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    Euerbach

    Gemeinde Euerbach lobt Akteure der Innenentwicklung

    Über 100 Jahre alt ist dieses Haus an der Euerbacher Hauptstraße, das ein Ehepaar kaufte und generalsanierte. Foto: Silvia Eidel

    Sie sind alles auf einmal: Kreative Sanierer, Bodenretter, Flächensparer, Klimaschützer und Dorfrocker – die Männer und Frauen, die im Innenbereich der Dörfer renovieren und bauen und damit wieder Leben in den Ortskern bringen, eben das Dorf "rocken". Ihnen gab die Gemeinde Euerbach einen Empfang im Rathaus, um Danke zu sagen, dass "sie sich auf das Abenteuer Ortskern eingelassen haben".

    So drückte es Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold aus, der in der Allianz Oberes Werntal der Motor und deutschlandweit der Repräsentant des Themas Innenentwicklung ist. Er wusste, dass es zwar anstrengend sein könne, im Innerort zu bauen, etwa wenn Bauherren die Nachbarn mit Baulärm und -dreck belasten müssten. Oder wenn eine Baulücke bebaut und einem Nachbarn die Aussicht zugebaut werde. Aber das angeblich einfachere Bauen auf der grünen Wiese berge ebenfalls Stolpersteine, wenn etwa Arten- und Naturschutz zu beachten seien.

    Die Erfolge der zehnjährigen Bemühungen zur Innenentwicklung in der Allianz können sich sehen lassen, wie Allianzmanagerin Eva Braksiek vorstellte. 2008 hatte es in Euerbach 353 Flächen zur Wiederbelebung oder Bebauung gegeben, 2017 waren davon 169 oder 16,4 Hektar genutzt. Fast die Hälfte der Fläche, genau 48 Prozent, konnte aktiviert werden. "Damit ist Euerbach Spitzenreiter auf Allianzebene", lobte Braksiek, "dank Ihres Engagements."

    Ohne die Innenentwicklung hätte man fast elf Hektar Fläche zusätzlich im Außenbereich gebraucht, in der ganzen Allianz 50 Hektar zusätzlich. Dazu kommen die Kosten für die Versorgungsleitungen und für Ausgleichsflächen. Gleichzeitig blieben in Euerbach, das auf neue Wohnbaugebiete ganz verzichtet, die Einwohnerzahlen stabil.

    "Wir wollen dranbleiben, um lebendige Ortskerne zu erhalten."
    Eva Braksiek, Allianzmanagerin

    Daher sei die Oerlenbacher Erklärung mit dem Vorrang einer Innen- vor einer Außenentwicklung auch die richtige Zukunftsstrategie, sagte Braksiek. "Wir wollen dranbleiben, um lebendige Ortskerne zu erhalten."

    Beim Thema Innenentwicklung ist auch der Landkreis Schweinfurt seit zehn Jahren aktiv, informierte Regionalmanager Ulfert Frey. Als erster Kreis in Bayern hat er 2017 zudem ein Innenentwicklungskonzept aufgestellt: Mit Informationen und Sensibilisierung für das Thema, mit Bauberatung und Abriss- und Entsorgungsförderung, mit der Anerkennung kreativer Lösungen durch den Gestaltungspreis "Punctum". Aber Innenentwicklung bleibe Daueraufgabe, weshalb verstärkt daran gearbeitet werde.

    Der Aufgabe gestellt haben sich bereits etliche Alt- und Neu-Euerbacher. So hatten beispielsweise Constanze Mrhal-Weber und Heiko Klug vor einem Jahr einen leer stehenden Bauernhof in Sömmersdorf gekauft und das Haus komplett kernsaniert, mit viel Eigenleistung. Förderanträge bei der Gemeinde sowie über die Dorferneuerung sind gestellt, sagte das Paar beim Empfang, "ein schöne und willkommene Zugabe" für ihr Projekt.

    "Wir hatten in Schweinfurt ein großen Haus und haben uns bewusst verkleinert."
    Mario und Angelika Santos, Bauherren in Euerbach

    Für die Bauherrin, die aus Sömmersdorf stammt, war die Rückkehr nach Hause ein Argument. Zudem kann sie auf dem Grundstück mit Scheune und Stallungen Pferd und Hund halten.

    Aus Portugal stammt dagegen Mario Santos, der mit Frau Angelika ein 100 Jahre altes Haus in Euerbach kaufte und sanierte. "Wir hatten in Schweinfurt ein großen Haus und haben uns bewusst verkleinert", erklärte die Bauherrin. Das besondere Ambiente des alten Gebäudes und "das Ländliche" waren Argumente. Die Idee der Innenentwicklung bezeichnete das Ehepaar großartig, zumal damit auch viel Fläche gespart werde. Und den finanziellen Anreiz über die städtebauliche Sanierungssatzung lobten sie: "Schön, dass die Gemeinde das honoriert."

    Euerbachs Bürgermeister Artur Arnold (links) dankte bei einem Empfang im Rathaus den Bauherren im Ortskern für ihr Engagement. Allianzmanagerin Eva Braksiek (Zweite von links) zeigte dabei die Erfolge der Innenentwicklung auf. Foto: Silvia Eidel
    Im Euerbacher Gemeindeteil Obbach wurde in diesem Jahr auch dieses Anwesen vorbildlich saniert. Foto: Silvia Eidel

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