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    RÖTHLEIN

    Gründerin der Erlöserschwestern wird selig gesprochen

    Seit Jahrzehnten wurde darüber gesprochen. Spekuliert und gehofft. Bereits 1951 begann das Bemühen, die Seligsprechung in Rom voranzubringen. Sechzig Jahre später verlieh Papst Benedikt XVI. zunächst den Grad der heroischen Tugend. An diesem Sonntag nun wird Elisabeth Alfons Maria Eppinger, Gründerin der Erlöserschwestern, in Straßburg selig gesprochen. Wer aber war die Ordensfrau? Und welche Spuren hinterließ sie in der Region?

    Visionen von den Leiden Jesu

    Kranke pflegen. Alten helfen. Arme unterstützen. Das sind die Aufgaben, denen Elisabeth Alfons Maria Eppinger ihr Leben widmete, die sie zu Schwerpunkten ihres Ordens machte. Geboren am 9. September 1814 im elsässischen Bad Niederbronn, galt Mere Alphonse-Marie, wie sie in Frankreich genannt wird, „bei ihren Lehrern nicht als besonders begabt, jedoch wurde ihr eine ganz innige Frömmigkeit nachgesagt“. So beschreibt sie der Schweinfurter Kreisheimatpfleger Stefan Menz, der sich in seinem Theologiestudium ausführlich mit Eppinger beschäftigt hat. Als ältestes von elf Kindern wuchs sie in einfachen Verhältnissen auf und war häufig krank.

    Einen wichtigen Einschnitt, so Menz, bedeutete der Sommer 1846 für Elisabeth Eppinger. Damals sah sie in Visionen und Offenbarungen das Leiden Jesu vor Augen – und erregte Aufmerksamkeit mit ihren Schilderungen. Neugierige kamen nach Niederbronn, nicht jeder glaubte den Aussagen der jungen Frau. Ihr Heimatpfarrer allerdings hatte keinen Zweifel an der Echtheit ihrer Angaben. Und so reiste sogar der Straßburger Bischof Andreas Räß für einige Tage an, um sich ein Bild von Eppinger zu machen. „Tief beeindruckt“ habe der Bischof Niederbronn wieder verlassen, schreibt Menz, „überzeugt von der Wahrheit der Angaben Elisabeths“.

    Ein Orden für Menschen in Not

    Immer mehr wuchs in Eppinger in diesen Jahren die Überzeugung, selbst einen Orden gründen zu wollen. Einen Orden, der sich um kranke Menschen kümmern und andere Arme unterstützen sollte. Nach Angaben der Schwestern vom Göttlichen Erlöser wurde ihr 1849 seitens des Bischofs die Erlaubnis dazu erteilt. Elisabeth Eppinger wählte fortan den Ordensnamen Alfons Maria. Neben den drei üblichen Gelübden – nämlich Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam – hatten die Erlöserschwestern noch ein viertes abzulegen: „den Armen und Kranken zu dienen, an ihnen alle geistlichen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit auszuüben“. So ist es laut Kreisheimatpfleger Menz in einer der ersten Chroniken des Ordens überliefert. 1854 wurde die Gemeinschaft vom französischen Staat anerkannt.

    Der noch junge Schwesternorden wuchs dann mit rasanter Geschwindigkeit, auch über die Grenzen Frankreichs hinaus. Zuerst in der bayerischen Pfalz angekommen, aus der sie sich relativ früh wieder zurückziehen mussten, wirkten die Niederbronner Schwestern nach Bistumsangaben ab 1854 auch in Würzburg. Erste Oberin wurde Schwester Honorine Steimer, die spätere erste Generaloberin der Würzburger Kongregation der Erlöserschwestern.

    Die Entfernung zum Elsass wird zum Problem

    Auch hier, in Unterfranken, erlebte der Orden regen Zuspruch. Zahlreiche Niederlassungen entstanden, unter anderem 1856 ein Konvent im Distriktspital in Werneck im heutigen Landkreis Schweinfurt. Allerdings führte die große Entfernung zum elsässischen Mutterhaus bald zu Problemen.

    Die Regierung des damaligen Königreichs Bayern duldete keine neuen und schon gar keine ausländischen Orden im Land, so Menz. Die Schwestern aber galten als französische Kongregation und hatten somit nach Meinung von Regierungsvertretern nichts im Bistum Würzburg zu suchen. So wurde im Jahr 1866 vom damaligen Würzburger Bischof Georg Anton von Stahl eine eigenständige „Kongregation der Töchter des Allerheiligsten Erlösers“ mit Sitz in Würzburg errichtet. Damit war zwar die Gefahr der plötzlichen Ausweisung „ausländischer Schwestern“ gebannt. Gleichzeitig mussten sich die Würzburger Schwestern aber gegen den Willen von Mutter Alfons Maria abspalten. Über sechzig Ordensfrauen kehrten daraufhin freiwillig nach Niederbronn zurück, 16 blieben mit Schwester Honorine in der Domstadt und bauten die neue Kongregation auf.

    Barmherzigkeit als Leitbild bleibt überall erhalten

    Fast zeitgleich werden auch in Wien und in Ungarn eigene Kongregationen gegründet. In Österreich wurden sie als „Töchter des Göttlichen Heilandes“ bezeichnet, in Ungarn als „Schwestern vom Göttlichen Erlöser“. Allen gemein, schreibt Menz, war jedoch das Zentrum ihrer Spiritualität: die Orientierung am barmherzigen Jesus selbst und der Willen, armen Menschen in Not beizustehen, sie aufzurichten und zu helfen. Leitbildgebend für die Schwestern ist bis heute das Bibelwort: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

    Nur ein Jahr nach der Würzburger Gründung, im Juli 1867, starb Mutter Alfons Maria. Und obgleich es laut Menz heißt, sie sei vehement gegen die Abspaltungen gewesen und habe sehr darunter gelitten, lebte ihr Leitbild auf diese Weise fort. In Unterfranken etwa haben die „Schwestern des Erlösers“ eine verzweigte Spur der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft hinterlassen. Ob als Krankenschwestern in Kliniken oder in Sozialstationen. Als Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen. Oder als Organistinnen und Helferinnen in zahlreichen Dorfgemeinschaften. „Wenn jemand zuhause im Sterben lag, kam eine Erlöserschwester und blieb da, bis der kranke Mensch für immer seine Augen verschloss. Es wurde nicht auf die Uhr geschaut“, schreibt Stefan Menz über Mutter Alfons Maria.

    Im Januar bestätigte der Papst ein von Mutter Alfons Maria bewirktes Wunder

    Bis heute wirken die Erlöserschwestern in Deutschland, aber auch beispielsweise in den USA oder in Tansania. In der Region sind sie etwa im Heidenfelder Kloster Maria Hilf im Landkreis Schweinfurt (seit 1901), im Schweinfurter Krankenhaus St. Josef (seit 1931) oder in der Würzburger Theresienklinik präsent. Überall dort, so Menz, „erfüllen die Schwestern nach wie vor ihren Gründungsauftrag und kümmern sich um benachteiligte Menschen“.

    So wie es Elisabeth Alfons Maria Eppinger getan hat. Um ihre Seligsprechung hatte sich der Orden Jahrzehntelang bemüht. Obwohl Papst Benedikt bereits 2011 in einem formalen Akt den heroischen Tugendgrad von Mutter Alfons Maria feststellte, ging das Verfahren weiter. Erst im Januar diesen Jahres war es soweit: Papst Franziskus bestätigte nach Bistumsangaben ein ihrer Fürsprache zugeschriebenes Wunder, was in der Regel Voraussetzung für eine Seligsprechung ist. In diesem Fall hatte eine lebensbedrohlich erkrankte Frau 1955 im Elsass die Hilfe von Mutter Alfons Maria angerufen und die Patientin „genas daraufhin für die behandelnden Mediziner auf unerklärliche Weise innerhalb weniger Tage“, schreibt Menz. Da sowohl die Frau als auch Zeugen bereits verstorben sind, mussten die Umstände der Heilung intensiv untersucht werden. Jahre vergingen. Aber: „Offenbar haben sie dem kritischen Blick in die damalige Zeit standgehalten“, so Menz.

    An diesem Sonntag, 9. September, wird Elisabeth Alfons Maria Eppinger nun in der Kathedrale in Straßburg selig gesprochen. Genau an ihrem Geburtstag. Mit dabei sein werden auch Ordensfrauen aus der Region: Mehr als 140 Erlöserschwestern und Helfer aus Würzburg, Heidenfeld und Schweinfurt wollen nach Frankreich fahren.

    Erlöserschwestern und die Feiern zur Seligsprechung

    Die Schwestern des Erlösers haben (Stand August 2018) weltweit insgesamt 285 Mitglieder. In Tansania wirken 53 Schwestern, in den USA leben 17 Erlöserschwestern. Mutter Alfons Maria Eppinger (1814-1867) wird am Sonntag, 9. September, um 14.30 Uhr in der Kathedrale in Straßburg (Frankreich) seliggesprochen. 140 Personen aus Unterfranken (Würzburg, Schweinfurt, Heidenfeld und Umgebung) wollen mit dabei sein, Abfahrt ist am Würzburger Residenzplatz. In der Region feiert die Kongregation der Schwestern des Erlösers ebenfalls Dankgottesdienste: am Montag, 10. September, um 17 Uhr in der Mutterhauskirche in der Ebracher Gasse 6 in Würzburg sowie am Mittwoch, 12. September, um 16.30 Uhr im Kloster Maria Hilf in Heidenfeld (Lkr. Schweinfurt). Zudem überträgt der französische Fernsehsender TV KTO den Seligsprechungsgottesdienst am Sonntag, 9. September, ab 14.20 Uhr live auf seiner Homepage: www.ktotv.com
     
    Bearbeitet von Susanne Popp

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