• aktualisiert:

    REGION GEROLZHOFEN

    Frank Stierhof ist vieles - und bald auch Abgeordneter?

    Illusionen macht er sich keine. Als Kandidat der Freien Wähler weiß er, dass der Direkteinzug in den Landtag im „CSU-Wahlkreis“ Kitzingen eher unwahrscheinlich ist. Und auch der Listenplatz 8 im Bezirk ist keine Garantie für einen Platz im Maximilianeum. Frank Stierhof nimmt es gelassen: „Abwarten – die Hoffnung stirbt zuletzt“. Und das in einem Jahr, das Frank Stierhof so schnell ohnehin nicht vergessen wird.

    Er hat seinen Meister gemacht, ist Vater geworden und jetzt kommt noch die Landtagskandidatur. Stierhof ist 37 Jahre alt, Industriemeister bei Rexroth in Volkach, Nebenerwerbslandwirt, Mitbetreiber eines Erlebnisbauernhofes in Dornheim und ausgewiesener Naturfreund. Öffentlich aufgefallen ist er bisher kaum. „Ich bin kompletter Neueinsteiger“, sagt er. Mit Politik hat er weder auf Gemeinde- noch auf Kreisebene Erfahrung.

    Zur Kandidatur ist er durch Zufall gekommen. „Schuld“ ist die Landrätin der Freien Wähler. Tamara Bischof hat Mitte 2017 dem tatkräftigen Mann die Idee der Kandidatur näher gebracht. Das konnte er nicht ausschlagen. Zumal er beim größten Teil des Programms der Freien Wähler – derzeit auf 94 Seiten zu haben unter der Überschrift „Für die Zukunft unserer Heimat“ – mitgehen kann. Und so sagte er: „Mach ich – kann nicht mehr als schief gehen.“

    Der Rest war Parteiroutine. Im November war Nominierungsversammlung in Dornheim. Danach war Tamara Bischof wieder Bezirkstagskandidatin und Stierhof mit über 90 Prozent der Stimmen Landtagskandidat. Vor der Wahl hatte er seine Ziele vorgestellt: die Förderung der Landwirtschaft, der Nebenerwerbslandwirte und des ländlichen Raumes insgesamt. Die Verbesserungen bei der Digitalisierung und im Nahverkehr zählt er dazu, aber auch die Sicherung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung. Es sind Forderungen, hinter denen er persönlich steht, deren Grundlage eigene Erfahrungen sind. Wenn er zum Schichtdienst fährt, muss er durch drei Funklöcher – Handyempfang Glückssache. Er wohnt am Rand des Landkreises und weiß, wie schwer es ist, dass die Tochter seiner Lebensgefährtin mit dem Bus ins Gymnasium nach Wiesentheid kommt. Zudem ist er gerade Vater eines Sohnes geworden. Er kennt sich aus mit den Themen Hausgeburt und medizinische Versorgung auf dem Land. Der Mann erweckt den Eindruck zu wissen, wovon er spricht.

    Inzwischen hat er einige Wahlveranstaltungen hinter sich: Den Neujahrsempfang der Freien Wähler zum Beispiel, das Polit-Speed-Dating beim Bezirksjugendring oder eine Podiumsdiskussion beim Hotel- und Gaststättenverband. Termine, die Stierhof nebenbei auf die Reihe kriegen muss. Denn eigentlich hatte und hat Stierhof genug zu tun.

    Bei Rexroth ist er für den Einsatz von bis zu 30 Leuten im Drei-Schicht-Betrieb zuständig. Der Meisterbrief hat ihn eineinhalb Jahre „Pauken“ gekostet. Daheim wartet der Erlebnisbauernhof der Eltern. Ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Dazu kommt der Sohn, der vor ein paar Wochen geboren wurde. „Das geht schon“; alle würden zusammenhelfen, sagt Stierhof gelassen. Dass er nebenbei noch ein Haus zu einer Seniorenwohnung und im ersten Stock die Wohnung für sich und seine Lebensgefährtin mit Familie umbaut, läuft nebenbei. Beim Gespräch merkt man, Frank Stierhof ist da, wo er hingehört. Er kennt auch Großstädte. Seine Sache ist aber das Land. Hier bringt er sich ein. Nicht nur im Bauernhof. Frank Stierhof ist hauptamtlicher Naturschutzwart im Landkreis, dazu Biber- und Bachmuschelbeauftragter. Dass er beim Kreisjugendring aktiv ist und daher auch den Schwerpunkt Jugendpolitik nennt, lässt sich gut verbinden. Seine Erfahrungen an Kinder und Jugendliche weiterzugeben, ist eine Leidenschaft. Ob am Wolfsee den Biber zu beobachten oder einen der letzten Bestände der Bachmuschel vor Ort – Stierhof versteht es, Kinder zu faszinieren.

    Die Kandidatur und die Chancen sind da eher ein Randthema. Aber noch mal zur Hoffnung. Dass fast nichts unmöglich ist, haben die letzten Wahlen gezeigt. Susanne Knof aus Obernbreit wurde 2013 über die Liste der Freien Wähler zur ersten Nachrückerin. Wenn der Abgeordnete Günther Felbinger nach seiner Affäre nicht nur die Partei, sondern auch den Landtag verlassen hätte, wäre sie drin gewesen. „Es ist alles sehr unwahrscheinlich“, sagt Frank Stierhof dennoch zu einer Landtagskarriere. Und am Ende: „Ich habe einen guten Job, wäre aber beim besten Willen nicht bös' drum, wenn es was werden sollte.“

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!