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    Schweinfurt

    Glosse: Voll die Härte – Die Stadt muss sparen

    Weihnachtsgeschenk für die FOS/BOS: Der "Ofra"-Bau soll einem Neubau weichen, es dauert leider noch ein bisschen. Und voll die Härte: die Stadt muss sparen.
    Gemein: Jetzt muss sogar die gewerbesteuerverwöhnte Stadt Schweinfurt sparen. Allerhöchste Stellen gehen vorbildlich voran. Foto: Peter Kneffel/dpa

    Vor gut zwölf Jahren ist in diesem Medium ein Schulleiter zitiert worden mit dem Satz: "Ich will nur, dass Schüler und Lehrer wieder atmen können." Der Mann hieß Wolfgang Klaus und war damals der Chef der Friedrich-Fischer-Schule, der Schweinfurter FOS/BOS. Diese hat 2007 fast 500 Abiturienten "produziert" – mehr als alle vier Schweinfurter Gymnasien zusammen. "Atemnot" für Schüler und Lehrer stellte sich in der FOS/BOS nicht im Haupthaus ein, sondern im "Ofra"-Bau.

    Ein Provisorium?

    Das ist ein optisch wie energetisch höchst bedauernswerter Unterrichtscontainer, 15 Klassenzimmer, Ende der 1980er-Jahre aus NRW geholt und als "Provisorium" in den Pausenhof der FOS/BOS gestellt. Er sollte die Raumnot für wenige Jahre beheben.  Im "Ofra"-Bau hat's gemufft, teils gestunken, vor allem im Sommer und in Klo-Nähe. Das portable Gebäude ist dünnwändig, teils undicht, war schon gebraucht. Es stammte aus den 1970er-Jahren, die vorbesitzenden Nordrhein-Westfalen gaben es 1988 gerne ab.

    Eigentlich sollte der "Ofra"-Bau als Schulraum nur bis 1994 aushelfen. Seither ist viel Wasser den Main hinunter geflossen – und das Provisorium steht immer noch. Unter Harald Bauer, Klaus' Nachfolger als Schulchef, wurde die marode Unterrichtskiste 2014 minimalsaniert, innen teils bunt angestrichen. Seither heißt der "Ofra"-Bau auch "Villa Kunterbunt". Jetzt aber, in dieser staden Zeit, macht Zweckverband FOS/BOS (Stadt und Landkreis Schweinfurt) Schülern und Lehrern ein großes Geschenk: der olle "Ofra"-Container wird abgerissen und ein richtiger Neubau hingestellt. Einziger Wermutstropfen: Es dauert noch ein paar Jährchen.

    Das Überlebens-Jubiläum

    Vorher müssen die Körnerschüler in ihren Neubau an der Bellevue umgezogen sein (September 2022), damit die "Ofra"-Schüler in die alte Körnerschule ziehen können, bis der "Ofra"-Bau verschwunden und an seiner Statt ein Neubau errichtet ist. Wann das ist, darüber spekulieren wir lieber nicht. Laut Ursprungsplanung sollte der "Ofra"-Bau schon vor einem Vierteljahrhundert ausgedient haben. Er feiert heuer sein 25-jähriges Überlebens-Jubiläum.

    Jetzt nur noch eine Bohne

    War noch was? Ja. Das Rathaus will sparen – rund zehn Prozent in allen Abteilungen. Das hat die Frau Finanzreferentin Anna Barbara Keck verfügt – "wo es möglich ist". Oha, wird jetzt manche/r sagen, ein Hintertürchen. Könnte sein, doch zwei Indizien sprechen dagegen. Das erste: Es wurde beobachtet und glaubhaft bezeugt, dass die Frau Keck mit dem Sparen bei sich selbst beginnt, und zwar dergestalt, dass sie die Portionierung an ihrer Kaffeemaschine vom Fünf-Bohnen-Symbol auf eine Bohne reduziert hat. Eine Kaffeegenuss-Einsparung von 80 (!) Prozent. (Dies ist gleichzeitig ein Warnhinweis.) Indiz Nummer 2: Der Herr Thomas End bekam bei seinem Abschied vom Stadtrat vom Herrn OB Remelé für seine unermesslichen Dienste zum Wohle der Stadt einen Wein geschenkt. Die Flasche war aber nur halb voll. 50 Prozent gespart! Genau so hat es der Herr End an Eides statt seiner SPD-Fraktion erzählt, als sie ihn verabschiedet hat. Große Heiterkeit im Saale!

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