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    RÖTHLEIN

    Gemeinderat Röthlein: Heizen mit Eis?

    Vor kurzem erst sind die archäologischen Grabungen im Heidenfelder Baugebiet An der Sulz abgeschlossen, schon gehen die Planungen für die Erschließung weiter. Nach der Firma ÜZ aus Lülsfeld war jetzt Jochen Manger von der Firma Viessmann mit einem „informativen Schnelldurchlauf“ über mögliche Nahwärmenetze zu Gast im Gemeinderat – nicht, wie er betonte, als Mitarbeiter, sondern als „Bürger aus Heidenfeld“. Manger präsentierte einige Beispiele mit zukunftsweisenden Nahwärmenetz-Lösungen. Wichtiges Kriterium für die Auswahl von Heiztechnologien ist der Primärenergiefaktor zur Bewertung unterschiedlicher Energiearten, wie er mit Projektbeispielen verdeutlichte.

    Interessante Möglichkeiten, die allerdings nicht alle in Heidenfeld realisierbar seien, wie beispielsweise die Solarthermieanlage in Hand einer Bioenergiegenossenschaft in Mengsberg. Möglich dagegen seien Containerheizzentralen, für die die Gemeinde oder externe Dienstleister das Wärme-Contracting übernehmen, zwei Varianten mit Biomasse- oder Pelletbetrieb stellte der Heizungsfachmann exemplarisch vor.

    Eisspeicher-System als Alternative

    Als viertes Versorgungsbeispiel präsentierte Manger dann ein Eis-Energiespeichersystem mit Sole/Wasser-Wärmepumpe, im Prinzip ein kostentechnisch ähnliches Kaltwärme-Konzept wie es die Firma ÜZ vor ein paar Wochen bewarb. Allerdings fallen im Gegensatz zum vorgestellten ÜZ-System mit Erdsonden die Bohrungen weg und machen so das Eisspeicher-System zu einer genehmigungsfreien Alternative.

    Als wichtigste Wärmequelle fungiert ein Eisspeicher, der aus einer nicht isolierten, mit Wasser gefüllten Zisterne zumeist aus Beton besteht, die komplett im Erdreich vergraben wird. Im Inneren befinden sich große Spiralen aus Leitungen, in denen eine frostsichere Flüssigkeit (Sole) zirkuliert. Der Wasservereisungs- und Verflüssigungsprozess setzt hohe Mengen an Kristallisationsenergie frei, zur Effizienzsteigerung kann zusätzlich eine Dach-Solaranlage installiert werden. Im Gebäude befindet sich dann die Wärmepumpe.

    Gemeinderäte zeigten sich inspiriert

    Im Sommer biete der Eisspeicher die Möglichkeit zur Raumtemperierung ohne zusätzlichen Energieeinsatz. Möglich sei auch eine große Zisterne für mehrere oder alle Häuser im Baugebiet. Die Gemeinderäte zeigten sich ob des informativen Schnelldurchlaufs inspiriert, Jürgen Lorenz favorisierte das Eisspeicher-System und wünschte eine grobe Kostenanalyse, Peter Gehring erkundigte sich nach wohl möglichen Bürgerbeteiligungen und Andreas Hetterich fragte nach einer Kostenprognose für die von ihm bevorzugte Containerheizzentrale im Pellet-Betrieb. Doch die konnte Manger ad hoc ebenso wenig liefern, wie die Lebensdauer einer solchen Anlage.

    Knackpunkt für einige Gemeinderäte: Bei solchen Containerheizzentralen im gemeindlichen Betrieb müssen alle Bauherren das Angebot annehmen und da befürchteten manche zögerlichere Grundstücksverkäufe, doch laut Peter Krenzer springe kein Bauwilliger wegen der festgelegten Nahwärmeversorgung ab.

    Problematischer sei da wohl der Zeitfaktor, das Baugebiet soll zügig voranschreiten und einige Energieversorgungsvarianten brauchen eine intensive Vorbereitungszeit, wie Manger erläuterte. Auf den Punkt brachte es schließlich Florian Kress: In erster Linie werde erst einmal eine Grundsatzentscheidung im Gremium über die Richtung die Energieversorgung fällig: Dezentral oder zentral mit Bürgerbeteiligung oder Wärme-Contracting mit der Gemeinde oder einem externen Betreiber.

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