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    Schweinfurt

    Glosse: Jetzt geht's voran

    Immer noch leer, das Geschäft in der Spitalstraße – aber die Scheiben attraktiv beklebt. Doch Rettung naht. Bald wird die City wieder erblühen.  Foto: Stefan Sauer

    "Innerstädtische Leerstände sollen durch eine breit angelegte Nutzung behoben werden, mit dem Ziel, einen nachhaltigen räumlich-funktionalen Besatz aktiv zu fördern." Also darauf hätten die in der Stadtverwaltung doch auch kommen können: die ärgerlichen Leerstände in der Spitalstraße und anderswo einfach "durch eine breit angelegte Nutzung" beheben und einen "nachhaltigen räumlich-funktionalen Besatz" fördern, und zwar aktiv! Dann schreibt die IHK-Schweinfurt in ihrem wegweisenden Papier "Position der gewerblichen Wirtschaft zur Revitalisierung der Schweinfurter Innenstadt" noch, dass dabei die Immobilienwirtschaft "eine wesentliche Rolle" einnimmt.  

    Das ist aber nicht alles: "Durch attraktiv gestaltete Plätze (Zeughaus, Kornmarkt, Georg-Wichtermann-Platz, Marktplatz, Schillerplatz) mit jeweils klaren funktionalen Schwerpunkten und zielgruppenorientierten Angeboten soll dauerhaft eine hohe Aufenthaltsqualität generiert werden." Dazu ist aber noch "vorhandene historische Bausubstanz gewinnbringend zu integrieren und das Ortsbild zu bewahren". Daran hat bisher kein Mensch gedacht! Vielleicht abgesehen von den Festen, bei denen zum Beispiel die alte Stadtmauer für ein lustiges Hauen und Stechen der alten Rittersleut' auf ihren Pferden in die Stadtfeier integriert wurde.

    Das Mikroklima spielt eine wichtige Rolle

    Apropos Klimawandel. Laut Innenstadt-Revitalisierungspapier der IHK spielt vor allem in den Sommermonaten das Mikroklima eine wichtige Rolle, weshalb "angenehme Bedingungen dauerhaft sicherzustellen" sind, und zwar durch "gezieltes Begrünen", "geeigneten Baumbestand", "grüne Bänder" und "die Etablierung zielgerichteter Luftschneisen". Es folgen viele weitere wertvolle Einfälle und praktische Tipps vom ÖPNV bis zum SPNS (Schienenpersonennahverkehr), vom schnellen Internet bis zum "neuen Markenkern", den sich die IHK für die Stadt servicehalber gleich mitausgedacht hat: "Schweinfurt ist 'mehr als Kunst und Industrie'".       

    Das meiste soll übrigens "proaktiv" realisiert werden. Die Stadt Schweinfurt könnte der IHK nun ganz herzlich danken und ihr einen Gutschein für ein Jahr Silvana-Bad umsonst zukommen lassen. Muss sie deren Weisheiten doch nur noch umsetzen, "proaktiv" am besten. Schon gelangt die Innenstadt zu neuer Blüte, verschwindet der Leerstand, alle werden glücklich und das Mikroklima angenehm. Doch aus dem Rathaus dringt eine gewisse Angefressenheit ob der klugen IHK-Analyse – als ob die Stadt die letzten Jahrzehnte im Tiefschlaf verbracht hätte. Man habe längst kein Erkenntnisproblem mehr, aber ein Umsetzungsproblem, hört man. Und: Die Begeisterung über die unerwartete IHK-Hilfe lasse sich gerade noch zügeln.

    Nachzutragen wäre hier noch, dass der Herr Stadtrat Wiederer (FDP) in seinen Worten zum städtischen Haushalt 2020 bedauert hat, dass sein Antrag zur Aufwertung der Hohen Brückengasse einmal mehr "um fünf Jahre verschoben" wurde. Aber: "Sollten Sie damit spekulieren, dass ich dann entweder aus politischen oder biologischen Gründen nicht mehr im Stadtrat bin, werde ich Sie enttäuschen."

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