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    Schweinfurt

    Gysi in Schweinfurt: Schneesturm und klare Worte gegen Rechts

    Wahlkampfhilfe für Schweinfurts Linke: Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi sprach im Naturfreundehaus. Er warb für linke Politik in der Kommune und Abgrenzung gegen die AfD.
    Gregor Gysi sprach beim Politischen Aschermittwoch am Tag danach im Kommunalwahlkampf der Schweinfurter Linken im Naturfreundehaus.
    Gregor Gysi sprach beim Politischen Aschermittwoch am Tag danach im Kommunalwahlkampf der Schweinfurter Linken im Naturfreundehaus. Foto: Oliver Schikora

    Selten dürfte so ein Blitzauftritt eines Bundespolitikers so eine Begeisterung ausgelöst haben. Und zwar ganz sicher nicht, weil Gregor Gysi, einer der prominentesten Linken-Politiker Deutschlands, so schnell wieder weg war. Die stehend dargebrachten Ovationen hatte sich der Berliner nach seiner gut 25-minütigen Rede im mit über 120 Gästen rappelvollen Saal des Naturfreundehauses als Wahlkampfhilfe für die Schweinfurter Linken vor der Kommunalwahl am 15. März redlich verdient.

    Gysi ließ die Gäste in Schweinfurt länger warten, auch er ein Opfer des Schneesturms in der Nacht auf Freitag. Er musste vom Zug in Würzburg abgeholt werden, kam mit gut einer dreiviertel Stunde Verspätung in Schweinfurt an und entschwand deswegen so schnell, weil er später wiederum in Würzburg zu einer Lesung erwartet wurde – die musste er schließlich absagen, das Schneetreiben war zu stark, die Autobahn dicht, er kam nicht rechtzeitig in die Domstadt.

    Dafür hatte er in der Wälzlagerstadt umso mehr zu sagen, insbesondere natürlich zu den Irrungen und Wirrungen nach der Wahl des mittlerweile zurückgetretenen Thüringenschen FDP-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich ("Eine Grenzüberschreitung, die sich niemand leisten darf") mit Stimmen der AfD. Am 4. März unternimmt Bodo Ramelow, der für die Linke als Ministerpräsident fünf Jahre Thüringen führte, einen erneuten Versuch, nicht nur mit den Stimmen seiner rot-rot-grünen Koalition gewählt zu werden. Ob das klappt? Gysi hofft das natürlich, über die zahlreichen Wendungen der Bundes-CDU im Fall Thüringen schüttelte er nur den Kopf: "Das ist eine Art von Krankheit, die politisch nicht zu behandeln ist."

    Klare Abgrenzung zur AfD: "Die Gefahr kommt von Rechts"

    Gysi gestand aber zu, dass es einen Unions-Politiker gibt, der seinen ehrlich gemeinten Respekt in der Causa Thüringen verdient habe: Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder. Der habe glasklar Stellung gegen die AfD bezogen, auch am Aschermittwoch den bemerkenswerten Satz gesagt, die Grünen seien der politische Gegner, die AfD hingegen der politische Feind. Natürlich auch und ganz besonders für die Linke: "Die Gefahr kommt von Rechts", betonte Gysi, der sich gegen Rechts- wie Linksterrorismus wandte, aber Wert auf Differenzierung legte, da es seit der Wende nachweislich 179 Todesopfer durch Rechtsextremismus in Deutschland gab, auf der anderen Seite aber seit dem Ende der RAF keine Toten mehr.

    Gysi lobte aber vor allem das Engagement der Kommunalpolitiker vor Ort, denn aus seiner Sicht seien sie es, die im Kontakt mit den Bürgern und seinen Anliegen seien und die Daseinsvorsorge sichern. Der Investitionsstau für die deutschen Kommunen betrage laut deutschem Städte- und Gemeindetag 126 Milliarden Euro, das müsse sich schnell ändern und Finanzminister Olaf Scholz "sein sexuell erotisches Verhältnis zur schwarzen Null" ändern, so Gysi schmunzelnd. "Es ist höchste Zeit, in Schweinfurt die Linken zu stärken, verändern wir von unten nach oben", so Gysis Appell unter dem Beifall der Gäste.

    Neben seinem Herzensthema, der gerechteren Besteuerung von Banken- und Unternehmensgewinnen, gab es vom 72-Jährigen Berufspolitiker auch ein Lob für die heutige Jugend. Der habe er eigentlich das Rebellische abgesprochen, doch er habe sich getäuscht, erklärte Gysi mit Blick auf die Fridays-for-Future-Bewegung, die es auch in Schweinfurt gibt: "Die haben Recht, zu fordern, macht Politik für unsere Zukunft."

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