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    SCHWEINFURT

    Früh übt sich, was ein Jazzer werden will

    Wie vielseitig die musikalische Bandbreite am Celtis-Gymnasium ist, bewies das noch recht junge Format JAC (Jazz am Celtis). Foto: Josef Lamber

    Wie wollen wir das Baby nennen? Nein, diese Frage stellen sich nicht nur junge Eltern, sondern auch Schüler, die eine Jazz-Combo gründen wollen. Da kann der richtige Bandname schon mal Türen öffnen. Nach langen und hitzigen Diskussionen ließen die Bandmitglieder dann doch den Computer entscheiden, der aus einigen wichtigen Schlagwörtern den ultimativen Namen generierte: „Linus and the Jazzy Döner Brigade“.

    Besagter Linus Schneider (drums) moderierte mit trockenem Humor den Auftritt und zeigte zusammen mit Felix Fähr (bass), Aushilfe Kevin Pfister (piano), Denis Hraban (Altsax) und Anton Weißenberger (Tenorsax), wo man nach einem Jahr Zusammenspiel steht. Ihre erste Nummer wirkte noch etwas abgezählt, aber nach den ersten Soli hatten sie sich warm gespielt, und „Freddy Freeloader“ (Freddy, der Schnorrer) von Miles Davis geriet formidabel. Horace Silvers Jazz-Standard „Song form y father“ verdichtete sich dann zu einer recht kompakten Nummer.

    Wie vielseitig die musikalische Bandbreite am Celtis-Gymnasium ist, bewies das noch recht junge Format JAC (Jazz am Celtis). Unter dem eher sperrigen Kurstitel „Zusatzfach-Jazzklavier-Klasse“ bringt Waldemar Oberst junge Pianisten zum Jazz. Ob Jan Gehrig, der sein Stück lässig moderiert und dann mit gekonntem Groove seinen walking bass mit der linken Hand wandern, lässt oder Gabrielle Sibucao, die mit „Fly away“ eine gefühlvolle Eigenkomposition zu Gehör bringt – die Unterschiede sind hörbar und zeigen, wie individuell Jazzmusik funktioniert: Sie lebt von und durch die Interpreten. Anschlag, Rhythmus, Improvisation und nicht zuletzt Herzblut sind die Zutaten.

    Auftritt an der alten Schule

    Robin Jung legt die Gesangsmelodie des Klassikers „Georgia in my mind“ von Hoagy Carmichael elegant über der Begleitung. Carla Conrad schließlich präsentiert ein selbstgeschriebenes Lied über Freundschaft, die zerbrochen ist. Wohin die Förderung von Jazz bei jungen Musikern führt, zeigte der Auftritt des special guest Kevin Pfister. 2017 hatte er Abitur gemacht, mittlerweile studiert er an der Jazz-Klasse an der Hochschule für Musik in Würzburg. Sichtbar erfreut, dass er wieder an seiner alten Schule auftreten kann, bewies er mit dem Jazz-Standard „Dear old Stockholm“ Format und Klasse.

    „How do they keep the music playing“ schließlich ist der Name der zweiten Combo, die sich an diesem Abend dem applausfreudigen Publikum stellte. Ebenfalls aus der „Zusatzfach-Combo-Klasse“ (Leitung C. Kraus) zeigten Paul Weißenberger (Trompete), Christina Ziegler (Sax), Jacob Hahn (Posaune), Claus Gehrig (Schlagzeug), Nils Sasse (Bass) und Robin Jung am Klavier ihr Können. Sie ließen sich auf die dichten Bläsersätze und den experimentellen Satz ein. Sehr selbstbewusst stellten sie sich dem dramatischen Aufbau von Herbie Hancocks „Chameleon“ und glänzten mit ihren Solos.

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