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    Röthlein

    Gewässerunterhalt und Naturschutz im Landkreis

    Gewässernachbarn auf Exkursion am Weidleinsbach in Essleben. Foto: Simon Göbel

    Flüsse und Bäche sind wichtige Lebensadern: Sie sorgen für biologische Vielfalt, werten das Ortsbild auf und schaffen öffentlichen Raum voller Lebensqualität. Während die größeren Gewässer Staatsache sind, sind die Kommunen für die kleineren Gewässer der sogenannten dritten Ordnung zuständig - schöne Chance, aber auch öffentlich-rechtliche Verpflichtung. Nach vielen "bachbegradigenden" Sünden ist es heute wieder Ziel, Gewässer naturnah und nachhaltig zu entwickeln; der regelmäßige Gewässer-Nachbarschaftstag für Stadt und Landkreis Schweinfurt sorgt für den nötigen Erfahrungsaustausch und begünstigt die Zusammenarbeit der  Kommunen.

    Zur 17. Neuauflage begrüßte erstmalig Christian Heitel als Gewässernachbarschaftsberater vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Bad Kissingen die gut 30 Teilnehmer, darunter Bürgermeister, Verwaltungs- und Bauhofmitarbeiter, Behörden- und Verbandsvertretern in Röthlein. Auch dort ist der Gewässerzustand schon länger Thema, gemeinsam mit Grafenrheinfeld wurde bereits ein Gewässerentwicklungskonzept initiiert, wie Gastgeber Bürgermeister Albrecht Hofmann erklärte. Einen Schritt weiter ist da Werneck, wie die nachmittägliche Exkursion zeigte: bei Ettleben wurde die Wern ökologisch ausgebaut und in Essleben der Weidleinsbach renaturiert, dort wurde auch Biberterrain besichtigt.

    Vorab ging es aber theoretisch zur Sache: Neben Moderator Heitel referierten Michael Kolasha vom Fischereifachverband Unterfranken, Jonas Benner von der Unteren Naturschutzbehörde (Landratsamt Schweinfurt) und Andreas Kirchner vom WWA Bad Kissingen aus Fachsicht zum Veranstaltungs-Thema "Gewässerunterhalt und Naturschutz". An Stellwänden informierte dazu Gerhard Weniger (Untere Naturschutzbehörde) über die aktuellen Renaturierungsmaßnahmen. Wie Heitel ausführte, hängt die Artenvielfalt in unseren Gewässern maßgeblich von der Unterhaltung ab und belegte das mit vielen Fotos. Egal, ob die Uferböschung gemäht, die Gewässersohle geräumt oder das Ufer befestigt wird, immer bewegt man sich im Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen.

    Ihre Lebensweise gilt es zu berücksichtigen, dazu gehören Blüh-, Laich- und Fortpflanzungszeiten, wie auch Fischereifachmann Kolasha betonte. Im Zweifelsfall gibt die Untere Naturschutzbehörde gerne Auskunft.  Von dort informierte Jonas Benner über den aktuellen Sachstand zum Thema Bibermanagement und Uferstreifen, für letzteres gilt seit August eine neue Regelung: Für Gewässer dritter Ordnung werden Gewässerrandstreifen von fünf Metern gesetzlich verpflichtend. Dazu präsentierte Benner die neusten "Biber-Zahlen": Der Bestand der streng geschützten Nager hat sich seit 2002 deutlich erhöht,  pendelt sich aber langsam ein. Auch wenn der Biber in vielen Gemeinden Konflikte verursacht und Maßnahmen erforderlich macht, dürfte sein Nutzen – so Benner – für  die Biodiversität deutlich größer sein, als die verursachte Schäden.

    Andreas Kirchner informierte über die neusten Fördermöglichkeiten und betonte "Wir sind für jedes Gespräch dankbar".  Wasser ist ein sensibles Thema, das zeigten auch die Diskussionen: Schwebheims Bürgermeister Volker Karb wies auf den trockengefallenen Unkenbach hin. "Was tun" - lautete die besorgte Frage. Die heißen Sommer senken den Grundwasserspiegel und die Wasserknappheit wird sich laut Prognosen weiter verschärfen. Ein großes Thema in vielen Kommunen sind aktuell die Entnahmen für die Bewässerung der Felder und Gärten, sowie die Versieglung von Fläche.

    Das Wasserwirtschaftsamt prüft wohl gerade die Grundwassernutzung und wird auf Basis der Ergebnisse die wasserrechtlichen Bescheide anpassen. Die Konsequenzen des Klimawandels sind da, wie der Kreisvorsitzende Edo Günther vom Bund Naturschutz feststellte und müssen als gesamtgesellschaftspolitisches Problem betrachtet werden; explizit betonte er "nicht die Landwirte an den Pranger stellen zu wollen" und forderte ein Maßnahmenbündel für die Region, das gerne an einem runden Tisch geschnürt werden darf. Der Erfahrungsaustausch kam an und die Teilnehmer zogen durchweg eine positive Bilanz.

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