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    Handthal

    Handthaler Kirche: Wie ein Fingerzeig nach oben

    Am Donnerstagnachmittag wurde ein wichtiger Teilabschnitt der derzeit laufenden Kirchensanierung beendet: Kugel und Turmkreuz kehrten an ihren Platz zurück.
    Die Kapelle in Handthal wird momentan einer Generalsanierung unterzogen. Foto: Klaus Vogt

    „Posteris“ ist auf dem Grundstein der Handthaler Kirche rechts neben dem barocken Eingangsportal eingemeißelt. Posteris - für die Nachkommen. Die Handthaler haben in den Wirren der Säkularisation anno 1811 mit viel Mühe und Aufwand für ihre Nachkommen am zentralen Platz ihres Dorfes aus den Steinen der Ruine des Franziskanerklosters eine neue Kirche aufgebaut. Und heute – wieder in einer Zeit der geistigen Säkularisation – scheuen sie erneut keine Mühe, ihre unter den Beschwernissen des Alters leidende kleine Kirche einer Frischzellenkur zu unterziehen.

    Am späten Donnerstagnachmittag wurde ein wichtiger Teilabschnitt der derzeit laufenden Kirchensanierung gefeiert: Die Arbeiten am Dachstuhl und am Kirchturm sind beendet. Nach einer kleinen Andacht konnten die vergoldete Turmkugel und das Turmkreuz wieder hochgezogen werden.

    Auf dem Grundstein der Kapelle in Handthal, der noch überarbeitet werden muss, steht "Posteris", auf Deutsch: "Für die Nachkommen". Foto: Klaus Vogt

    Dieses "Posteris – für die Nachkommen" sei Ausdruck eines besonderen Bewusstseins, sagte Pfarrer Stefan Mai. "Wir stehen auf den Schultern unserer Vorfahren. Und wir halten unsere Schultern auch wieder für die nachfolgenden Generationen hin. Eine Kirchenrenovierung steht in dieser Tradition." 

    Für die nächsten Generationen ein Zeichen

    Das Kirchlein sei vielen Generationen wichtig gewesen, betonte Stefan Mai. "Vor uns haben Menschen dafür Kräfte und Mittel eingesetzt. Und auch wir wollen dieses Kirchlein nicht nur für unsere Gottesdienste oder als schönen Dorfmittelpunkt für die vielen Wanderer und Touristen bewahren. Er soll vielmehr auch für die nächsten Generationen ein Zeichen sein: Hier in Handthal haben gläubige Menschen gelebt. Hier haben sie Gottesdienste gefeiert. Hier in dieser Kirche haben Menschen gebetet."

    Pfarrer Stefan Mai segnete die vergoldete Turmkugel und das restaurierte Turmkreuz. Foto: Klaus Vogt

    Diese kleine Kirche, so Pfarrer Mai weiter, möchte mit der goldenen Kugel und dem aufgesetzten Kreuz auf dem Turm wie ein Fingerzeig nach oben zum Himmel zeigen und jedem Betrachter sagen: "Verlier' den Blick nicht nach oben. Vergiss es nicht: Der Glaube an den Gekreuzigten mit seinen vorgelebten Lebenshaltungen möchte auch für dich ein Wegweiser zu einem menschlichen Leben sein." Anschließend segnete Mai Kugel und Turmkreuz mit Weihwasser. Dabei wurde ihm von Oswald Keck assistiert, der bereits unzählige Stunden auf der Baustelle ehrenamtlich gearbeitet hat. 

    Dokumente in die Kugel

    Als Zeugnisse für die kommenden Generationen wurde am Donnerstag die alte Kapsel der letzten Renovierung, die unter Pfarrer Karl Ring im Jahr 1968 stattgefunden hatte, in die von Armin Thomas restaurierte und von Edgar Beck neu vergoldete Kirchturmkugel zurückgelegt. In eine von Heinrich Bausewein gefertigte neue Kapsel werden auch noch aktuelle Zeitdokumente verstaut und in den kommenden Tagen dann ebenfalls in die Kugel gegeben.

    Kirchenpfleger Karl Helmich zeigt die Kupferkapsel von 1968 aus der Turmkugel, die nun erstmals wieder geöffnet wurde. Zusammen mit neuen Zeitdokumenten wird sie in die Kugel zurückgelegt. Foto: Klaus Vogt

    Dazu zählen unter anderem die von Irmgard Engert recherchierte Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters, der aktuelle Pfarrbrief, eine Aufstellung der Kosten und Zuschüsse der jetzigen Renovierung, die Liste der aktuellen Pfarrgemeinderäte und der Kirchenverwaltungsmitglieder, die Liste der an der Renovierung beteiligten Firmen, die derzeit gebräuchlichen Euromünzen – und diese Samstagsausgabe der Main-Post mit der Berichterstattung über die Kreuzsegnung.

    Als besonderen Gruß in die Zukunft, wenn in einigen Jahrzehnten die Kugel vielleicht wieder einmal geöffnet wird, hat Pfarrer Stefan Mai noch einen besonderes Satz hinterlegt: "Mögen die nächsten Generationen den Generationen vor ihnen, denen diese Kirche wichtig war und um deren Erhalt sie sich bemüht haben, die Hand reichen."

    Hoch oben: das restaurierte Turmkreuz wird in Position gebracht. Foto: Klaus Vogt

    Während eines gemeinsamen Vaterunser-Gebets schwebten dann Kugel und Kreuz nach oben zur Turmspitze, wo sie von den Dachdeckern in Position gebracht wurden. Und wie auf Bestellung zeigte sich die Abendsonne am bewölkten Himmel und ließ das Gold der Kugel hell aufleuchten.

    Statikprobleme gelöst

    Die Kirche musste einer umfassenden Generalsanierung unterzogen werden. Probleme bereitete insbesondere die aus dem Lot geratene Statik des Kirchendachs und des Glockenturms. Wegen drohender Absturzgefahr mussten die Glocken schon seit zwei Jahren schweigen. Nun konnte der Dachstuhl aber wieder stabilisiert und mit Biberschwanzziegeln neu eingedeckt werden. Die Glocken wurden restauriert und hängen bereits wieder im Turm, der mit Schiefer verkleidet wurde. 

    Deutlich sichtbare Risse im Mauerwerk wurden verpresst und die Wände neu verputzt, die Kirchenfenster überarbeitet, die Elektroinstallation auf einen modernen Stand gebracht und Ausbrüche an den Sandstein-Gewänden und -Simsen wieder geschlossen.  Die Sandsteinteile erhalten momentan einen angenehmen gelben Farbton. In diesem Jahr noch werden die Außenarbeiten abgeschlossen sein.

    Im Inneren der Handthaler Kapelle steht noch ein großes Gerüst. Foto: Klaus Vogt

    Der Bischof kommt

    Danach wird auch das Kircheninnere, wo jetzt noch ein großes Gerüst steht, auf Vordermann gebracht. Wenn die Malerarbeiten fertig sind, werden die abgebauten und gereinigten Altäre wieder zurückkehren. Die Orgel wird ebenfalls generalüberholt. Am Sonntag, 17. Mai, wird Handthal dann einen "dicken Tag" haben: Bischof Franz Jung wird in den Weinort kommen und um 10 Uhr ein festliches Pontifikalamt in der Kapelle feiern. Anschließend wird der Bischof den "Franziskusweg" einweihen, der auf eine Idee von Pfarrer Stefan Mai zurückgeht.  

    Die Gesamtkosten der derzeitigen Sanierung belaufen sich auf knapp 500 000 Euro. Seitens der Diözese Würzburg wurde eine Zuschuss in Höhe von 220 000 Euro in Aussicht gestellt. Die Marktgemeinde Oberschwarzach (die im Rahmen der Dorferneuerung auch den Platz um die Kirche mit Pflaster und Sandsteinstufen optisch ansprechend neu gestalten will) steuert 175 000 Euro bei, der Bezirk Unterfranken 5000 Euro. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sagte eine Förderung von 25 000 Euro zu und von der Bayerischen Landesstiftung kommen weitere 50 000 Euro.

    Pfarrer Stefan Mai begrüßte vor der Kirchenbaustelle Einheimische und Vertreter der Gemeinde und der ausführenden Planungs- und Handwerksfirmen. Foto: Klaus Vogt

    Der Kirchenstiftung Handthal selbst verbleiben nach aktuellem Stand gut 18 000 Euro, die sie an Eigenmitteln aufbringen muss. Pfarrer Stefan Mai dankte am Donnerstag ausdrücklich auch allen Bürgerinnen und Bürgern, die in vielen Arbeitsstunden durch Eigenleistungen auf der Baustelle und durch Spenden schon für eine finanzielle Entlastung der Kirchengemeinde gesorgt haben. 

    Zum Abschluss der kleinen Feier lud Pfarrgemeinderat Paul Römer zu einem Umtrunk im Feuerwehrhaus ein.

    Das kleine Kirchlein von Handthal war in die Jahre gekommen und musste dringend restauriert werden. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 2009. Foto: Reinhold Anger
    Die Handthaler Kapelle
    Die Kapelle geht laut Sage zurück auf ein Gelöbnis eines Burgfräuleins derer von Stollberg. Das hatte sich einst im Wald verirrt und gelobte zu Ehren der Hl. Magdalena dort eine Kapelle bauen zu wollen, wo sie das elterliche Schloss sehen würde. Später sollen sich einige Eremiten an der kleinen Kapelle angesiedelt haben. 1728 entstand eine neue Kapelle, in das benachbarte kleine Kloster zogen Mitte des 18. Jahrhunderts dann Franziskanermönche aus Dettelbach ein. Die Kapelle mit ihrer "Steinbrünner Magdalena" entwickelte sich zu einem beliebten Wallfahrtsort. Im Jahr 1755 beispielsweise pilgerten rund 14 300 Wallfahrer nach Handthal und empfingen in der Klosterkirche die Kommunion. 
    In der Säkularisation ab 1802 wurde das Hospiz aufgehoben und man überließ die Kapelle samt Grund und Boden der Gemeinde Handthal. Sie wurde dann 1810 abgebrochen. Unter Verwendung der alten Steine und des Eingangsportals von 1728 entstand 1811 eine neue Kapelle in der Dorfmitte. Dort, wo einst das Hospiz der Franziskaner stand, wurde das "Magdalenenkreuz" errichtet. Eine lateinische Inschrift auf dem Sockel des Kreuzes spricht davon, dass das ehemalige Kloster 1805 schon weitestgehend zerstört war. (kv)

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