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    Schweinfurt

    Füße: Warum ein Schweinfurter Arzt einen Ratgeber schrieb

    Es ist ein Herzensprojekt, aber es geht um Füße: Orthopäde Dr. Stefan Feiler will verständlich für jedermann Symptome, Ursachen und Behandlung der Beschwerden erklären.
    Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Stefan Feiler mit seinem Ratgeber.  Foto: Anand Anders

    Vier bis fünf Jahre Arbeit stecken darin. Und ein kompletter Sommerurlaub. An vielen Tagen saß Stefan Feiler von 5 bis 7 Uhr früh am Schreibtisch, bevor der Alltag und die Arbeit losgingen - und schrieb. Sein Buch trägt einen knappen Titel: „Füße“. Es ist ein Herzensprojekt des Schweinfurter Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie. Dr. Stefan Feiler ist spezialisiert auf Erkrankungen und Verletzungen des Fußes und des Sprunggelenkes. Er sagt: "Ich habe mich als Arzt den Füßen mit Leib und Seele verschrieben." 

    Stoff hätte eigentlich für mehr gereicht

    „Das war schon ein toller Moment, als das erste Paket mit dem fertigen Buch angekommen ist“, sagt der Orthopäde. 246 Seiten sind es geworden, der Stoff hätte für weit mehr gereicht. Dann aber wäre das Buch teurer geworden. Weil der Ratgeber die "20-Euro-Schallmauer“ nicht durchbrechen sollte, musste Feiler die Themen angeborene Fußprobleme, Kinderfüße und Tipps zum Kauf von Kinderschuhen außen vor lassen. 

    Röntgenbild: Hallux valgus vor der Operation Foto: Dr. Stefan Feiler

    Warum der 53-jährige Mediziner dieses Buch schrieb? Zum einen, weil es zum Thema Fuß und Sprunggelenk seiner Erfahrung nach eher Fachliteratur für Ärzte als Ratgeber für Patienten gibt. Zum anderen, weil Feiler in seinen  Sprechstunden regelmäßig erlebt, dass Patienten sich verständliche, umfassende Informationen wünschen.

    Welche Ursachen haben Probleme am Fuß? Wie kann man sie behandeln? Was kann man selbst tun, um die Beschwerden zu verbessern? Wann ist eine Operation sinnvoll? Gibt es Alternativen zum operativen Eingriff? Genau damit beschäftigt sich Feiler in seinem Buch. Der Untertitel:  „Beschwerden wirksam behandeln: Untersuchung-Diagnose-Therapie.“

    Röntgenbild: Hallux valgus nach der Operation Foto: Dr. Stefan Feiler

    Einstiegskapitel: Das Navi für den Fuß

    Und damit man weiß, worum es eigentlich geht, wenn man von Vorfuß, Kahnbein oder Zehenstrecker spricht, fängt das Buch anatomisch mit dem Kapitel „Das Navi für den Fuß“ an. 28 Knochen, 33 Gelenke, 65 Muskeln: So ein Fuß hat's in sich.

    Für einen Fuß-Ratgeber gebe es Bedarf, sagt Feiler. Drei von vier Deutschen leiden während ihres Lebens unter Fußproblemen. Und Fußerkrankungen werden häufiger - oder zumindest häufiger behandelt. Das zeigen die Operationsstatistiken der Kliniken. Die Menschen werden immer älter, bewegen sich weniger, haben häufiger Übergewicht. All das belastet und sorgt auch für Probleme an Fuß und Sprunggelenk.

    „Fußchirurgie ist eine junge Disziplin“, sagt Feiler. Die Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren sei rasant gewesen. Als er das Buch geschrieben hat, recherchierte er für jedes Kapitel intensiv in der neuesten Fachliteratur. „Das war für mich selbst noch einmal sehr lehrreich.“

    Für Feiler extrem wichtig: Palpation, Untersuchung der Füße des Patienten mit der Hand.  Foto: Anand Anders

    Was Feiler wichtig ist: anschaulich zu zeigen, wie eine bestimmte Fehlstellung oder Erkrankung -  zum Beispiel eine Hammerzehe oder ein Hallux valgus, also die  Fehlstellung der Großzehe - im Detail aussehen. Dazu hat er für den Ratgeber Zeichnungen entworfen, zeigt Röntgenbilder und erklärt an einem Fuß-Skelett, wie wo was operiert wird. Und er erklärt, woher die Namen wie Hallux valgus kommen: Hallux steht im Lateinischen für Großzehe, valgus steht für krumm und bedeutet in der medizinischen Fachsprache eine X-Stellung. Am Fuß ergibt sich eine X-Form, wenn der Großzehenballen nach innen und die Großzehe nach außen abweichen. 

    Tritt häufig auf: Hallux valgus 

    Der Hallux valgus ist übrigens weltweit der häufigste Grund, warum jemand zu einem  Fußspezialisten geht. Eine dauerhafte Korrektur ist nur mit einer Operation möglich. Feiler rät aber dringend, sich nicht aus kosmetischen oder ästhetischen  Beweggründen operieren zu lassen. „Schmerzhafte Beschwerden sind in meinen Augen der einzige nachvollziehbare Grund, sich unter das Messer zu begeben." Im Buch wird der Orthopädie da auch sehr deutlich: „Beherzigen Sie bitte meinen Grundsatz: Keine Schmerzen, keine Operation.“

    Verstärkung der Hallux valgus Fehlstellung durch das Ungleichgewicht der Kräfte Foto: Dr. Stefan Feiler

    Wer einen Hallux valgus hat und mit dem Gedanken an eine Operation spielt, sollte sich folgende Fragen stellen, rät Feiler. Lautet auf einige dieser Fragen die Antwort „Ja“, sei es angebracht, sich über die Möglichkeiten einer Behandlung durch eine Operation zu informieren.

    • Leiden Sie an immer wieder auftretenden Entzündungen an der Innenseite des Fußballens? 
    • Wird das Tagen von Schuhen mehr und mehr zum Problem?
    • Bekommen Sie Schmerzen bei Aktivitäten, die Ihnen am Herzen liegen?
    • Leidet Ihre Lebensqualität?
    • Häuft sich die Einnahme von Schmerzmedikamenten wegen der Beschwerden?
    Der Orthopäde und Ratgeber-Autor
    Dr. Stefan Feiler ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Der 53-Jährige hat in Würzburg studiert. Er betreibt eine Praxis in Schweinfurt und operiert im Ambulanten OP Zentrum Schweinfurt sowie stationär im Marktkrankenhaus Werneck und in der Geomed-Klinik Gerolzhofen. Feiler war über ein Jahrzehnt Mannschaftsarzt des deutschen American-Football-Nationalteams, ist Teamarzt der Schweinfurt Ballbearings und der Freien Turner Schweinfurt im Jugendbereich. Er ist Mitglied der Gesellschaft für Fußchirurgie, der deutschen Assoziation für Fuß- und Sprunggelenk sowie der European Foot and Ankle Society. Außerdem wurde er in die American Orthopaedic Foot and Ankle Society berufen.
    Das Buch: Dr. Stefan Feiler, "Füße", Verlag Zuckschwerdt, 20 Euro, ISBN 978-3-86371-264-8

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