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    LÖFFELSTERZ

    Hochzeitsbrauchtum seit 1900 zu sehen

    Seit etwa 15 Jahren ist die Pfarrkirche Löffelsterz am Nachmittag des Festes Kreuzerhöhung, das heuer am Sonntag, 9. September, gefeiert wird, ein Anziehungspunkt für Besucher mit Interesse am religiösen Brauchtum und dem Dorfleben in früherer und heutiger Zeit. Die Ausstellungen zeigten Exponate zu den Themen Bibelpublikationen, Rosenkränze, Schule, Tod und Begräbnis, Ikonen und Krippen. Heuer wählte der Pfarrgemeinderat den Titel „Hochzeit - Der Bund fürs Leben“.

    „Der Start dieser Ausstellungsreihe fiel damals mit dem Tag des offenen Denkmals zusammen, der seit Jahren immer am zweiten Sonntag im September begangen wird“, erinnert sich Otmar Hartling. Als Kirchenpfleger organisiert er mit Pfarrgemeinderatsmitgliedern das Sammeln von Gegenständen im Ort oder bei weggezogenen Bürgern für diese Aktion. Jedes Jahr warten besondere Schätze aus vergangenen Zeiten auf die Besucher. „Die Ausstellung lebt davon, was uns die Löffelsterzer Mitbürger zur Verfügung stellen“, betont Diana Mantel. Sie verweist aber auch auf den Anspruch der Pfarrgemeinde, „die Jetztzeit mit hineinzubringen, soweit dies möglich ist“.

    Das Thema Hochzeit stieß bei den Dorfbewohnern auf breite Resonanz und viele Erinnerungsstücke aus alter und neuer Zeit sammeln sich bis zum Sonntag in den Wohnungen von Diana Mantel und Otmar Hartling. „Es ist ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann, meist oft mit positiven persönlichem Erleben verbunden“, erklären sich beide die große Resonanz auf ihren Sammelaufruf.

    Die Hochzeitsfotos ab 1902 bis zum Jahr 2017 füllen „einen ganzen Karton“ und werden in der Pfarrkirche bei der Ausstellung einen breiten Raum in der Pfarrkirche einnehmen. Das älteste Bild zeigt eine Hochzeitsgesellschaft aus dem Jahr 1902 unter der Linde am Dorfplatz vor der Kirche. Ergänzt wird die Ausstellung durch Hochzeitskleidung, besondere Hochzeitsgeschenke, Aussteuergegenstände und Erinnerungsstücke an die Silberne und Goldene Hochzeit.

    Ein Brautkleid aus dem Jahr 1905 vermittelt den Besuchern einen Eindruck von der damaligen Brautmode, da es in der Farbe Schwarz gehalten ist. Ein noch selbstgenähtes weißes Brautkleid wurde im Jahr 1964 noch von Hand mit der Perlenapplikation verziert. Aus der heutigen Zeit wird ebenfalls eine Schaufensterpuppe ein Kleid tragen.

    Kleidchen für Blumen- und Ringkinder im Stil der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hat Gabi Kaiser eigens für die Ausstellung genäht. „Wir suchen noch ein Brautkleid mit kurzem Saum, wie es vor 60 oder 70 Jahren in Mode war“, merkt Diana Mantel an, da aus dieser Zeit noch keines für die Ausstellung gefunden wurde.

    Brautschuhe, Brautschmuck, Hochzeitskerzen und besonders gestaltete Hochzeitsgeschenke wie ein gerahmter Hochzeitsgruß versetzen die Betrachter zurück in frühere Zeiten. Wichtig war damals auch die Aussteuer der Braut, die die finanziellen Verhältnisse ihrer Familie widerspiegelte. Porzellan, weiße Bettwäsche, Leinenhandtücher, bestickte Überzüge für Paradekissen und Besteck gehörten dazu und oft auch eine Nähmaschine. Aus der jüngsten Zeit sind Liedhefte zur Trauung oder Fotos zum Kirchenschmuck bei Hochzeiten ausgestellt.

    Das zeitgenössische Bild einer Löffelsterzer Kunsttherapeutin mit dem Titel „Geborgenheit“ lädt in der Ausstellung ein, darüber nachzudenken, was dieser immaterielle Wert für den Betrachter bedeuten, meint Diana Mantel.

    Vor der Kirche wird eine festlich geschmückte Brautkutsche sicher das Interesse vieler Bewunderer finden.

    Die Augen von Otmar Hartling leuchten, wenn er von den Streichen anlässlich von Hochzeiten erzählt. Böller wurden mit selbst gebauten Vorrichtungen abgeschossen, von denen einige in der Ausstellung gezeigt werden. Schriftliche Aufzeichnungen berichten von diesen Scherzen der Dorfjugend und dem Brauch des Einforderns von „Wegezoll“ für die Brautgesellschaft, wenn sie die Kirche verließ.

    Die Ausstellung in der Löffelsterzer Pfarrkirche ist am Sonntag, 9. September, von 14 bis 18 Uhr geöffnet, von 14 bis 15 Uhr bietet Diakon Frank Menig die Segnung von Paaren in einem abgetrennten Bereich der Kirche an. Im ehemaligen Schulhof neben der Kirche bietet der Pfarrgemeinderat Bewirtung an.

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