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    SÖMMERSDORF

    Fränkische Passionsspiele: Eine Gemeinschaft von Freiwilligen

    Sie lenken ehrenamtlich und leidenschaftlich die Geschicke des Vereins Fränkische Passionsspiele (von links): Kassier Dieter Mergenthal als römischer Schreiber und als Pilatus, zweiter Vorsitzender Johannes Gessner als Judas, dritter Vorsitzender Norbert Mergenthal als Hohepriester Kajaphas, erster Vorsitzender Robert König als Pilatus und Schriftführer Hubert Rüth. Foto: Silvia Eidel
     

    Wer nach einem Jahr Vorbereitung, Proben und 18 Vorstellungen der Fränkischen Passionsspiele fröhlich sagen kann: „Wir mögen uns immer noch“, der ist ein Sömmersdorfer. Einer von 420 Freiwilligen, darunter 320 Laienschauspieler, die alle fünf Jahre ihre Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu auf der Freilichtbühne erzählen.

    Ohne Bezahlung, aber mit einer Leidenschaft, die das ganze Dorf enger zusammenrücken lässt, die 35 000 Zuschauer tief beeindruckt und die für die ganze Region zum Leuchtturm geworden ist.

    „Eine Geschichte, ein Dorf, eine Leidenschaft“ lautet der Slogan, den der 680-Einwohner-Ort im Landkreis Schweinfurt für seine Fränkischen Passionsspiele kreiert hat. Er drückt die Gemeinschaft und das Miteinander im Ort aus, wie die Menschen für ihre Tradition an einem Strang ziehen, wie sie immer wieder aufs Neue zusammen finden.

    Es geht den Sömmersdorfern zunächst einmal um die Lust am Theaterspiel, das seit etwa 100 Jahren im Dorf gepflegt wird. Waren es zunächst kleinere Volksstücke, so entschlossen sich die Theaterbegeisterten 1933 für ein größeres Thema: Die Passion Christi sollte es im damaligen „Heiligen Jahr“ sein.

    Gespielt wurden aber auch immer wieder unterhaltsame Boulevard-Stücke in der Robert-Seemann-Halle am Spielgelände. Die dortige Freilichtbühne mit knapp 2000 Zuschauerplätzen war 2011 und 2016 zudem Schauplatz für zwei erfolgreiche „Don Camillo“-Komödien.

    Die Theaterleidenschaft treibt die Sömmersdorfer immer weiter an: Sie bauten die 50 Meter breite Freilichtbühne plus Bühnenhaus professionell aus, holten sich modernste Licht- und Tontechnik und versahen in diesem Jahr mit einer Millionen-Investition den Zuschauerraum mit einem dauerhaften stählernen Dachgewölbe. Damit nicht nur die Passion eine Zukunft hat, sondern auch andere werthaltige Freiluft-Veranstaltungen zwischen den Spieljahren dort stattfinden können.

    „Das ist das Geheimnis unseres Spiels: Eine tolle Gemeinschaft.“

    Robert König, Vereinsvorsitzender

    Weil der Verein Fränkische Passionsspiele Profi-Regisseure von außerhalb engagierte, gewann das Laien-Schauspiel vom Leiden und Sterben Jesu an Intensität, an Emotionen. Dieses Theaterstück christlichen und humanistischen Inhalts spricht die Zuschauer von heute wieder an, es erreicht auch viele junge Leute.

    „Wir wollen den Besuchern etwas mitgeben, sie zum Nachdenken anregen“, sagt Vereinsvorsitzender Robert König über das 2000 Jahre alte Drama, das in der Sömmersdorfer Version eingebettet ist in die Gegenwart. Gläubige und Nichtgläubige, Junge und Alte sollen sich berühren lassen. Damit diese Geschichte von Liebe und Hass, von Treue und Verrat, von Boshaftigkeit und Begeisterung, von Manipulierung und Standhaftigkeit nachwirkt.

    König ist einer der fünf leitenden Personen des ehrenamtlichen Vereinsvorstands. Er ist bereits im Ruhestand, „sonst ginge das hier gar nicht“, zollt ihm Schriftführer Hubert Rüth, ebenfalls Rentner, seinen Respekt. Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Johannes Gessner und Norbert Mergenthal sowie Kassier Dieter Mergenthal stehen voll im Beruf und haben zum Teil noch junge Familien.

    Die Passion bestimmt während der monatelangen Proben und der neunwöchigen Spielzeit ihren Lebensrhythmus sowie den der 420 Vereinsmitglieder, die auf der Bühne stehen oder im Hintergrund helfen, bei Baumaßnahmen, beim Kostüme Nähen oder bei der Steuerung der Technik. Der Vereinsvorstand muss allerdings darüber hinaus vor und nach jeder Spielzeit unzählige Sitzungen und Entscheidungen bewältigen, muss tausend Dinge organisieren. Vorsitzender Robert König war 2018 zudem täglich auf der Baustelle, die die Nerven aller Beteiligten strapazierte.

    Alle Verantwortlichen sind entweder in diese Passionsgeschichte hineingeboren worden oder nach ihrem Zuzug nach Sömmersdorf hineingewachsen in diese Leidenschaft. „Da ist früh etwas eingepflanzt worden, das man erhalten will“, drückt Norbert Mergenthal sein Engagement aus. Seine Vorfahren waren Mitgründer der Passion. „Die nächste Generation soll auch diesen Zusammenhalt spüren“, lautet sein Wunsch.

    Das Passionsspiel ist Treffpunkt für Junge und Alte, Alteingesessene und Neuzugezogene. „Wie bei einer Familienfeier“ geht es hinter der Bühne zu, locker und fröhlich, sagt König. „Das ist das Geheimnis unseres Spiels: Eine tolle Gemeinschaft.“

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