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    Schweinfurt

    GKS: 9500 Tonnen Klärschlamm ersetzen 3000 Tonnen Kohle

    30 000 Tonnen Steinkohle wandern in einer Heizperiode auf die Roste des Gemeinschaftskraftwerks. Der Einsatz von Klärschlamm soll den Bedarf um zehn Prozent senken. Foto: Anand Anders

    Das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) wird ab 2020 auf den Rosten der Kohleverbrennung Klärschlamm aus der Region verfeuern. Einsparen will die GmbH damit zehn Prozent des Kohledurchsatzes. Der auf 90 Prozent Trockenmasse vorbereitete Klärschlamm wird vorerst von vier der neun kommunalen (mit Industrie 13) Gesellschaftern angeliefert. Ersetzen sollen die 9500 Tonnen Klärschlamm 3000 Tonnen Steinkohle. 30 000 Tonnen Kohle werden jährlich im GKS verbraucht.

    "Mit der Thematik beschäftigen wir uns schon geraumer Zeit", sagte im Gespräch mit der Redaktion Geschäftsführer Ragnar Warnecke, der in Zeiten des Kohleausstiegs den für das GKS neuen Entsorgungsweg unter der Sparte Zukunftssicherung einordnet. Wobei die Verbrennung am Schweinfurter Hafenbecken durch die Kraft-Wärme-Kopplung samt Nutzung der Energie aus dem Hausmüll und dem Einsatz von Stein- und nicht von Braunkohle als umweltfreundlich und wegweisend anerkannt ist und die Technik der gesamten Anlage als "sehr gut in Schuss" gilt, so Warnecke.  

    Versuche mit der Biokohle

    Die Müllverbrennung reduziert aktuell den Kohlebedarf generell um 60 Prozent. Bemühungen seitens des GKS, einen weiteren Teil des fossilen Brennstoffs durch Biokohle zu ersetzen, scheiterte seit 2014 mehrfach an den Kapazitäten der Hersteller. Biokohle besteht übrigens aus verschiedenen biologischen Materialien.

    Beim Pressetermin nannte auch Dominik Reinig (Organisationsleitung und Stoffstrommanagement) den geplanten Einsatz von Klärschlamm im GKS eine Win-Win-Situation, da die Städte und Gemeinden nach einem Ende der Ausbringung der Schlämme auf den Feldern nicht wüssten, wohin mit den belasteten Schlämmen aus den Klärwerken.  

    Nur aus der Region

    Schätzungen gehen davon aus, dass in Bayern alljährlich eine Million und mehr Tonnen Klärschlamm zu entsorgen sind. Dieser ist in der Regel nur gering ausgetrocknet – fünf bis (stichfeste) 30 Prozent. Für die Verbrennung wird das GKS jedoch nur Klärschlamm mit 90 Prozent Trockensubstanz und nur Klärschlamm der Gesellschafter (also aus der Region) annehmen. In einem ersten Schritt sollen im kommenden Jahr 9500 Tonnen angeliefert und verbrannt werden. Für die Trockung der Schlämme zeichnen die Anlieferer verantwortlich, die dafür allesamt die Abwärme von Biogasanlagen nutzen wollen.

    Die bisherigen Tests haben ergeben, dass bei der vom Gesetzgeber gewollten Verbrennung der Schlämme die schädlichen Keime vernichtet werden. Noch nicht geklärt ist, ob und wie Phosphat bei der Verbrennung zurückgewonnen werden kann. Eingesetzt wird der Klärschlamm ausschließlich im Kohleteil. Die Kapazitäten des Müllteils sind bei einem Jahresdurchsatz von 180 000 Tonnen ausgereizt. Dies bedeutet auch, das Klärschlamm nur im Winter auf die Roste kommt, da der Kohleteil nur während der Heizperiode in Betrieb ist.

    Für den Einsatz von Klärschlamm muss die Abluftanlage nicht nachgerüstet werden. Foto: Gerd Landgraf

    Bei der Entsorgung der Kohleschlacke gehen Warnecke und Reinig davon aus, dass diese weiterhin und gerne vom Garten- und Landschaftsbau abgenommen wird. Auch sei ein Nachrüsten der "Hightech-Filter" der Abgasreinigung nicht gegeben.

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