualisiert:

    SCHWEINFURT

    Flugzeugtraum: 30 Jahre Arbeit an der Focke-Wulf

    Es ist dieser bestimmte Blick. Die junge Frau, die in 54 Stunden von Flensburg nach Garmisch radelte, hatte ihn, genauso wie die Seniorin, die den Deutschlandlauf erfolgreich bewältigte oder die drei jungen Männer, denen keiner die Alpenüberquerung zu Fuß zugetraut hatte. Auch in Peter Hanusas Augen spiegelt sich diese pure Zufriedenheit. Mit sich und dem, was er geschafft oder besser geschaffen hat – eine Focke-Wulf 190. In rund 30 Jahren hat er das bekannte Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg im Maßstab 0,8 nachgebaut. Ein Lebenswerk, das nun flügge werden soll.

    Der Traum des Flugzeugbauers

    Die nachgebaute Focke-Wulf steht einsatzbereit auf dem Flugplatz Schweinfurt-Süd. Endlich. Nach diversen Komplikationen und Rückschlägen. 6000 Arbeitsstunden an Peter Hanusa an seinem „Baby“ gewerkelt. Angefangen hat alles im Jahr 1982/83, mit dem Traum vom selbst gebauten Flugzeug. Von einem ganz besonderen.

    Die unterschiedlichsten Flugzeuge hatte der gelernte Kfz-Mechaniker Hanusa, der zwölf Jahre bei der Luftwaffe diente, bereits als Fluglehrer geflogen. Aber keine Focke-Wulf 190. Dann sah er 1983 auf der Messe für Sport- und Geschäftsflugzeuge in Friedrichshafen am Bodensee einen Nachbau. Gezeigt wurde der Flieger am Stand des Vereins für Amateurflugzeugbauer, der Oskar-Ursinus-Vereinigung. „Ich war fasziniert“, sagt der Flugzeugmechanikermeister aus Hirschaid (Lkr. Bamberg). Und: „Ich wusste, dass ich so etwas bauen musste.“

    Ein verkleinertes Abbild des Originals

    Hanusa wurde Mitglied. Die Vereinigung schuf die Kontakte zum zuständigen Luftfahrt-Bundesamt. Das prüfte, welche Kenntnisse und Möglichkeiten der Flugzeugbegeisterte hat. Anschließend wurde ihm ein baubegleitender Prüfer zur Seite gestellt, der in den folgenden Jahren abschnittsweise Flügel, Rumpf und alle anderen Teile untersuchte und genehmigte.

    Die Maschine, die jetzt auf dem Flugplatz Schweinfurt-Süd des Aero-Clubs steht, ist ein etwas verkleinertes Abbild des Originals. Sie hat eine Flügelspannweite von acht (statt zehn) Metern und wiegt keine drei Tonnen (sondern 1350 Kilogramm). Hanusa entschied sich bewusst für den kleineren Maßstab. Weil der Sternmotor des Originals (1700 PS) pro Flugstunde stolze 400 Liter Flugbenzin geschluckt hätte und auch weil die Unterbringung und Handhabung auf den Flugplätzen so schlicht einfacher sind. Der vielleicht auffälligste Unterschied aber ist das Material. Das Original war aus Metall – das „Baby“ ist komplett aus Holz gebaut.

    Fünf Jahre Bauzeit waren geplant

    Hanusa, der nur im Winter, wenn er als Fluglehrer nicht eingesetzt wurde, Zeit für den Bau hatte, wurde so nach und nach zum Holz-Experten. Beim Flugzeugholm, dem tragenden Teil des Flügels, entschied er sich für die Sitka-Fichte, ein Kieferngewächs aus Nordamerika, das sich durch gleichmäßigen Wuchs und Astfreiheit auszeichnet. Für die Flügel und den Rücken setzte Hanusa auf die afrikanische Okoume, ein gleichmäßig aufgebautes Furnierholz. Bei der Außenhaut kam finnisches Birkenholz zum Einsatz.

    Als die Materialfrage geklärt war, konnte der Bau der Focke-Wulf im Jahr 1987 beginnen. Fünf Jahre sah Hanusa dafür vor, was der Prüfer des Luftfahrt-Bundesamts als realistisch einstufte. Zunächst lief alles nach Plan: Nach neun Monaten war der Holm fertig gestaltet, drei Monate später der Rumpf im Rohbau erstellt. Im Jahr darauf entstanden die Flügel samt den Einbauten für die Steuerung. Nur mit leichtem Verzug, bis 1995, waren alle Teile gefertigt und der Zusammenbau begann. Und damit allerdings auch die Schwierigkeiten.

    Die Entscheidung für den Sternmotor

    So zeigte sich, dass neben dem Material das zweite große Kapitel des Flugzeugbaus mit „Motor“ überschrieben werden muss. Ursprünglich hatte Hanusa an einen handelsüblichen Sechszylinder gedacht. Ein Freund allerdings machte ihn auf den Sternmotor (kreisförmige Anordnung der Zylinder) einer Firma in Bakau in Rumänien aufmerksam. Ein Modell wie im Original. Die Entscheidung war gefallen und damit „begann viel Arbeit“, sagt Hanusa.

    1997 wurden die fertigen Flugzeugteile demontiert, verpackt und nach Rumänien zum Einbau des Motors verschickt. Geduld war gefragt. Der Auslandsaufenthalt sollte bis ins neue Jahrtausend dauern. Dann, unglücklicherweise genau am Tag des Anschlags auf das World Trade Center in New York, wollte Hanusa sein Flugzeug abholen. Doch die Fabriktore in Rumänien blieben aufgrund der weltpolitischen Lage verschlossen und der Oberfranke konnte seine Focke-Wulf nicht einmal sehen.

    Das Fahrwerk hielt dem ersten Rollversuch nicht Stand

    Erst ein Jahr später, im November 2002, machte sich ein Sattelzug mit den verpackten Einzelteilen zurück auf den Weg nach Deutschland. Dort begann der Zusammenbau von vorne, weitere Jahre verstrichen. Schließlich, 2007 und damit 20 Jahre nach Baubeginn, war es soweit: Erstmals wurde die vorläufige Zulassung beim Luftfahrt-Bundesamt beantragt. Prüfungen mussten absolviert, Gutachten erstellt werden. Und als das geschafft, als die vorläufige Zulassung erteilt war, kam der „erste große Rückschlag“.

    Bei einem Rollversuch auf dem Haßfurter Flugplatz knickte das Fahrwerk ein. Obwohl das eigentlich nicht passieren durfte, obwohl es nach Plan gebaut war. Die Folge: Der Propeller war kaputt, vieles an der Focke-Wulf musste repariert werden. „Da haben wir erst einmal Zeit gebraucht. Schnell war das in unseren Köpfen nicht verarbeitet“, erinnert sich Peter Hanusa. Seine Frau Ricarda Kohlmann war es, die einmal mehr mit einem „weiter so“ seine Motivation aufrecht hielt. Und so begann der erneute Wiederaufbau.

    Die Focke-Wulf hebt zum ersten Mal ab

    Im Winter 2014 waren die Flügel gerichtet, das Fahrwerk samt Hydraulik ersetzt, der neue Propeller eingebaut. Wieder wurde geprüft und begutachtet, ehe das Flugzeug am 10. Juli 2015 erstmals in Haßfurt abhob. Ein erster Erfolg. In dem Einsitzer saß allerdings nicht der Erbauer, sondern ein Profi-Testpilot. Auf diese „neutrale Begutachtung“ hatte Ricarda Kohlmann gedrängt. Weitere Testflüge folgten. Und ein Standortwechsel von Haßfurt auf den Grasplatz des Flugplatzes Schweinfurt-Süd, weil der Rasen das Fahrwerk schont.

    Lange allerdings sollte die Flugzeit der Focke-Wulf nicht währen. Noch nicht. Im Mai 2016 platzte nach 22 Minuten in der Luft der Motor, er musste ersetzt werden. Gleich zweimal habe man ihm dann Schrott verkauft, so Hanusa. Keine Maschine hielt lange durch. „Damit haben wir viel Geld verloren.“

    Erst die Taufe, dann die Höhenflüge

    Die Pechsträhne soll jetzt vorbei sein. In dem Jagdflieger-Nachbau brummt der mittlerweile vierte Motor (360 PS) und er läuft „wie ein Traum“, so Kohlmann. Geliefert und in Schweinfurt eingebaut hat diesen eine Firma aus Litauen. Einen ersten Testflug meisterte die Focke-Wulf am 29. Juli. Erfolgreich. Weitere Tests folgten, ohne Pannen, ohne Rückschläge. „Jetzt läufts“, sagt Kohlmann.

    An diesem Sonntag soll Hanusas „Baby“ getauft werden. Ab dem kommenden Jahr will das Paar mit dem nachgebauten Jagdflugzeug an Flugshows teilnehmen. Fliegen wird den Einsitzer dann natürlich Peter Hanusa selbst.

    Das Jagdflugzeug und die Taufe

    Die Focke-Wulf 190 war ein deutsches Jagdflugzeug, das im Zweiten Weltkriegs von der Luftwaffe als zweiter Standardjäger neben der Messerschmitt 109 eingesetzt wurde. Bis zum Kriegsende wurden rund 20 000 Focke-Wulf 190 in verschiedenen Versionen produziert. Die einmotorige einsitzige Maschine wurde auch als Aufklärer, Jagdbomber, Nachtjäger und Erdkampfflugzeug eingesetzt. Am Sonntag, 9. September, 11 Uhr, wird der Nachbau einer Focke-Wulf 190 von Ricarda Kohlmann und Peter Hanusa auf dem Flugplatz Schweinfurt-Süd getauft. Zu dem „Fly in“ haben sich ein Dutzend befreundeter Flieger mit Oldtimern angesagt. Eingeladen sind alle Fluginteressierten. la

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (3)

      Kommentar Verfassen

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!