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    Schweinfurt

    Frauenhäuser: Jede zweite Frau in Bayern wird abgewiesen

    Frauenhäuser sind eine Zuflucht auf Zeit, bieten Schutz für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Ob psychischer oder physischer. In ein Frauenhaus zu gehen, ist ein großer Schritt. Doch viele Frauen können die Häuser nicht helfen, sie haben schlicht zu wenig Plätze. Foto: Britta Pedersen/dpa

    Die Zahlen, die eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität 2015 vorgelegt hat, waren alarmierend. Jede zweite Frau, die in Bayern in einer akuten Gewaltsituation in einem Frauenhaus Schutz suchte, muss abgewiesen werden, heißt es da. Die Studie hatte das Bayerische Sozialministerium unter Sozialministerin Emilia Müller in Auftrag gegeben. Passiert ist trotzdem relativ lange relativ wenig. Für 2017 wurden dann zusätzliche 1,5 Millionen Euro Beratungsstellen und Frauenhäusern zur Verfügung gestellt – erstmals wurde auch die Kinderbetreuung bezuschusst. 408 Kinderplätze gibt es in den 38 Frauenhäusern in Bayern. Frauenplätze sind es insgesamt 387. An der höheren Förderung will der Freistaat nicht nur festhalten, sondern diese ausbauen, kündigte Sozialministerin Kerstin Schreyer 2018 an. Wann und wie, das ist noch relativ offen.

    Gertrud Schätzlein im Interview: Gewalt an Frauen ist immer noch kein großes Thema

    Es geht nicht ohne Spenden – und auch nicht ohne Ehrenamtliche

    Wie finanziert sich ein Frauenhaus? Die Frauen, die dort Schutz finden, wohnen nicht umsonst, sie zahlen Miete. Wer kein Einkommen hat, für den muss der Staat einspringen, über Hartz IV zum Beispiel. Beispiel Schweinfurt: Das Frauenhaus finanziert sich zu 72,2 Prozent über Mittel aus der Region Main-Rhön. Beiträgen der Stadt Schweinfurt, der Landkreise Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld. Der Zuschuss ist auf alle gleich aufgeteilt. Die Beträge liegen im unteren vierstelligen Bereich. Das Land Bayern bezuschusst zwei Stellen im Frauenbereich. Das Ministerium für Arbeit- und Sozialordnung fördert die Einrichtung mit 8,5 Prozent der Gesamtkosten. Den Rest des Defizits muss der Trägerverein "Frauen helfen Frauen", der unter dem Dachverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist, finanzieren.  Ohne Spenden würde das ganze System nicht funktionieren.

    Und auch nicht ohne Ehrenamtliche. Von Anfang an haben sie das Schweinfurter Frauenhaus mit gestemmt, bis heute ist man auf das Engagement angewiesen. Beispielsweise, um die 24-Stunden-Rufbereitschaft zu gewährleisten. Was nicht abgedeckt werden kann, müssen Hauptamtliche übernehmen. Inzwischen hat man in Schweinfurt weitere Ehrenamtliche gesucht und gefunden. Ihnen bezahlt man für die Rufbereitschaft eine Übungsleiterpauschale, als Anerkennung, wie die langjährige Leiterin des Frauenhauses, Gertrud Schätzlein, sagt. So besteht das Team aus ehrenamtlichen Unterstützern heute aus zehn Personen.

    Ausbau geplant: 35 Prozent mehr Plätze in den Frauenhäusern

    Auf dem Drei-Stufen-Plan von Ministerin Schreyer steht auch der Ausbau der Personalstärke und der Plätze, wie ihn die Studie vorgeschlagen hat. Um rund 35 Prozent sollen sie erhöht werden, später will man ein Gewaltpräventionsprogramm auf den Weg bringen. Doch die fehlenden Plätze an den Frauenhäusern sind nicht das einzige Problem. Stichwort: bezahlbarer Wohnraum.

    Dass manche Frau bis zu eineinhalb Jahre im Frauenhaus bleibt, liegt nicht daran, dass sie es möchte. Viele finden keine Wohnung. Und das nicht nur in Ballungsräumen, auch in Würzburg und Schweinfurt. Oft liegt das auch an der Mietobergrenze, die es gibt, wenn der Staat Arbeitslosengeld oder Hartz IV bezahlt, weiß Schätzlein. Und oft sind die Frauen auf diese Hilfen angewiesen. In Würzburg haben die beiden Frauenhäuser unter Trägerschaft der AWO und des Sozialdienstes katholischer Frauen, unterstützt von der Stadt, deshalb 2018 ein Projekt auf den Weg gebracht: Second-Stage-Wohnungen als Übergangslösung nach dem Frauenhaus, bis die Frauen etwas eigenes finden.

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    Wo Frauen Hilfe finden
    Bei der Polizei: Frauen, die akut von Gewalt bedroht sind, können die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigen. Übrigens gibt es in jeder Dienststelle mindestens einen Sachbearbeiter für häusliche Gewalt.
    Im Frauenhaus: Rund um die Uhr sind die Frauenhäuser zu erreichen. In Schweinfurt unter Tel. 09721 786030, in Würzburg ist das Frauenhaus im SkFunter Tel. 0931 4500777 zu erreichen, die Einrichtung der AWO unter Tel. 0931 619810. Auf allen Homepages finden sich auch grundsätzliche Informationen.
    Eine Übersicht über Frauenhäuser und Fachberatungsstellen in Deutschland bietet die Seite des Vereins Frauenhauskoordinierung. Dort gibt es auch einen Link zum Hilfetelefon des Bundesamtes für Familie, das unter der Nummer 08000 116 016 und via online-Chat Beratung  in 17 Sprachen anbietet.

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