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    Grafenrheinfeld

    Grafenrheinfeld: klangkunst lockt Elite-Musiker in die Provinz

    Für die Konzertreihe klangkunst hat Rainer Aberle viele bekannte und auch regionale Künstler nach Grafenrheinfeld geholt. Foto: Daniela Schneider

    Auf dem Tisch im ehemaligen Pfarrhaus liegen 20 Flyer – so bunt und vielseitig wie das Programm, das sie beinhalten. Seit 20 Jahren gibt es die Konzertreihe "klangkunst" in Grafenrheinfeld, ebenso lange  die wunderschöne Winterhalter-Orgel in der Pfarrkirche. Zur Orgelweihe wurden 1999 die Konzertreihe und der Förderverein ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Katholischen Kirchengemeinde lädt der Förderkreis Musica Sacra alljährlich zu verschiedenen Konzerten mit hochkarätigen, oft weltbekannten und preisdekorierten Künstlerinnen und Künstlern, die sich doch gerne – und das ist das Besondere – in der Provinz die Kirchenklinke in die Hand geben. Und das bei Eintrittspreisen, die weit unter dem liegen, was in den Großstädten gezahlt werden muss.

    Giora Feidman, die Regensburger Domspatzen, die King‘s Singers und das Hilliard Ensemble, David Orlowsky, Barbara Dennerlein, Iveta Apkalna und Olivier Latry, der auch wieder das Jubiläumskonzert zur Orgelweihe am Sonntag, 22. September um 18 Uhr spielt,  sind die ganz berühmten Namen. Doch auch die regionale Musikszene bekommt immer wieder ein Podium bei klangkunst, oft unter der Leitung von Rainer Aberle, der ebenfalls ein großartiger Organist und außerdem Regionalkantor in Schweinfurt ist.

    Ein Stück seines Lebens steckt in diesem Herzensprojekt

    Rainer Aberle blättert in den poppig bunten Flyern und scheint selbst ein wenig überwältigt: Ein Stück seines Lebens steckt in diesem Herzensprojekt voll großer Namen, grandioser Konzerte und toller Erinnerungen. Kulturarbeit ist anstrengend, ohne Förderung nicht möglich, zum Glück gibt es Menschen, die seine Bemühungen, die Kultur aufs Land zu holen, unterstützen, ob als Sponsoren oder "Mitstreiter" im kleinen Förderkreis. Die teuersten Konzerte waren übrigens nicht die mit den großen Namen, sondern die mit großer Besetzung: Chor, Orchester und Solisten. Viele Erinnerungen kommen da hoch an wunderbare und sonderbare Gäste, über solche, die immer wieder gerne kommen und solche, die Aberle tatsächlich "nicht mal von hinten mehr sehen möchte", weil es denen nur um die Gage ging und sie dazu uninspirierte Vorstellungen lieferten. Doch das waren zum Glück die allerwenigsten unter den unzähligen Künstlern, die sich in der ehrwürdigen Pfarrkirche mit der schönen Akustik die Ehre gaben.

    Der Regionalkantor erinnert sich an die Orgelweihe, die mit einem fordernden, restlos ausverkauftem Orgelkonzert wahrscheinlich gleich einige Besucher verschreckt hat, wie Aberle vermutet und weiter schmunzelnd feststellt: "da gab es mehrere". Die Orgel ist ein furioses Instrument mit großer Klanggewalt, da muss man auch die Vorlieben der Besucher respektieren. Das setzt der künstlerische Leiter momentan um; so ist für das nächste Jahr ein vierhändiges, unterhaltsames Open-Air-Orgelkonzert auf dem Kirchplatz von einem Lkw herunter geplant. Aberle hat noch viele Ideen, gerade steckt er in Verhandlungen für 2021, das könnte, wie er vorsichtig formuliert, "ein ziemlicher Knaller werden".

    Was war das schönste, was das schlechteste Konzert?

    Das schönste Konzert dieser 20 Jahre: Da muss Aberle überlegen und erinnert sich an eine Literatur- und Orgelinszenierung über den Sinn des Lebens, das schlechteste Konzert geht ihm fix über die Lippen: Ein Blechbläserensemble, das ziemlich "krumm" musizierte. Besuchermagneten der letzten 20 Jahre waren die traditionellen Silvesterkonzerte und die verschiedenen Klangnächte mit Pfarrer Stefan Mai und Aberles Projektchor "songcræft – art of singing". Mit "songcræft" hat Aberle gerade erst im Frühjahr noch ein ergreifendes Brahms-Requiem gestaltet, gerne würde er die Arbeit auch 2020 fortsetzen, leider fehlen dafür die Tenöre.

    Die nächsten Konzerte

    Zum Jubiläum wünscht sich Aberle, mit der Konzertreihe noch viele weitere Jubiläen und Höhepunkte zu feiern. Zwei Gelegenheiten bieten sich demnächst: Am Sonntag, 15. September, findet ab 11 Uhr zu den Klängen der Würzburger "Ballbearing-Jazzband" ein Sommer Open-Air mit Picknick-Feeling für die ganze Familie ab 11 Uhr im Haus der Begegnung statt und am Sonntag, 22. September, dann das Jubiläumskonzert.

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