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    Schweinfurt

    Gericht erkennt auf Körperverletzung statt Mordversuch

    Gericht erkennt auf Körperverletzung statt Mordversuch
    Die Forensische Psychiatrie in Werneck: Zwei Attacken eines 29-Jährigen auf Mitpatienten waren laut Gericht zwar keine Mordversuche im Zustand der Schuldunfähigkeit, untergebracht wird er trotzdem. Der Mann sei hochpsychotisch und eine Gefahr für die Allgemeinheit. Foto: Anand Anders

    Der studierte Musiker (29) ist in der Psychiatrie in Werneck untergebracht. Er ist recht unruhig und deshalb im Überwachungszimmer, zusammen mit einem weiteren Patienten. Am Morgen des 25. Oktober 2018 beobachtet eine Krankenschwester durch das Fenster, wie sich der 29-Jährige auf den schlafenden 61-jährigen Mitpatienten wirft und offenbar versucht, ihn zu würgen. Sie und weitere Pfleger sind sofort zur Stelle, reißen den Angreifer von seinem Opfer weg und fixieren ihn, um Schlimmeres zu verhindern.

    Angriff von hinten gegen den Kopf

    Am 20. November dann ein zweite Attacke auf einen 40-jährigen Patienten: Als dieser sich an der Ausgabe Medikamente holen will, greift ihn der Musiker vor dem Stationsstützpunkt von hinten an, versucht seinen Kopf ruckartig zur Seite zu reißen. Die Angestellte in der Medikamentenausgabe sieht dies, schreit laut auf, als der Angriff erfolgt. Er bleibt glücklicherweise ohne gravierende Folgen.

    In der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft wird dem 29-Jährigen versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vorgeworfen – jeweils jedoch im Zustand der Schuldunfähigkeit. Laut Gutachten des Psychiaters leidet der Täter unter paranoider Schizophrenie und war zu beiden Tatzeiten "hochpsychotisch". Zeugen aus der Klinik berichten vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt in dem so genannten Sicherungsverfahren, dass der Beschuldigte von Stimmen berichtet habe, die ihm befohlen hätten, diese Menschen zu töten. Im ersten Fall habe die Stimme gesagt, der Mitpatient sei Saddam Hussein.      

    Rechtsmediziner: "Keine konkrete Lebensgefahr"

    Tatsächlich, sagt der Rechtsmediziner aus Würzburg, bestand bei beiden Übergriffen lediglich eine abstrakte Lebensgefahr, aber keine konkrete. Weder hätte ein Würgen von lediglich fünf bis zehn Sekunden zum Tode des 61-Jährigen führen können, noch das relativ leichte seitliche Verdrehen des Kopfes des 40-Jährigen zu einem Genickbruch. Dass statt zweier Mordversuche lediglich vorsätzliche Körperverletzungen in Betracht kommen könnten, hat die Große Strafkammer deshalb schon in einem rechtlichen Hinweis vor den Plädoyers deutlich gemacht.       

    Um eine Gefängnisstrafe ging es in dem Verfahren ohnehin nicht, sondern um die Frage, ob der 29-Jährige angesichts solcher Attacken auf beliebige Personen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist. Das beantragten der Staatsanwalt wie die beiden Rechtsanwälte als Vertreter der geschädigten Nebenkläger – und der Pflichtverteidiger des Beschuldigten. Auch er wollte nicht beantragen, für seinen Mandanten, dem ein "Vollbild der paranoiden Schizophrenie" diagnostiziert wurde, eine Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung zu beantragen.

    Der schuldunfähige Täter bleibt in der Psychiatrie

    Genau so urteilte das Gericht am zweiten Verhandlungstag. Der 29-Jährige wird beziehungsweise bleibt in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht, weil von ihm in Freiheit ähnliche Straftaten zu erwarten sind. Der Mann sei laut Gutachter weiter hochpsychotisch, zeige bisher keine Krankheitseinsicht und sei eine Gefahr für die Allgemeinheit. Gegen das Urteil ist Revision möglich.   

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