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    GEROLZHOFEN

    Heimatkapelle: Jedes Jahr eine Steigerung

    Marco Wolf, der Chef der Michelauer Heimatkapelle, in seinem Element: Dirigieren mit Leib und Seele. Foto: Elisabeth Kerler

    Die Menschen saßen dicht an dicht in der Stadthalle Gerolzhofen. An den Türen drängten sich die Letzten stehend zusammen, andere hatten es bereits aufgegeben und waren wieder gegangen, weil sie keinen Platz mehr erhaschen konnten.

    Vorne blitzten und blinkten die Metallblasinstrumente und warfen den Lichtschein auf manches Gesicht, effektvoll in Szene gesetzt. Über dem Ganzen hing die große Leinwand, Projektionsfläche für so manches passende Hintergrundbild zur Musik.

    So war das Luftschiff Hindenburg direkt greifbar in dem nach ihr benannten Stück von Michael Geisler, sein Abflug und die Überquerung des Meeres und noch mehr, als manche der Musiker überraschend die Hilferufe beim Brand des Zeppelins imitierten.

    Bei diesem Stück, so Monika Kühl und Maria Hauck, „kamen einem zum Schluss fast die Tränen. Das ging einem durch und durch,“ bekundeten sie. Marin Fischer gefiel auch „Hindenburg“ an der ersten Hälfte am besten, die Bilder hätten bei diesem Lied ihre Wirkung besonders gezeigt.

    Russische Ballettmusik

    Und das war noch am Anfang des Abends, denn die Hindenburg war erst das zweite Stück: Darauf folgte Tschaikowskis „Fanfare und Tanz“ aus dem Ballett „Schwanensee“, womit die Kapelle bewies, dass sie durchaus auch Klassik zu spielen vermochte.

    Einen Übergang schuf sie mit „Bella Italia“: In diesem Stück sind mehrere Stücke miteinander verbunden, die stark mit Italien assoziiert werden, wie etwa „O sole mio“ oder „Funiculi, funicula“.

    Böhmische Polka

    Die folgende Polka „Kannst du Knödel kochen“ stammt von Karel Vacek, der es als Mitglied der Egerländer Musikanten unter der Leitung des „Königs der Blasmusik“, Ernst Mosch, komponiert hat. So zeigt sich das Thema des Abends: Musikalische Variationen – eine Europareise.

    Das nächste Stück war auf andere Weise etwas besonderes: Mario Heilmann zeigte am Xylofon seine beeindruckenden Fähigkeiten in „Xylo Classics“. Ähnlich wie bei „Bella Italia“ handelte es sich hier auch hierbei um eine Verbindung mehrerer, bekannter Stücke von namhaften Komponisten: Wolfgang Amadeus Mozarts „Türkischer Marsch“ verbunden mit Gioacchino Rossinis „Wilhelm Tell“, einem „Czardas“ von Vittorio Monti und Georges Bizets „Carmen“. Gerd Bogner hatte sie arrangiert. So stark wurde das Xylofon bisher bestimmt selten gehört.

    „Xylo Classics – es ist unglaublich!“, antwortete Annette Linke auf die Frage, was ihr an der ersten Hälfte des Konzerts besonders gefallen habe. Sie komme jedes Jahr, jedes Jahr sei sie der Meinung, dass es kaum zu übertreffen wäre. „Und jedes Jahr kommt noch eine Steigerung!“

    Österreichischer Marsch

    Alfred Linke, dem ebenfalls „Xylo Classics“ am besten gefallen hatte, war ähnlicher Meinung: „Ja, spitze, ich bin begeistert, das ist sowas von gut,“ sagte er und setzte hinzu: „Die Freude in der Kapelle – das übertragen sie und das befruchtet mich.“

    Mit Franz Joseph Wagners „Unter dem Doppeladler“ ging die Reise weiter nach Österreich-Ungarn, nach Skandinavien führte „Fate of the gods“ von Steven Reineke. Der Komponist vertonte in diesem Stück Ragnarök, die nordische Sage vom Untergang der Götter und der bisherigen Welt sowie der friedlichen Neuschöpfung einer neuen Welt. Das Stück beeindruckte mit seinen Wechseln zwischen gewaltigen und sanften Klängen.

    Dann durften sich Freunde der Filmmusik freuen: Für Spanien stand „The legend of Zorro“ von James Horner und für Frankreich „The Hunchback of Notre Dame“, Musik aus einem Disney-Film, die Alan Menken komponiert hat. Ganz zum Schluss begab man sich nach England: Stefan Schwalgin hat das Potpourri „The Police on stage“ aus Liedern der Popband Police zusammengestellt.

    Englischer Pop

    So kamen auch Freunde der Popmusik auf ihre Kosten und der Aspekt der Variationen im Motto des Abends wurde nochmals unterstrichen. „Das ganze Spektrum der Musik“, lobte Doris Krüger bereits in der Pause.

    Dennoch machte ganz zum Schluss – noch nach der Zugabe, nach der das Publikum im Stehen verlangt hatte – die Michelauer Heimatkapelle im Steigerwald ihrem Namen alle Ehre und spielte das Steigerwaldlied. Hier war besonders beeindruckend, wie laut das Publikum mitsang und auch mitschunkelte, was ausdrückte, wie sehr es den Abend genossen hat.

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