• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Fränkischer Blues im Schweinfurter Augustinum

    2019 war Christian Jung schon einmal in der Stadt und hatte sein Publikum begeistert. Glücksgefühle gab es beim 2020er-Auftritt wieder. Auch wenn diesmal einiges anders war.
    Fränkischer Blues im Augustinum Schweinfurt. Foto: Manfred Herker

    Bei ihrem Auftritt im Vorjahr hatten die Nürnberger "Alligators of Swing" des Pianisten Christian Jung mit ihrem Können und ihrer Spielfreude für gute Laune gesorgt. Vor allem Jung, begehrter Pianist in der Blues- und Jazzszene, gefiel mit seinem eleganten virtuosen Spiel.

    Diesmal kam Jung auf Einladung von Kulturreferentin Erna Rauscher mit einer anderen Besetzung: mit der Band "Der Blues hat einen neuen Vornamen" aus Markus Rießböck (Saxofone, Flöte), Udo Schwendler (Bass und Sousaphon), Anselm Gaylor (Schlagzeug) und ihm am Steinway. Blues inspirierte Jazz-, Boogie- und Soultitel standen auf dem Programm. Meist eigene Kompositionen des Komponisten, nicht immer zum Vorteil gegenüber den bekannten Jazz- und Bluesnummern mit ihren Originaltexten.

    Vielleicht braucht es auch deshalb eine geraume Zeit, bis nach Titeln wie "Fröhlicher Blues" oder "Southside of Fürth" wirklich entspannte Stimmung aufkommt, obwohl sich Saxofonist Rießböck hier mächtig ins Zeug legt. Doch immer schafft man es eben nicht, das Publikum nach Ansage "vom Hocker zu reißen", wie es der Prospekt der Musiker versprach. Als aber Christian Jung den Titel "I’m gonna tell my Mama" auch auf Fränkisch ansagt – "Wart na, des sag i fei mei Mudder" – ist das Eis gebrochen.

    Christian Jung begeistert wieder mit seinem ausgezeichneten Klavierspiel, besonders virtuos in den Boogie-Titeln, in denen er über rollenden Bässen melodiöse, von Trillern und Tremoli gefärbte Figuren zaubert. In den Swing-Titeln wie in "The Nectar" gefällt er mit seinen improvisierten Triolenketten und seinem Ideenreichtum. Jung erzählt auch von den Inspirationen und Hintergründen seiner Kompositionen. "The Nectar from Cotton Field" bezieht sich auf das nächtliche Schnapsbrennen auf den Baumwollfeldern, "Singing and playing" entstand auf einer Europa-Tour mit der Bluesssängerin Karen Carroll und handelt vom Heimweh, und der Bossa "Just be" beschreibt einen  unvergesslichen Sonnenuntergang in Portugal.

    Und wer bekommt den meisten Applaus?

    Markus Rießböck gibt den Blues-Titeln mit seinem heiseren, oft röhrenden Tenorsaxofon Schwere und Intensität. Sein Solo im schnellen "I'm gonna" ist ein expressiver Parforce-Ritt durch die Register seines Instruments. In "Don't treat me like a Dog" imitiert er mit seinem Sopransaxofon das klägliche Jaulen eines Hundes.

    Aber auch die beiden Rhythmus-Spieler können sich hören lassen: Udo Schwendler verblüfft mit seinen schnellen Läufen auf dem nicht leicht zu spielenden Sousaphon. Und wer bekommt mal wieder den meisten Beifall: Anselm Gaylor mit seinem explosiven Schlagzeugsolo. Nachdem die Musiker dem Publikum mit dem gemeinsam gesungenen "I'm happy" ein wohliges Glücksgefühl suggeriert hatten, wurde dies an der Augustinum-Bar mit einem Glas Sekt gefestigt. Ein beschwingter Abend.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!