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    Kreis Schweinfurt

    Hoher Aufwand für immer mehr schwierige Kinder

    Immer mehr Kinder muss das Jugendamt in Obhut nehmen. (Symolbild).   Foto: Ruppert

    Die Kosten für die Jugendhilfe des Landkreises Schweinfurt nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Gab der Kreis vor zwei Jahren knapp 4,4 Millionen Euro aus, beläuft sich der diesjährige Haushaltsansatz auf 5,8 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon sind nötig für Heimerziehung und Vollzeitpflege.

    58 Kinder sind stationär untergebracht

    Alleine die Zahl der Jugendlichen, die stationär behandelt werden mussten, ist im vergangenen Jahr um 35 Prozent gestiegen, berichtet Jugendamtsleiter Udo Schmitt dem Ausschuss für Jugend und Familie des Landkreises. 58 Kinder seien derzeit untergebracht. Das ist zwar eine nominell eine starke Erhöhung, aber damit ist kein weit verbreitetes Phänomen in der Gesamtbevölkerung beschrieben: Im Landkreis Schweinfurt leben etwa 18.000 junge Menschen, die noch nicht volljährig sind. Aufgabe des Jugendamtes ist es aber, jedem einzelnen zu helfen, der in Schieflage gerät.

    Präsentierte dem Jugendausschuss den Jahresbericht des Jugendamts und eine forsche These: Leiter Udo Schmitt. Foto: Silvia Eidel

    Nicht nur die Zahl von Betroffenen, die das Amt in Obhut nimmt, wie es im Amtsdeutsch heißt, steigt, sondern sei es zudem immer schwieriger, sie werden auch immer jünger. Vermehrt würden sogar Zwölf- und 13-Jährige stationär eingewiesen, erläuterte Schmitt.

    Langwierige Suche nach Kliniken

    Bei Fällen von Extremhilfen werde es immer schwieriger, geeignete Einrichtung für besonders aggressive und anders auffällige Kinder und Jugendliche zu finden. „Der Druck auf unser Personal ist hoch, um Lösungen zu finden“, sagte Schmitt. Es sei schon vorgekommen, dass bundesweit 20 bis 30 Stellen angefragt werden mussten, um die passende Unterbringung zu finden. Mit der Konzentration auf individualisierte Angebote kletterten auch die Kosten: Sie machen zwischen 350 und 600 Euro pro Tag und Person aus.

    Wie der Amtschef erklärte, setze man zwar stark auf ambulante Hilfe, in den beschriebenen Fällen stoße sie an ihre Grenzen. Und anderem auch weil die Belastungsgrenze der Eltern erreicht sei und sie keinen Ausweg mehr wüsten. In diesem Zusammenhang formulierte Schmitt eine forsche These: „Das Durchsetzungspotenzial der Eltern nimmt ab“, fasste er seine Erfahrungen zusammen. Die Konsequenz in der Erziehung nehmen ab, beginnend bei der Aufstellung von Regeln bis zu deren Einhaltung beziehungsweise bei Sanktionierungen von Verstößen. „Erziehung ist Schwerstarbeit“.

    Zunehmend mehr Eltern könnten oder wollten diese Energie dafür nicht aufbringen. Und Schmitt lieferte auch einen Erklärungsansatz, warum aus seiner Sicht die „Erziehungsfähigkeit von Eltern“ abhanden komme: Dies hänge auch damit zusammen, dass Kinder mit bereits einem Jahr in die Kinderbetreuung gegeben werden. Diese verlängerten Betreuungszeiten gingen zu Lasten der Erziehungsfähigkeit, sagte Schmitt.

    Zu geschafft für die Erziehungsarbeit

    Schmitts These rief Jutta Münch vom Caritas-Verband auf den Plan: Junge Familien, zudem wenn sie stark in die Arbeitswelt eingebunden seien, verfügten oft nicht über das familiäre Umfeld, das bei der Erziehung oder der Bewältigung des Alltags helfen können. Schmitt sah das nicht als Entkräftung, sondern als Bestärkung seiner Ausführungen. Gerade Alleinerziehende seien durch den Beruf nach Feierabend „so geschafft“, dass der Impuls, in der Kindererziehung nachzugeben, stärker werde. Damit nehme die Konsequenz ab.

    In der Prävention biete das Jugendamt eine Reihe von Veranstaltungen an, um Familien und Eltern zu stärken, wie durch den Eltern-Talk oder Eltern-Check. Dabei gehe es unter anderem um das Setzen von Regeln, die adäquate Förderung von Kindern und Vermittlung von Medienkompetenz. Diese Angebote würden sehr gut angenommen, seien aber nur auf freiwilliger Basis möglich.

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