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    Gerolzhofen

    Gibt es eine „Auferstehung“ für die Kirche?

    Osternacht in der dunklen Stadtpfarrkirche: Die Gottesdienstbesucher haben mit dem Licht der Osterkerze ihre mitgebrachten Kerzen entzündet. Foto: Klaus Vogt

    Alles vorbei. Totale Resignation. Enttäuschung pur. Das hätte man nicht erwartet: Jesus, ihr Hoffnungsträger ist tot. Elendig ist er am Kreuz verendet. Da gibt’s nur eins: Nichts wie weg. - So schilderte Pfarrer Stefan Mai in seiner Osterpredigt die Situation der Jünger Jesu nach dessen Kreuzestod.

    Und heute, 2000 Jahre später? Es herrscht ebenfalls Untergangsstimmung in der Kirche. Aus und vorbei. Enttäuschung pur. Nicht zu glauben, was da schon alles rausgekommen ist: Machtmissbrauch, Geldverschwendung. Missbrauchs-Skandale. "Die Kirche wird abgestraft und von vielen abgeschrieben. Die einen verlassen sie zornig, die anderen still und leise, wieder andere fühlen sich abgestoßen und wollen mit diesem Verein nichts mehr zu tun haben. Kommt das Aus der Kirche?", fragte Stefan Mai.

     

     

     

    Die biblische Erzählung des Sonntagsevangeliums, wie Maria Magdalena alleine zum Grab Jesu ging, mache eines deutlich, so der Pfarrer: Auferstehung beginnt nicht im harten Kern, nicht bei den Aposteln, nicht bei den Profis, nicht bei den Hauptverantwortlichen, sondern dort, wo es niemand vermutet - bei denen, die bisher keine große Rolle gespielt haben, die keine wichtige Funktion innehatten, die nie im Rampenlicht standen, die aber darunter leiden, dass etwas Lebendiges verloren gegangen ist, die mit Herzblut dabei sind und einfach nicht loslassen können.

    Die "Offiziellen" sind gelähmt

    Während die Apostel wie gelähmt zuhause hocken, abwarten und  ihre Enttäuschung aussitzen, verhalte sich Maria Magdalena ganz anders: "Sie sucht ihren Jesus. Auch nach der Katastrophe hat sie ihn nicht vergessen. Denn sie hat zu ihm eine persönliche Beziehung." Auf solche Menschen wie Maria Magdalena komme es auch heute an, wenn es eine Auferstehung der Kirche geben soll.

    Stefan Mai zeigte sich überzeugt: "Die Auferstehungszeugen der Kirche werden auch heute diejenigen sein, die emotional mit der kirchlichen Tradition verbunden sind. Denen es weh tut, dass die Gemeinden vor die Hunde gehen. Die bleiben, auch wenn viele ausreißen. Die in lebendiger Beziehung zu Jesus stehen. Die spüren: Auf mich kommt’s an."

    Die musikalische Gestaltung der Osternacht übernahm, wie bereits am Gründonnerstag, wieder die Männerschola der Stadtpfarrkirche. Im Gottesdienst am Ostermontag sang die Chorgemeinschaft aus Chor der Stadtpfarrkirche und Kirchenchor Lülsfeld, jeweils unter der Leitung von Kantor Karl-Heinz Sauer.

    Ostern in der Erlöserkirche

    Die musikalische Ausgestaltung des Oster-Festgottesdienstes in der evangelischen Erlöserkirche übernahmen der Posaunenchor und der Kirchenchor. Pfarrer Reiner Apel predigte über Johannes 20, 11-18, die Begegnung der Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus. Am Grab allein ist Maria Magdalena zunächst verständlicherweise in Tränen aufgelöst, der Blick wehmütig auf die Vergangenheit fixiert. Es gehe ihr wie jedem Menschen, der Abschied nehmen musste, der den Schmerz der Endlichkeit und des Getrenntseins erfährt, sagte der Pfarrer. "Der Liebste ist ihr genommen, nun auch noch, wie sie vermutet, der Leichnam, das Letzte, das ihr auf der Erde von Jesus geblieben ist."

    Sinnliche Erfahrung

    Aber dann ändere sich die Blickrichtung. Derjenige, der ihr im Garten begegnet, muss wohl der Gärtner sein, meint sie. Bald darauf aber erkennt sie, als sie mit Namen angesprochen wird: Es ist Jesus. Doch ist es nicht nur ein Missverständnis, in ihm den Gärtner zu sehen, sondern eine kaum wahrgenommene Dimension des Wirkens Jesu, fragte der Pfarrer. Denn ebenso wie der gute Hirte oder der Arzt arbeitet auch ein Gärtner am und mit dem Lebendigen. Oft genug habe Jesus in seinen Gleichnissen das Wachsen des Gottesreiches wie aus einem Samenkorn heraus geschildert, und oft genug sei der Glaube klein wie ein Saatkorn, das Zeit brauche, sich zu entwickeln.

    Auch der Osterglaube brauchte Zeit, um nach dem ersten Unverständnis und Erschrecken seine Kraft zu entfalten. Am Anfang stand nicht ein Dogma, sondern für Maria die sinnliche Erfahrung: gerufen zu werden, eine Gestalt zu erblicken, im Hören und Sehen herausgefordert zu sein - das waren die ersten Schritte zum Verstehen. "Nur das Letzte, die Berührung, blieb ihr verwehrt: Festhalten lässt Jesus sich nicht."

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