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    Stadtlauringen

    Heimat und der wahre Wert der Volksmusik

    Fast schon ein Kunstwerk in sich. Wer bis zum höchsten Spitzboden der Stadtlauringer Amtskellerei hochsteigt, muss 90 Stufen hinaufsteigen, wird dann aber mit diesem Ausblick belohnt. Foto: Helmut Glauch

    Musizieren, Tanzen, gemeinsam Singen – wichtig ist nicht in erster Linie wie perfekt das klingt und geschieht, sondern dass es überhaupt getan wird, dass sich die Menschen, ob beim Wirtshaussingen, beim gemütlichen Schwof oder ganz einfach beim Gute-Nacht-Liedchen-Singen, diese Kultur zurückholen. So lässt sich wohl eine der zentralen Botschaften zusammenfassen, die von der Tagung unterfränkischer Stadt-  und Kreisheimatpfleger sowie Kreisarchivpfleger ausgehen. In Stadtlauringen und im Rahmen der dort stattfindenden unterfränkischen Kulturtage hatten sich rund zwei Dutzend Vertreter dieser Zunft zusammengefunden, um sich diesmal schwerpunktmäßig dem Erhalt und der Förderung fränkischer Volksmusik zu widmen.    

    Sie bringen sich ein, wenn es um Bewahrung der Heimat und die Förderung der Volksmusik geht. Im Bild (von links) Stadtlauringens Bürgermeister Friedel Heckenlauer, die Leiterin der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, Heidi Christ, der Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken, Franz  Josef Schramm, Monika Fritz-Scheuplein vom unterfränkischen Dialektinstitut, Reinhard Hüßner, Vorsitzender der ARGE fränkische Volksmusik, und stellvertretende Bezirksheimatpflegerin Birgit Speckle. Foto: Helmut Glauch

    Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und Landrat Florian Töpper waren gekommen um gemeinsam mit Bürgermeister Friedel Heckenlauer die Gäste im Festsaal des Schüttbaus zu begrüßen. Von "Arbeit mit hohem Wirkungsgrad" sprach Töpper,  von "wichtiger Arbeit, die uns bewusst macht, wo unsere Wurzeln liegen" Erwin Dotzel im Hinblick auf die zeitintensive  Aufgabe derjenigen, die sich um Geschichte und Brauchtum kümmern. Eine Arbeit, die heute so gut wie noch nie durchgeführt werde, was zum Beispiel die vielen neuen Publikationen beweisen. Zwei davon hatte der Bad Kissinger Kreiskulturreferent Werner Eberth mitgebracht. Er stellte seine neuesten Bücher "...und führe mich an deiner Hand nach Randersacker" und "Zarin Marie von Russland"  vor.

    Die dahingesummte Melodie, das Wiegenlied – alles ist Volksmusik

    Hausherr Friedel Heckenlauer stellte seine Gemeinde mit allen ihren Ortsteilen vor und übergab dann das Wort an die stellvertretende Bezirksheimatpflegerin Birgit Speckle, die die Tagung moderierte. Eine Tagung, in der im wahrsten Sinn des Wortes Musik drin war. Franz Josef Schramm, Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken (Eibelstadt) warb für die Volksmusik als ein Stück Lebensqualität. War die Hinwendung zur Volksmusik  in längst vergangenen Tagen oft eine Abgrenzung dem Neuen gegenüber, habe man sich längst neu positioniert.

    Schramm will auch die Volksmusik wieder mehr von den Bühnen in die Mitte der Gesellschaft und in die Herzen der Menschen holen. Die Mutter, die beim Bügeln ein Liedchen summt,  das Wiegenlied und auch der Gesang am Sterbebett. "All dies ist Volksmusik, jeder Mensch kann sich musikalisch betätigen". So gibt die Beratungsstelle nicht nur Volksmusikblätter heraus und hilft mit Rat und Tat, sondern bietet auch unermüdlich Singabende und Tanzkurse an, in deren Rahmen immer wieder die Erfahrung zu machen sei "Die Menschen kommen angespannt und gehen mit einem Lächeln". Interessierte informieren sich unter www.heimat-bayern.de.  

    So ein Anblick freut die Heimatpfleger. Die "gute Stube" Stadtlauringens, der Marktplatz mit seinen historischen Häusern wie dem Rathaus und rechts dem ehemaligen Gemeindebackhaus, kann sich sehen lassen. Am Sonntag findet auf dem Marktplatz der Herbstmarkt statt. Foto: Helmut Glauch

    Heidi Christ, Leiterin der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik in Uffenheim, stellte ihre Arbeit vor. Die Forschungsstelle, das ist sozusagen das volksmusikalische Gedächtnis Frankens.  25 000 Liederbücher, 10 000 Schallplatten (davon 6000 Schellack) und gut 800 Instrumente  bilden den Fundus. Besonders wichtig aber ist, dass Vereine und Veranstalter sich dort nahezu über jedes Lied informieren können und  Antworten auf Fragen wie "welche Ursprünge hat das Lied, wen schreibe ich als Verfasser in mein Programmheft?" bekommen. In einer Riesen-Datenbank findet man alles zum Lied. Selbst das Frankenlied gibt es nicht nur in einer Version und so mancher Marsch, der unbedarft angestimmt wird, hat eine "politisch aufgeladene" Vergangenheit".  Interessierte informieren sich unter www.volksmusik-forschung.de.     

    Bereits 50 000 Liederbüchlein verkauft

    Reinhard Hüßner, Vorsitzender der  Arbeitsgemeinschaft fränkische Volksmusik (Bezirk Unterfranken), formulierte deren erklärtes Ziel. "Wir wollen die Allgemeinheit zum bodenständigen Musizieren, Tanzen und Singen motivieren". Das gelingt zum Beispiel durch die Herausgabe kostengünstiger Liederbücher mit Liedern aus Franken, fürs Wirtshaussingen oder jeden anderen geselligen Anlass. 50 000 Stück davon wurden bereits verkauft, denn "was nützt die beste Notensammlung, wenn sie niemanden zugänglich ist". Auch Hüßner betonte, das die Volksmusik in ihrer Einfachheit, wieder ein Stück mehr in die Mitte der Gesellschaft, ins alltägliche Leben geholt werden müsse.  Volksmusik lebe vor allem vom selber machen und nicht nur von ihrer Darbietung.  Weitere Informationen unter www.volksmusik-unterfranken.de 

    Werner Eberth, Kreiskulturreferent aus Bad Kissingen, stellte seine beiden neuen Bücher vor. Foto: Helmut Glauch

    Vor den Referaten zum Thema Musik hatte  Monika Fritz-Scheuplein vom unterfränkischen Dialektinstitut den unterfränkischen Sprachatlas vorgestellt, der 2020 online gehen soll. Seit August 2017 gibt es eine Online-Datenbank zu "Ortsnecknamen". Namen also, mit denen zum Beispiel die Bergrheinfelder als "Meebrunzer" verunglimpft werden. Die Necknamen-Datei weist noch einige Lücken auf. Fritz-Scheuplein bat die anwesenden Heimatpfleger diese nach Möglichkeit zu schließen.   

    Mit einem historischen Stadtrundgang durch Stadtlauringen mit Renate Schleyer und einer Führung durch die Amtskellerei mit Heike Weipert, wurde der Nachmittag gestaltet. Nicht nur das historische Gebäudeensemble am Marktplatz mit Rathaus und angrenzendem ehemaligen Gemeindebackhaus wird den Gästen in Erinnerung bleiben. Besonders eindrucksvoll der Rundgang durch den Schüttbau mit seinen acht Ebenen und schier endlosen Dachböden.  

    Musik mit der Shruti-Box in der Kirche

    Ganz im Zeichen ursprünglicher Volksmusik auch der Abschluss in der Stadtlauringer Pfarrkirche. Nachdem Pfarrer Eugen Daigeler das Gotteshaus vorgestellt hatte, packte Volksmusik-Berater Franz Josef Schramm seine "tragbare Orgel", eine Shruti-Box, aus und gemeinsam stimmten die Teilnehmer in der Kirche Volkslieder und das Vater Unser an. Volksmusik in ihrer ursprünglichsten Art und ein mehr als passender Abschluss der Tagung unterfränkischer Heimatpfleger. 

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