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    Schweinfurt

    Gewerbegebiet in Oberndorf: Warum es Jahre dauern wird

    In den vergangenen Wochen wurde debattiert, ob ein Discounter sich auf einem Grundstück zwischen Autobahn und Oberndorf ansiedelt. Was wirklich dahinter steckt.
    Auf diesem freien Grundstück neben der OMV-Tankstelle im Stadtteil Oberndorf soll in den nächsten Jahren ein Gewerbegebiet ermöglicht werden.
    Auf diesem freien Grundstück neben der OMV-Tankstelle im Stadtteil Oberndorf soll in den nächsten Jahren ein Gewerbegebiet ermöglicht werden. Foto: Stefan Pfister

    Gelegentlich treibt der Wahlkampf seltsame Blüten. Im Vorfeld der Kommunalwahl am 15. März gab es in den vergangenen Wochen mehrere hitzige Diskussionen in städtischen Gremien darüber, ob und wenn ja wo ein neues Gewerbegebiet in Oberndorf entsteht und vor allem, ob sich dort ein Supermarkt oder Discounter ansiedelt. Eines kann man sicher sagen: Weder morgen, noch übermorgen noch in einem Jahr wird sich dort etwas tun. Es wird noch sehr viel Wasser den Main hinunter fließen, bis es in Oberndorf ein neues Gewerbegebiet gibt.

    Auf Nachfrage dieser Redaktion erläuterten Wirtschaftsförderin Pia Jost und Finanzreferentin Anna Barbara Keck die Hintergründe. Im Maintal, dem größten Gewerbegebiet der Stadt, wird langsam der Platz knapp, eine Erweiterungsmöglichkeit gibt es nicht. Im Flächennutzungsplan der Stadt ist das sechs Hektar große Areal von der Autobahnausfahrt Bergrheinfeld/Oberndorf bis zur Tankstelle am Ortseingang von Oberndorf rechts der Bundesstraße 26 seit vielen Jahren schon explizit als Fläche für Gewerbe ausgewiesen.

    Kürzlich beschloss der Stadtrat eine so genannte Vorkaufsrechtssatzung, in der neben dem Oberndorfer Gebiet auch Flächen an der Mönchskutte und den Pfannäckern ausgewiesen sind, für die das Vorkaufsrecht der Stadt gilt. In Oberndorf ist es so, dass die Grundstücke dort nur teilweise der Stadt und der Hospitalstiftung gehören. Gut die Hälfte der Fläche ist nach wie vor im Eigentum verschiedener Privatleute. Durch das Vorkaufsrecht "bekommt die Stadt die Möglichkeit, diese Grundstücke zu kaufen", so Anna Barbara Keck, also ein Steuerungsinstrument für die Stadtentwicklung.

    Der frühere Lidl-Markt in Oberndorf steht seit einigen Jahren leer, es gibt zumindest aus dem Bereich von Lebensmittlern kein Interesse an einer Nachnutzung.
    Der frühere Lidl-Markt in Oberndorf steht seit einigen Jahren leer, es gibt zumindest aus dem Bereich von Lebensmittlern kein Interesse an einer Nachnutzung. Foto: Oliver Schikora

    Pia Jost bestätigt, dass die Verwaltung mit den Eigentümern Kontakt aufgenommen hat, um die Verkaufsbereitschaft abzufragen. Es gebe noch nicht von allen Rückmeldung. Ob die Eigentümer überhaupt und wenn ja, zu welchem Preis, verkaufen wollen, ist offen. Nur wenn ein größeres zusammenhängendes Stück im städtischen Besitz wäre, wären weitere Planungen sinnvoll wie das Aufstellen eines Bebauungsplanes, um das Areal zu entwickeln.

    Keine Anfrage von Investoren für Lebensmittler in Oberndorf

    Vor kurzem tauchte die Frage auf, dass Norma eine Filiale in dem Bereich bauen möchte – sowohl im Stadtrat als auch bei der Podiumsdiskussion dieser Redaktion mit den drei OB-Kandidaten. "Es gibt keine Anfrage bei der Stadtverwaltung, weder von Norma, Lidl, Aldi oder einem anderen Interessenten", betont Finanzreferentin Keck. Dass von Seiten Oberndorfer Stadträte immer wieder gefordert wird, für den 2014 geschlossenen Lidl-Markt in der Kettelerstraße einen Ersatz zu finden, kann man in der Stadtverwaltung nachvollziehen.

    Der Stadt selbst sind aber die Hände gebunden, so Pia Jost, denn das leer stehende Lidl-Gebäude mit Parkplatz gehöre einem privaten Eigentümer. Die Fläche, das wisse man aus Gesprächen mit anderen Discountern, sei zu klein und nicht mehr zeitgemäß für die heutigen Konzepte. Ein Konzept wie Rewe City oder den Tegut-Markt am Schelmsrasen als kleinerer Nahversorger in der Oberndorfer Hauptstraße sei sicher wünschenswert, doch auch hier gab es in den vergangenen Jahren keine Anzeichen, dass Investoren so etwas in Oberndorf für rentabel halten.

    In Grafenrheinfeld wird an der Mainbrücke ein neuer Supermarkt geplant

    Ein weiterer Punkt, der in der Entscheidungsfindung für Investoren eine Rolle spielt: Sowohl am Bergl gibt es einen Nahversorgungsschwerpunkt mit Supermarkt und Discounter als auch nur wenige hundert Meter von Oberndorf entfernt in Bergrheinfeld. Darüber hinaus plant die Gemeinde Grafenrheinfeld durch einen Investor an der Mainbrücke den Neubau eines Edeka-Marktes mit Bäckerei, eines Getränkemarktes und einer Drogerie. Schlussendlich liegen die gut 2500 Oberndorfer genau im Einzugsgebiet dieser Märkte.

    Welche Firmen sich in dem sechs Hektar großen Gewerbegebiet in ein paar Jahren ansiedeln könnten, ist völlig offen. Finanzreferentin Keck sieht es auch als Ergänzung zum Maintal, um, bis die Entwicklung in den Conn-Barracks abgeschlossen ist, Flächen für Gewerbetreibende anbieten zu können. Das Thema Wald-Pflanzung ist an dieser Stelle ohnehin ausgeschlossen, da der Flächennutzungsplan Gewerbegebiet vorsieht.

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