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    Bergrheinfeld

    Garstädter Grüne fordern Glyphosatverbot von Kommunalpolitik

    "Wir haben's glyphosatt" – 152 Unterschriften hat die neu gegründete Ortsgruppe der Grünen in Garstadt für ein Glyphosatverbot auf gemeindlichen Flächen gesammelt. Den Bürgerantrag reichte das Vorstandsteam im Rathaus ein. Von links: Ingrid Turenne, Bürgermeister Ulrich Werner, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender Paul Knoblach, Ulrike Hochrhein und Robert Pfeifroth. Foto: Irene Spiegel

    Er hat zwar nur neun Mitglieder, aber die machen gleich richtig auf sich aufmerksam: Der am 5. April neu gegründete Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Bergrheinfeld-Garstadt fordert in einem Bürgerantrag mit dem Namen "Wir haben's glyphosatt" ein Verbot von glyphosathaltigen Mitteln auf allen von der Gemeinde verpachteten Flächen. 152 Unterstützer-Unterschriften hat die Ortsgruppe dafür gesammelt, dreimal soviel wie für einen Bürgerantrag nötig wären. Diese überreichte am Dienstagmittag das Vorstandsteam um den Garstädter Landtagsabgeordneten Paul Knoblach im Rathaus an Bürgermeister Ulrich Werner.

    2020 wird der größte Teil der gemeindlichen Pachtverträge neu vergeben. Rund 25 Hektar landwirtschaftliche Flächen, Wiesen und Gärten sind das. Der Gemeinderat soll nun beschließen, dass dort keine glyphosathaltigen Mittel mehr eingesetzt werden dürfen. Gleiches soll auch für Pachtverträge gelten, die automatisch verlängert werden. So fordert es der Bürgerantrag. Und die Initiatoren wünschen sich, dass der Gemeinderat dem Bürgerantrag nicht nur zustimmt, sondern gleich auch einen Appell an die Bevölkerung richtet, dieses Totalherbizid nicht mehr im heimischen Garten zu verwenden. Und: Bergrheinfeld soll gleichsam andere Gemeinden zur Nachahmung animieren.

    Erster Regional- und Biomarkt in Bergrheinfeld

    Bürgermeister Ulrich Werner zeigte sich optimistisch, dass der Bürgerantrag im Ratsgremium eine Mehrheit finden wird. Auf ihren selbst bewirtschafteten Flächen setze die Gemeinde sowieso schon kein Glyphosat mehr ein, und in Sachen Nachhaltigkeit nehme man eine Vorbildrolle ein. So wurde die Energieversorgung im neuen Rathaus auf nachwachsende Rohstoffe umgestellt, und am 1. Juni findet im Zehnthof der erste Regional- und Biomarkt in Bergrheinfeld statt. "Da erhoffe ich mir großen Zuspruch", sieht Bürgermeister Werner auch die Bürger in der Verantwortung, die Nachhaltigkeit zu leben. Besonders erfreut ihn deshalb, dass jetzt Bergrheinfelds größter Landwirt auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt hat.

    Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit werden in Deutschland jährlich 4700 Tonnen reines Glyphosat auf Ackerflächen ausgebracht. "Das sind 3,8 Millionen Liter", rechnete Landtagsabgeordneter Paul Knoblach vor. Dabei sei die Ungefährlichkeit des Herbizids für den Menschen nicht zweifelsfrei erwiesen und möglicherweise auch für das Insektensterben verantwortlich. Die WHO stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein, das Bundesinstitut für Risikobewertung dagegen als sicher, zitierte Knoblach die widersprüchlichen Aussagen, die in der Bevölkerung für Verunsicherung sorgen würden. Die Kommunalpolitik könne ihrer Verantwortung gegenüber den Bürgern und der Umwelt deshalb nur durch ein Verbot von Glyphosat nachkommen. "Bitte handeln Sie: Wir haben's glyphosatt", formulierte Knoblach den Willen der Unterzeichner des Bürgerantrags.

    Innerhalb der nächsten drei Monate muss der Gemeinderat nun über den Bürgerantrag entscheiden. So schreibt es die Bayerische Gemeindeordnung vor. Bürgermeister Ulrich Werner sicherte zu, dass eine Entscheidung noch vor der Sommerpause fallen werde.

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