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    Schweinfurt

    Gründerwoche: Wie aus der Idee ein Geschäftsmodell wird

    Eine Nacht lang rauchten die Köpfe, um kreative Ideen in eine Form zu gießen, mit der man in die Unternehmensgründung starten könnte. Ein Projekt kürte die Jury zum Sieger.
    Mit ihrem nachwachsenden Rohstoff aus Pilzmyzel holte sich das Team "Breaking good" den ersten Preis der Startup-Night. Im Bild (vorne von rechts) FHWS-Vizepräisdentin Gabriele Saueressig neben Ideenbegründer Johannes Wölfel. Es gratulierte die Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung in Schweinfurt, Pia Jost (links). Foto: Ursula Lux

    Im Rahmen der Gründerwoche Deutschland versammelten sich bereits zum zweiten Mal Studierende im Rundbau der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), um eine Startup-Night zu begehen. Eine Nacht lang rauchten die Köpfe, um kreative Ideen in eine Form zu gießen, mit der man in die Unternehmensgründung starten könnte. Unterstützt wird die Nacht von der Initiative Pionier der FHWS, den Wirtschaftjunioren mit Startup, den Aktivsenioren und dem GRIBS.

    Reinhold Karl, Leiter des Gründerzentrums GRIBS moderierte die Veranstaltung, in der man "den Studenten die Berufsalternative eigenes Unternehmen" nahebringen wolle. 21 Ideen wurden eingereicht, aus denen eine Jury dann die sechs teilnehmenden Ideengeber ausgewählt hatte. Diese stellten im Laufe der Eröffnung ihre Ideen vor und sammelten ein Team von Studenten um sich, die während der Nacht basierend auf diesen Ideen ein brauchbares Gründungskonzept erarbeiteten.

    In international besetzten Teams wurde eine Nacht lang gemeinsam an der Umsetzung einer Idee gearbeitet. Foto: Ursula Lux

    Von den über 9000 Studierenden sei etwa ein Drittel nicht aus Deutschland, erklärte der Präsident der FHWS, Prof. Dr. Robert Grebner. Diese Internationalität wolle die Hochschule weiter ausbauen. Mit der Einführung des neuen Lehrgangs "Robotik" im kommenden Jahr werde dies sicher gelingen. Oberbürgermeister Sebastian Remelé schwenkte in seinem Grußwort in die Schweinfurter Geschichte und erinnerte daran, dass so manche heutige Großindustie als Ein-Mann-Betrieb in einer kleinen Werkstatt begonnen habe. Er begrüßt es, dass Studierende ermutigt werden, nicht nur den klassischen Weg einer Anstellung zu gehen, sondern auch den einer Pioniergründung. "In Schweinfurt hat Gründergeist eine lange Tradition", erklärt er.

    Viele Idee gehen verloren

    Landrat Florian Töpper freute sich, "ganz förmlich mit ins Boot geholt" worden zu sein. Schließlich sei die FHWS auch "unsere Hochschule". Nicht im Sinne einer Okkupation, sondern als ein als Zeichen der Verflechtung zwischen Stadt und Landkreis. Auch im ländlichen Raum hätten Firmen großes Potential und gute Voraussetzungen für eine "Work-Life-Balance". Den einführenden Vortrag hielt dann Dr. Gunther Wobser von der tauberfränkischen Firma "Lauda", ein familiengeführtes Unternehmen, das sein Großvater 1956 gegründet hat. Er berichtete von seiner Zeit im Silicon Valley, wo er ein Jahr lang lebte, um zu lernen, was den innovativen amerikanischen Ansatz von dem der Deutschen unterscheidet.

    In Deutschland werde häufig nach der Trichtermethode gearbeitet: "Fünf Ideen werden oben rein geworfen und eine kommt dann unten raus." Dabei, so Wobser, gingen vier Ideen verloren. In jeder Idee aber könne Potential. Er ermutigte daher die Studierenden, mit ihren Ideen schnell zu möglichen Kunden zu gehen, zu schauen, ob er das baucht und will und dann eventuell das Konzept neu überarbeiten. Die in Deutschland oft gebräuchliche Geheimhaltungsklausel für neue Ideen hält er für nicht zielführend. Dringend empfahl er Gründern auch, sich ehrliche und ehrenhafte Partner zu suchen. Der Stadt riet er, die Unternehmen mit den Startups in Verbindung zu bringen, also Erfahrung und Innovation zusammenzubringen.

    Dann stellten die jungen Leute ihre Ideen vor, die ein breites Spektrum umfassten. Anja Wagner will "Alli", einen digitalen Assistenten, auf den Markt bringen, mit dessen Hilfe das Lernen einer Fremdsprache in den Alltag integriert werden kann. Risheek Reddy will mit dem System "Interactive Layouts" die Sicherheitsstandards von Maschinen erhöhen. Jan Hofmann und Peter Schmäling widmeten sich der Verzahnung von Industrial Analytics durch Methoden der Prozessoptimierung. Einem völlig anderen Bereich wendet sich "Kids Edutainment" zu, eine Methode, Kindern auf interaktivem Weg Wissen und Soft Skills zu vermitteln. Johannes Wölfel und Fabian Espach setzen auf "Breaking good", ein ebenso nachhaltiges wie vielseitiges holzähnliches Produkt, das aus Pilzmyzel hergestellt wird. "Microcrowd" heißt die Idee von Ashithosh Srinivasa. Er will eine App entwickeln, die helfen kann, mit Leichtigkeit eine Menschenmenge zu kontrollieren.

    Einhellig entschied sich die Jury für das Team um Wölfel und Espach und seinem nachwachsenden Rohstoff, denn "das braucht man jetzt", so Jurymitglied Gabriele Saueressig, die Vizepräsidentin der FHWS.

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