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    Schweinfurt

    Glosse: "Black Friday" für den Kontostand

    Die alten Römer nannten einen Unglückstag "dies ater" – schwarzer Tag. An den Börsen war der Freitag auffällig oft ein schwarzer. Und heute?
    "Black Friday" – für wen oder was? Und seit wann bringt Schwarzes Glück? Foto: Bodo Marks/dpa

    Wer an diesem Freitag die Zeitung aufgeschlagen hat, konnte beim Durchblättern leicht depressiv werden. Die Anzeigen, alle so schwarz! Hähnchenfilets, Duschgel, Klopapier, Tomaten, Bananen – alles, was der Discounter anpries, vor tiefschwarzem Hintergrund an diesem "Black Weekend".  Genauso die Gläser und Töpfe eines Möbelhauses, das "Black Sale" verkündet. Ein Konkurrent schwärzt gleich die ganze Woche ein: "Black Shopping Week". Ist was Schlimmes passiert? Könnte man meinen, aber scheinbar nicht. Überall steht dabei, um wie viel billiger die Banane, der Kochtopf, das Mobiliar doch ist. Ein großer Versandhändler belässt es bescheidenerweise beim "Black Friday", alles Inserierte gibt's "nur heute". Sogar ein großer fränkischer Weinerzeuger bietet seine rabattierten Getränke weiß auf schwarz an diesem "Black Weekend" an. 

    Der "schwarze Freitag" war früher als Unglücksbringer gefürchtet – wie von Abergläubischen die schwarze Katze, die den Weg gekreuzt hat. Er stand für großes Ungemach und Börsencrash. Die Römer nannten einen Tag, der Unglück brachte, "dies ater" (schwarzer Tag). Genau genommen ist Schwarz auch in diesem Kulturkreis selbstredend seit jeher die Farbe der Trauer. Helle Farben stehen für Glück und Freude. Was in aller Welt reitet die Werbewirtschaft, ihre Schnäppchen vor dunkelster Kulisse anzupreisen? Ein amerikanischer Hype, natürlich, der seit einigen Jahren den vierten Freitag im November – der Tag nach dem Nationalfeiertag Thanksgiving – zum Schnäppchen- und Kaufrauschtermin erhoben hat, und kaum einer in der PR-Branche wagt es, sich dem zu verweigern.  

    Kinderaktion: Kauf 3 – Zahl 2

    Nun lässt ja jeder Hype, besonders der verordnete, auch wieder nach, gleich ob er nur für einen "Day", ein "Weekend" oder eine ganze "Week" ausgerufen wird. Wer sich in dieser Zeit glücklich kauft, wird sehen, ob er echte Schnäppchen erstanden oder doch nur ein paar Einkäufe vorgezogen hat. Schwarz im altrömischen Sinne ist der Friday, das Weekend oder die Week in der Tendenz ganz sicher für den Kontostand. Der sinkt ungefähr im gleichen Maße wie das Kaufglück des Besitzers wächst.

    Mit einem Hauch wohl ungewollten schwarzen Humors hat ein Geschäft in einer etwas entfernter gelegenen Stadt auf einem Werbeaufsteller vor der Tür eine besondere Offerte gemacht: "Kinderaktion: Kauf 3 – Zahl 2" Und weiter: "Abzug erfolgt an der Kasse – Der günstigste Artikel for FREE". "Es gibt doch wieder mehr Kinder", kommentiert eine Leserin diese Werbung, "jetzt auch noch mit Rabattaktion."

    Dann darf nicht unerwähnt bleiben, was jüngst bei der Jahresversammlung der Kreisgruppe Schweinfurt der Polizeigewerkschaft (GdP) der Landesvorsitzende moniert hat: Erstens, dass sich die neuen Uniformhosen im Sommer wie "Plastikhosen" anfühlen und man leicht ins Schwitzen gerät. Zweitens, dass die Bordausrüstung im Dienstwagen, dem 3er BMW, so schwer geworden sei, dass man mit Verdächtigem oder Straftäter an Bord am Rand der zulässigen Zuladung liege – oder darüber hinaus. Wenn das die Polizei erfährt!  

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