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    SCHWEINFURT

    Gibt es einen Trend zurück zum Gymnasium?

    Über die Frage, wie sich die Entscheidung des Kultusministeriums, vom G8 wieder zum G9 zurück zu kehren, auswirkt, infor... Foto: Oliver Schikora

    Die bayerische Staatsregierung hat vor gut eineinhalb Jahren beschlossen, wieder vom achtjährigen (G8 genannt) auf das neunjährige (G9) Gymnasium umzustellen. Offiziell findet die Umstellung zum Schuljahr 2018/19 statt. Über die Frage, welche Auswirkungen das auf Schülerzahlen, Raumbedarf und Lehrplan hat, informierte Studiendirektor Thomas Mehn, Mitarbeiter im Schulleitungsteam der städtischen Walther-Rathenau-Schulen, in Vertretung des erkrankten Schulleiters Ulrich Wittmann, den Schul- und Kulturausschuss.

    Fazit: Die Stadt kann das Thema gelassen angehen. Ein Raumproblem wird es aller Voraussicht nach weder in der städtischen Rathenau-Schule noch in den unter städtischer Sachkostenträgerschaft befindlichen Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und Olympia-Morata-Gymnasium geben. Die Möglichkeit, dass Eltern für ihre Kinder wieder vermehrt das Gymnasium als Alternative sehen, da der verstärkte Nachmittagsunterricht des G8 wegfällt, zeichnet sich aber ab. Zum einen weiß Mehn aus Gesprächen, dass an seiner Schule, die sowohl einen gymnasialen als auch einen Realschul-Zweig hat, Eltern darüber nachdenken, ihre Kinder doch ins Gymnasium wechseln zu lassen. Zum anderen stabilisieren sich die Schülerzahlen im Gymnasium mittlerweile, die in den Jahren vorher kontinuierlich gesunken waren – vor allem im Walther-Rathenau-Gymnasium, das zum 1. Oktober 2017 von 519 Schülerinnen und Schülern besucht wurde (2016: 518).

    In den anderen Schweinfurter Gymnasien sanken die Schülerzahlen, in den beiden Realschulen stiegen sie leicht an.

    „Weiterentwicklung des Gymnasiums“

    „Für das Kultusministerium“, erklärte Mehn, „ist das G9 eine Weiterentwicklung des Gymnasiums.“ Die Schulbücher – eine bei Neuanschaffung teure Angelegenheit für den Sachkostenträger – können weiter genutzt werden, die Lehrpläne werden kontinuierlich angepasst. Der Fokus liegt verstärkt auf sozialer, politischer und insbesondere digitaler Bildung, auch ein Pflicht-Praktikum in der zehnten Klasse gibt es. Die Intensivierungsstunden aus dem G8 bleiben wie das P-Seminar (nun in der 11. Klasse). Ebenso können interessierte Schüler wieder ein Jahr im Ausland, sie können die 11. Klasse überspringen.

    Mehn zeigte, dass die Stundenzahl im Vergleich zum G8 in Fächern wie Geographie oder Geschichte nicht abnimmt. Außerdem wird erwartet, dass die Schüler wegen des reduzierten Nachmittagsunterrichts wieder mehr Zeit für Freizeitaktivitäten und Hobbys haben. Der Leistungsdruck im G8 hatte aus Sicht der Kritiker dazu geführt, dass für viele Jugendliche es außer schulischer Arbeit kaum mehr Freizeit gab.

    Erstes G9-Abitur 2026

    Ein interessantes Phänomen durch die Umstellung sprach Mehn ebenfalls an. Der letzte G8-Abiturjahrgang verlässt die Gymnasien nach dem Schuljahr 2023/24. Die Systemänderung bedingt, dass es 2024/25 keinen Abiturjahrgang gibt, sondern der erste G9-Abiturjahrgang 2025/26 fertig wird. 2025 Abitur machen könnten Schüler, die im G9-System die Möglichkeit des „Überholens“ nutzen – die Möglichkeit, schon nach acht Jahren im Gymnasium Abitur zu machen, bleibt.

    Diejenigen, die im alten G8-System sitzen bleiben sollten, werden ins G9 integriert und machen deswegen 2026 Abitur. Da es 2025/2026 einen doppelten Abiturjahrgang gibt, kommt es auch erst dann zu einem Anstieg der Schülerzahlen. Ob die Anmeldungen zu den 5. Klassen wie prognostiziert ansteigen, bleibt abzuwarten. In den Schweinfurter Grundschulen jedenfalls steigen die Schülerzahlen. Zum 1. Oktober 2017 waren 1806 Schüler gemeldet, was bereits 92 mehr sind als in der besten Variante des Schulentwicklungsplanes der Stadt (plus 5,37 Prozent im Vergleich zu 2016).

    Spezialfall Rathenau-Schulen

    Die Entwicklung der Schülerzahlen an den Rathenau-Schulen ist auch vor einem kommunalpolitischen Hintergrund interessant zu beobachten. Im Frühjahr 2016 hatte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) gemeinsam mit Landrat Florian Töpper (SPD) eine Pressekonferenz gegeben. Deren Inhalt: Das Walther-Rathenau-Gymnasium soll geschlossen, die Walther-Rathenau-Realschule mit der Schonunger Realschule im Gebäude in Schweinfurt verschmolzen werden. Es kam zu Protesten, von Seiten der Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung – unter anderem eine Demonstration mit über 1000 Teilnehmern auf dem Marktplatz – sowie der Opposition im Stadtrat. Als das Kultusministerium im Sommer 2016 entschied, zum G9 zurück zu kehren, gab es in der städtischen Politik eine Kehrtwende: Die Schließungs-Pläne wurden auf Eis gelegt, was der Stadtrat im November 2016 so beschloss.

    Der OB betonte damals, sein vorrangiges Ziel sei es, „eine zukunftsfähige Schullandschaft für Schweinfurt und die Region zu schaffen. Jetzt haben wir die Chance, die Entwicklung der Rückkehr des G9 zu beobachten.“ Der Empfehlung, „die Rathenau-Schulen vorerst nicht zu schließen, die neuen Entwicklungen in der bayerischen Schullandschaft aber weiter zu beobachten“, folgte der Stadtrat.

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