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    Schwanfeld

    Gedenken an jüdische Mitbürger

    Über 2000 Juden fanden vor den Toren Schwanfelds ihre letzte Ruhestätte. Der Judenfriedhof wurde von vielen Gemeinden genutzt – von Bibergau bis Schwebheim. Aus Schwanfeld stammten bis zuletzt der Totengräber und der Totenfahrer.
    Über 2000 Juden fanden vor den Toren Schwanfelds ihre letzte Ruhestätte. Der Judenfriedhof wurde von vielen Gemeinden genutzt – von Bibergau bis Schwebheim. Aus Schwanfeld stammten bis zuletzt der Totengräber und der Totenfahrer. Foto: Hans-Peter Hepp

    Mit einem Rucksack aus Stein wollen sich die Schwanfelder Bürger an die Geschichte der Deportation jüdischer Bürger noch deutlicher erinnern. DenkOrt Deportation heißt die gemeinsame Aktion, die an die Verschleppung der Juden aus Unterfranken über den Hauptbahnhof Würzburg in die Lager nach Osteuropa gedenken soll. Die offizielle Eröffnung – geplant für den 21. April – ist wegen der Pandemie bis auf weiteres verschoben. Ein steinerner Rucksack wird seinen Platz am Mahnmal in Schwanfeld – gleich neben dem Rathaus – erhalten, ein zweiter mit den Stücken aus anderen unterfränkischen Dörfern am Würzburger Hauptbahnhof in der Gendenkstelle seine Heimat finden.

    Die verbriefte Geschichte der Juden in Schwanfeld geht weit zurück, im Jahr 1298  wurden sie verfolgt. Aus den Quellen wird vermutet, dass deshalb die ersten Juden aus der Bischofstadt Würzburg nach Schwanfeld geflohen waren. Das Dorf befand sich damals im Besitz der Henneberger und war ein Teil des Reichslehen Mainberg.

    Synagoge wurde Kino

    Der Anteil der Juden an der Schwanfelder Bevölkerung war groß: 1932 waren es fast 200 Einwohner, 1935 immerhin noch 50, 38 verließen zwischen 1936 und 1940 das Dorf – die meisten wanderten in die USA aus. 1942 wurden acht der noch zehn verbliebenen Juden nach Würzburg gebracht und nach Lublin deportiert, insgesamt wurden elf Schwanfelder, so die Aktion DenkOrt, verschleppt.

    Öffentliche Gebäude erinnern noch heute an die Zeiten, als die jüdische Gemeinde ihren Glauben lebte. Die einstige Judenschule von 1784 ist nun in Privatbesitz, die alte Synagoge war für lange Jahre das Kino der Gemeinde. In Erinnerung an Ludwig Gutmann (gestorben 1984), den letzten in Schwanfeld geboren Mitbürger jüdischen Glaubens, wurde der Weg zum Judenfriedhof benannt.

    Über 2000 jüdische Gräber

    Vor den Toren des Dorfes liegt der imposante Judenfriedhof. Bis 1940 wurde er noch von einigen Gemeinden genutzt, jetzt steht er unter Naturschutz, ist ein Kultur- und Landschaftsdenkmal. Auch die Vorfahren bekannter Juden fanden hier ihre letzte Ruhestätte, beispielsweise Urahnen der Lehmann Brother. Die Grabsteine auf dem Friedhof bleiben – streng den jüdischen Vorgaben nach  - dem Zahn der Zeit überlassen. Umgefallene Steine sollen liegen bleiben, Steine, die von Wind und Wetter gezeichnet sind, werden nicht restauriert. Insgesamt sind es rund 2400 Gräber, die sich über das zwei Hektar große Areal verteilen. Der Friedhof selbst wird ständig gepflegt, steht unter der Obhut der israelischen Kultusgemeine in Bayern und wird häufig von Gästen besichtigt, die den Ruhestätten ihrer Ahnen einen Besuch abstatten.

    Bei Führungen erfahren Besucher Wissenswertes über den jüdischen Glauben, über die Schriftzeichen auf den Grabstätten und über die Bestattungskultur. Man erhält Einblick in die Riten der Juden rund um ihre verstorbenen Verwandten, kann in das noch bestehende Tahara-Haus gehen, in dem die Leichenwaschung stattfand.

    Die Gemeinde Schwanfeld ist Mitglied der Deutsch-israelitischen Gesellschaft.

    Auf www.denkort-deportationen.de alle unterfränkischen Orte aufgelistet, aus denen jüdische Mitbürger in die Lager gebracht wurden. Nach dem Ende der Corona-Krise soll die Eröffnung der zentralen Gedenkstätte an der Südostseite des Würzburger Bahnhofsplatzes erfolgen.

    Hier wird der Rucksack aus Stein an die Verschleppung der jüdischen Mitbürger in den letzten Kriegsjahren erinnern. Die Stele steht in unmittelbarer Nähe zum Rathaus und zum Heimatmuseum.
    Hier wird der Rucksack aus Stein an die Verschleppung der jüdischen Mitbürger in den letzten Kriegsjahren erinnern. Die Stele steht in unmittelbarer Nähe zum Rathaus und zum Heimatmuseum. Foto: Hans-Peter Hepp
    So kunstfertig wurden die Rucksäcke aus Sandstein gefertigt. Ein Exemplar wird in Schwanfeld, ein zweites an der Würzburger Gedenkstätte seinen Platz finden.
    So kunstfertig wurden die Rucksäcke aus Sandstein gefertigt. Ein Exemplar wird in Schwanfeld, ein zweites an der Würzburger Gedenkstätte seinen Platz finden. Foto: Firma Neuhoff
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