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    Grafenrheinfeld

    Grafenrheinfeld: Warum Ursula Weidinger Bürgermeisterin werden will

    Ursula Weidinger an ihrem Lieblingsplatz: Dem kleinen Rosengarten in der Grafenrheinfelder Ortsmitte. Sie tritt am 29. September als eine von drei Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl an.    Foto: Anand Anders

    Ursula Weidinger hat ein bisschen überlegen müssen, was ihr Lieblingsort in Grafenrheinfeld ist. "Es gibt so viele schöne Orte hier", sagt sie. Sie hat sich für das Rosengärtchen hinter dem "Due Galli" entschieden. Klein, idyllisch, versteckt hinter einer Bruchsteinmauer. "Viele kennen das nicht", sagt sie. Das findet sie schade. 

    Ursula Weidinger kommt mit dem Fahrrad, hat Kaffee (keine Einwegbecher, da legt sie Wert darauf)  und Hörnchen dabei. Nette Idee. Atmosphäre ist ihr wichtig, das spürt man schnell. Gemeinschaftsgeist auch. Und sie ist ein kommunikativer, offener  Mensch. 

    Vor sechs Jahren  mit dem Gedanken an Kandidatur gespielt

    Warum will sie Bürgermeisterin werden? Wann hat sie erstmals mit dem Gedanken gespielt?  Vor sechs Jahren hat sie damit geliebäugelt, anzutreten, erzählt sie auf dem schattigen Bänkchen im Rosengarten. Allerdings hat sie sich damals  für die Familie entschieden, ihr jüngstes Kind war 15. Die Zeit war nicht reif.  "Es hat nicht gepasst".  

    Jetzt passt es. "Ich fühle mich berufen", sagt sie. "Ich bin ausgestattet, das gut zu machen." Ursula Weidinger kennt die Arbeit in der Verwaltung, hat mit drei Bürgermeistern zusammengearbeitet: Robert Gießübel, Walter Weinig und Sabine Lutz. Ihre Erfahrung: "Je tiefer man in der Materie ist, um so spannender wird es."  Dabei tauchen Fragen auf wie: Was kann man bewegen? Was bewegt einen? Wer bewegt was?        

    Das mit dem etwas bewegen  kennt sie aus der Landjugend: "Da habe ich Demokratie gelernt". Mit einem gemeinsamen Ziel kann man Erfolge haben, hat sie aus ihrer Zeit bei der Landjugend mitgenommen. "Man sieht Ergebnisse, wenn man ein Samenkorn legt." 

    Großer Respekt vor dem Bürgermeisteramt

    Ursula Weidinger hat großen Respekt vor dem Bürgermeisteramt, sagt sie. Eine Erfahrung aus ihrer Arbeit als Mainbogen-Allianzmanagerin, der engen Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden.  "Ich habe Verantwortung und Nöte gespürt." Was sie auch erfahren hat: Ein Bürgermeister muss auch mit Emotionen umgehen. "Das kann man lernen", ist ihre Überzeugung, dem stellt sie sich: "Ich vertrage viel". 

    Denn Emotionen kriegt ein Bürgermeister unweigerlich ab. Der Bürgermeister ist zwischen Himmel und Erde, sagt sie.  Die Erde sind die Gesetze, der Himmel die Wünsche.  Gemeinsam Lösungen suchen, das hält sie für wichtig, zum Beispiel mit den Mainbogen-Gemeinden. Aber auch, sich gescheiterte Projekte genau anzuschauen. "Daraus kann man lernen."     

    Emotionen spielen in Gemeinderäten eine Rolle, ist ihre Erfahrung. Viele Dinge werden nicht in erster Linie wegen Fakten abgelehnt, sondern aus einer Emotion heraus.    

    Ich will die Rolle, aber ich will mich nicht über andere erheben
    Bürgermeisterkandidatin Ursula Weidinger

    Ursula Weidinger sieht sich als Strategin, als Aktivmensch, als jemanden, der sich selbst motivieren kann. Aber nicht als Rampensau. "Den Aspekt kann ich nicht bedienen", sagt sie selbstkritisch. Sie ist sich aber sicher, dass das nicht unbedingt zu einem Gemeindeoberhaupt gehören muss. "Man muss nicht alles machen, was andere gemacht haben." Sie will ihren eigenen Weg gehen, dabei authentisch bleiben. "Ich will die Rolle, aber ich will mich nicht über andere erheben."     

    Was ist ein Bürgermeister, eine Bürgermeisterin für sie? Jemand, der Weichen stellt. Jemand, der  eine Haltung zu den Dingen hat. Jemand, der gemeinsam mit Bürgern und Gemeinderat plant, Ziele entwickelt.  Und länger plant und denkt als bis zur  nächsten Legislaturperiode. Man könne nicht alle Wünsche erfüllen, umso wichtiger sei es, ein Ziel zu haben.  

    Visionen und Vernetzung wichtig 

    Was sollte ein Bürgermeister unbedingt haben? Weidinger muss da nicht lange überlegen: Visionen und Vernetzung. Was sollte sein Ziel sein? Gemeinsame Gemeindeentwicklung zum Gemeinwohl.

    Langfristiges Nachdenken, einen Plan, vermisst sie zum Beispiel beim Thema Rückbau des Kernkraftwerks. Wie will Grafenrheinfeld an dieser Stelle in der Zukunft gestalten? Da müsse Grafenrheinfeld auch bei der Politik in Erinnerung bleiben, nicht einfach abwarten.  Und die Interessen Grafenrheinfelds sollten auch in die Waagschale, nicht nur die des Betreibers Preußen Elektra.

    Auch beim Thema Kies/Sandabbau wünscht sie sich mehr Nachdenken, mehr konstruktive Auseinandersetzung  statt einfach nur Dagegensein.  "Wenn ich dagegen bin, sollte ich eine Alternative haben." Und ausreichend Informationen und einen Plan. Denn wolle man das potenzielle Abbaugebiet als  Entwicklungsfläche nutzen, verschwinden die Äcker.  Planen, nachdenken ("Wer hilft uns, das zu renaturieren?)", gemeinsam reden. Für Weidinger ist das auch hier nötig.   

    Ursula Weidinger
    Die 53-Jährige stammt aus Grafenrheinfeld. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2006 ist sie Allianzmanagerin bei der  Allianz Schweinfurter Mainbogen.  Sie hat an verschiedenen Stellen in der Grafenrheinfelder Verwaltung gearbeitet, unter anderem das Standesamt geleitet, die Altortsanierung begleitet und die Kulturhalle gemanagt. Ursula Weidinger ist aktiv in Frauenbund, TSV, Siedler und Eigenheimer Vereinigung, Rafelder Aktive Familien und Aktive Grafenrheinfelder Bürger. Sie liest gerne, hat eine Schwäche für Tango Argentino. Canasta-Runden mit den Kart-Schwestern, Nähen, Radfahren und Yoga zählen auch zu ihren Hobbys. Sie tritt für die AGB (Aktive Grafenrheinfelder Bürger) an.

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