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    HEIDENFELD

    Historische Spuren im Heidenfelder Sand

    Die Geschichte des Röthleiner Ortsteils Heidenfeld wird nicht neu geschrieben werden müssen und auch das geplante Neubaugebiet „An der Sulz“ am unteren Friedhofsweg wird wohl im zeitlichen Rahmen bleiben. Dennoch ist es äußerst interessant, was bei den archäologischen Voruntersuchungen auf dem künftigen Baugebiet zu Tage gefördert wurde.

    Trägt man die Humusschicht ab, auf der bis vor wenigen Jahren noch Spargel angebaut wurde, dann kommt reichlich Sand zum Vorschein. Sand mit verschiedenen Farbschattierungen und eindeutigen Verfärbungen. Besonders auffällig sind sogenannte Pfostengruben, wie der Archäologe Benjamin Binzenhöfer, der als Grabungsleiter für die Firma Oliver Specht (Schwebheim) vor Ort ist, erläutert.

    Die sprechen eine eindeutige Sprache, nach ersten groben Schätzungen im frühen 13. Jahrhundert, also vor rund 800 Jahren, muss hier ein Haus gestanden haben. Kein kleines darüber hinaus, denn die Pfostengruben lassen auf einen Grundriss von etwa acht auf 20 Metern schließen.

    Hügelgräber sind nicht weit weg

    Die keltischen Hügelgräber aus der Zeit um 1200 vor Christus sind nicht weit, der Verdacht, dass sich unweit dieser Bodendenkmäler Siedlungsreste finden könnten, war also nicht unbegründet. Dennoch eine Überraschung, hier eindeutig die Bestätigung geliefert zu bekommen, dass relativ weit weg vom Konventsbau des Klosters, bereits im Mittelalter gesiedelt wurde, wie Stefan Menz, Kreisheimatpfleger und Vorsitzender des historischen Vereins Heidenfeld einräumt. Auch mögliche Spuren einer uralten Wasserleitung aus Eiche finden sich. Manchmal kommt aber auch einfach nur gerade zu Ende gegangene Neuzeit zu Tage – zum Beispiel die tönernen Reste der Wasserversorgung für den Spargelanbau.

    An den Fundstellen werden jetzt Profile erstellt, das heißt, dass der Sand an der einen Seite so einer Bohrlochverfüllung bis auf den gewachsenen Boden hinab entfernt wird. Alles wird genau vermessen, erfasst, dokumentiert und wird sich wahrscheinlich irgendwann einmal in der Dorfchronik niederschlagen. Immer wieder finden sich im Sand auch Keramikscherben. „Teile von einfachen Gefäßen oder auch Kochtöpfen“, wie Benjamin Binzenhöfer schätzt. Auch diese Funde fließen, schön eingetütet, in die Gesamtdokumentation mit ein.

    Profile erstellen

    Im Rahmen der Prospektion, darunter versteht der Archäologe die Erkundung und Erfassung solcher Fundstätten, wird dann natürlich auch festgestellt, welche Materialien sich in so einem Bohrloch befinden. Ist es nur die Erde mit der das Loch ein verfüllt wurde, oder sind gar noch Holzreste nachweisbar? Solche Fragen wird man möglicherweise in diesem Zusammenhang beantworten. Am Ende wird man sich ziemlichgenau vorstellen können, was hier früher einmal stand. Das Neubaugebiet, das ist auch eine Erkenntnis, ist also so neu gar nicht. Die Bauherren, die demnächst ihre Häuser dort bauen werden, sind nicht die ersten Heidenfelder, die auf der rechten Seiteam Ende des unteren Friedhofsweges siedeln – das haben ihre Vorfahren schon vor 800 Jahren getan.

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