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    SCHWEINFURT

    Footloose: Tanzfieber und Lebensfreude

    Footloose begeisterte im Theater Schweinfurt Foto: Seberg Showproduktion

    Jugendliche Helden und Rebellen braucht auch das Genre Musical. Hatte vor ein paar Monaten in „Hairspray“ die mollige Tracy gegen die Rassendiskriminierung gekämpft, so protestiert in „Footloose“ der junge Ron McCormack (großartig Alexander Wilbert) gegen das strikte Tanzverbot und die verlogene Moral in der Amish-Kleinstadt Bomont, in die er mit seiner Mutter (Marie Christin Banga) aus Chicago gezogen ist. Da kommt er scheinbar gerade richtig: Die gelangweilten und reglementierten Amish-Mädchen suchen schon lange nach einem tollen Kerl: „Holding out for a hero“ ist eine pulsierende Gesangs- und Tanzszene.

    Unter dem Namen „London Westend Musical Company“ hat die Hamburger Seberg-Showproduktion das Musical „Footloose“ mit deutschen und österreichischen Darstellern in der Regie von Viktor Nagy auf die Bühne gebracht.

    Nun präsentierte sie, einige Tage nach der Premiere, „Footloose“ im ausverkauften Schweinfurter Theater. Und es wurde ein Abend voll rockender Lebensfreude: Das junge Ensemble punktete mit überzeugendem Spiel, bekannten Gesangsnummern und mitreißenden Tanzszenen mit akrobatischen Elementen. Mit auf der Bühne die Band aus Bastian Horn (Klavier), Luca Deckert (Saxofon), Florian Thoma (Gitarre) und Emanuel Abanto (Bass).

    In der Eingangssequenz feiern Jugendliche eine feucht-fröhliche Disco-Party. Ihr Song „Footloose“ erzählt von ihrem Drang nach einem Leben in Freiheit, bevor es denn vorbei ist. Dies friedliche Bild wird per Video jäh unterbrochen: Bei einem Autounfall der heimfahrenden jungen Leuten finden vier Mitglieder der Amish-Gemeinde, darunter der Sohn des Bischofs, den Tod. Der vor Kummer versteinerte Bischof Shaw Moore (Ralf Bettinger), in der bibelfesten Gemeinde Ordnung und Gesetz, verfügt ein Verbot von Rockmusik, Alkohol und Tanzen.

    Doch als ein Junge aus der Großstadt kann Ron mit diesem Verbot überhaupt nichts anfangen: „I can't stand still“. Er freundet sich mit Ariel (Birgit Widmann) an, Tochter des Geistlichen. Einen treuen Freund findet Ron in dem etwas tollpatschigen Willard (Max Menendez Vasquez). Beide warnen ihn vor allzu rebellischen Reden – „Somebody's Eyes“ seien schließlich überall. Und sie warnen ihn vor Chuck (Florian Butschkau), den intriganten Bad Boy des Ortes.

    Dank Rons Argumenten bei einem Gespräch mit dem Bischof bröckelt das Tanzverbot. Noch dazu, als im zweiten Teil die Schwebheimer Tänzerinnen (wir berichteten) die Bühne erobern und mit präzisen Linedance-Formationen in der fetzigen „Still Rocking“-Tanzszene und im Finale das Publikum begeistern. Im rockigen Tempo geht es gleich weiter, als Rusty (ausgezeichnet Lydia Gritz) mit der Girltruppe den Hit „Let's hear it for the boy“ singt.

    Leisere Töne dann mit dem berührenden „Can you find it in your heart“, in dem die Frau des Bischofs (Agnes Heiter) ihren verzweifelten Mann tröstet. Verhalten auch der Lovesong Ron-Ariel „Almost Paradise“. Über dem furiosen Tanz-Finale steht dann als Motto „Dancing is not a crime“. Dann prasseln die Beifallsstürme hinauf zur London/Schwebheim Dance Company.

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