• aktualisiert:

    Obbach

    "Hurra wir sind Sieger": Schloss Gut Obbach gewinnt Bundespreis

    Wie funktioniert eine "regionale Wertschöpfungskette"? Das Schloss Gut Obbach macht es seit Jahren vor und wird nun mit dem Bundespreis Ökologischer Landbau belohnt.
    Das Team vom Schloss Gut Obbach bejubelt mit den Produkten der Wertschöpfungskette den Sieg: (von links) Gutsleiter Bernhard Schreyer, Landwirt Jannik Fella, Gutsleiterin Petra Sandjohann, Silomeister Harald Eusemann, Büromitarbeiterin Heike Weiß und Vertriebsmitarbeiterin Heike Roßbach. Es fehlen die Hofladen-Mitarbeiterinnen Eva Streit und Gerda Schäfer, Silomeister Michael Grünewald und Auszubildender Linus Metz.
    Das Team vom Schloss Gut Obbach bejubelt mit den Produkten der Wertschöpfungskette den Sieg: (von links) Gutsleiter Bernhard Schreyer, Landwirt Jannik Fella, Gutsleiterin Petra Sandjohann, Silomeister Harald Eusemann, Büromitarbeiterin Heike Weiß und Vertriebsmitarbeiterin Heike Roßbach. Es fehlen die Hofladen-Mitarbeiterinnen Eva Streit und Gerda Schäfer, Silomeister Michael Grünewald und Auszubildender Linus Metz. Foto: Anand Anders

    Der Begriff "regionale Wertschöpfung" war noch nicht so geläufig, als Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer 1998 Verwalter auf dem Schloss Gut Obbach wurden und den Betrieb auf ökologische Erzeugung umstellten. Doch schon damals hatten sie die Idee, für ihre am Hof erzeugten Produkte eine eigene Wertschöpfungskette aufzubauen. Konkret hieß das, Bäcker, Müller, Mälzer, Brauer, Imker und Obstverarbeiter aus der Region davon zu überzeugen, Lebensmittel vom Schloss Gut zu verarbeiten und gemeinsam zu vermarkten. Das Konzept kam an. Auch Lebensmittelhändler, Naturkostläden und Gastronomen konnten für die Vermarktung gewonnen werden. Und die Region profitierte ebenfalls davon, denn es entstanden neue Arbeitsplätze. Das hat die Jury beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau überzeugt. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner überreichte dem Betriebsleiterpaar am Donnerstag auf der Grünen Woche in Berlin den mit 7500 Euro dotierten Bundespreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Wir sprachen mit den Betriebsleitern über ihre Philosophie.

    Das Schloss Gut Obbach erhielt den Bundespreis Ökologischer Landbau 2020. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (rechts) überreichte die Auszeichnung auf der Grünen Woche in Berlin an (von links) Gutsbesitzer Georg Schäfer, das Betriebsleiter-Paar Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann sowie die Gutsbesitzer Andreas und Christian Schäfer.
    Das Schloss Gut Obbach erhielt den Bundespreis Ökologischer Landbau 2020. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (rechts) überreichte die Auszeichnung auf der Grünen Woche in Berlin an (von links) Gutsbesitzer Georg Schäfer, das Betriebsleiter-Paar Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann sowie die Gutsbesitzer Andreas und Christian Schäfer. Foto: Naturland e.V.
    Zum Auftakt der Grünen Woche demonstrierten wieder tausende Bauern gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Sie waren auch in Berlin, allerdings um den Bundespreis für Ökologischen Landbau entgegen zu nehmen. Warum sind Sie nicht bei der Schlepper-Demo mitgefahren? 

    Bernhard Schreyer: Wir haben andere Schwerpunkte. Uns ist das Betriebsergebnis wichtig. Wir sehen unseren Schwerpunkt deshalb nicht im Jammern, sondern nutzen die Zeit, um unseren Betrieb voranzubringen. 

    Petra Sandjohann: Uns nervt ja auch die viele Bürokratie, und wir fallen auch unter die Düngeverordnung. Aber Wasser und Luft sind halt mal Allgemeingut, das es zu schützen gilt. Jeder muss da etwas machen. Wir versuchen, unseren Betrieb breit aufzustellen und kontinuierlich weiter zu entwickeln. 

    Bernhard Schreyer: Wir müssen dabei genauso wirtschaftlich arbeiten und am Markt Geld verdienen. Das ist anstrengend, aber es läuft.

    Ein reichhaltiges Angebot an ökologisch erzeugten Produkten bieten Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer in ihrem Hofladen. Getreidekörner kann der Kunde frisch abfüllen.
    Ein reichhaltiges Angebot an ökologisch erzeugten Produkten bieten Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer in ihrem Hofladen. Getreidekörner kann der Kunde frisch abfüllen. Foto: Anand Anders
    Ihr Engagement wurde jetzt mit dem Bundespreis für ökologischen Landbau belohnt. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Sie?

    Schreyer: Für uns ist der Preis eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. So eine Auszeichnung bringt den Betrieb voran und motiviert, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumachen.

    Sandjohann: Der Preis hat auch deshalb eine große Bedeutung für uns, weil er von einem Fachgremium vergeben worden ist. In der Kommission sitzen Vertreter vom Bundeslandwirtschaftsministerium, von ökologischen Landwirtschafts-, Verbraucher- und Umweltschutzverbänden sowie Experten aus Forschung und Wissenschaft.

    Wie liefen die Bewerbung und das Auswahlverfahren ab?

    Sandjohann: Wir spielten schon länger mit der Idee, bei diesem Wettbewerb mitzumachen. Im Juni vergangenen Jahres stieß ich dann im Internet zufällig auf die Ausschreibung. Allerdings waren da nur noch zwei Tage Zeit bis zum Einsendeschluss für die Bewerbung. Wir haben uns dann eine Nacht um die Ohren geschlagen, um die Bewerbungsunterlagen mit Vorstellung unseres Betriebskonzeptes fertig zu machen. Im Juli kam dann der Bescheid, dass wir zu den fünf Bewerbern gehören, aus denen die Jury nach einer Hofbesichtigung die drei Preisträger ermitteln wird. Im August war die Jury da, und vor einer Woche kam nun der Bescheid, dass wir Preisträger sind.

    Video

    Was war ausschlaggebend für die Auszeichnung?

    Schreyer: Die zentrale Rolle für den Bundespreis hat die Wertschöpfungskette auf unserem Hof gespielt, die wir der Jury auch visuell präsentierten. Wir hatten eine Art Drehbuch geschrieben, nach dem wir den Werdegang unserer Produkte vom Acker zu den verschiedenen Verarbeitern bis hin zum Endprodukt aufzeigten. Alle unsere Partner waren da und stellten ihren Part an dieser Wertschöpfungskette vor. Eigentümer Andreas Schäfer informierte über die Gutsgeschichte. Und wir stellten den Betrieb mit dem Hofladen und unsere Kooperationspartner vor.

    Sandjohann: Bei der Kommission kam es gut an, dass wir so eine enge Gemeinschaft sind, fair miteinander umgehen und jeder fit auf seinem Fachgebiet ist. 

    Ist Ökolandwirtschaft dann das Erfolgsrezept?

    Sandjohann: So einfach kann man das nicht sagen. Ökolandwirtschaft heißt ja nicht, nur die Spritze und den Düngerstreuer wegzulassen, sondern man muss einen anderen Blick auf die Landwirtschaft haben. Regional und ökologisch, das ist ein stückweit unser Erfolg. Und wir versuchen, den Verbraucher zum Kunden und den Verarbeiter zum Partner zu machen.

    Eva Streit (Mitte) betreut den Hofladen mit dem Gutsleiterpaar Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer.
    Eva Streit (Mitte) betreut den Hofladen mit dem Gutsleiterpaar Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer. Foto: Anand Anders
    Wie wird dieses Konzept konkret auf dem Schloss Gut Obbach umgesetzt?

    Schreyer: Uns ist es wichtig, die hofeigenen Erzeugnisse nicht anonym zu verkaufen, sondern im Betriebsumfeld zu vermarkten. Wir haben für jedes unserer Produkte eine Wertschöpfungskette in der Region aufgebaut. Unser Weizen beispielsweise wird in der Schlossmühle Schor in Untereuerheim zu Mehl gemahlen und daraus in der Bäckerei Wolz in Greßthal unser "Gutsbrot" gebacken. Oder unsere Gerste: Die wird in der Mälzerei Schubert in Schweinfurt verarbeitet und aus dem Malz in der Hausener Brauerei Martin unser "Gutsbier" gebraut. Alle Hof-Produkte werden mit unserem Schloss-Gut-Logo vermarktet. 

    Die Jury war von der Konsequenz und Professionalität begeistert, mit der sie die regionalen Wertschöpfungsketten aufgebaut haben. Das ging sicher nicht von heute auf morgen?

    Schreyer: Nein, das war eine kontinuierliche Entwicklung. Als wir 1998 Betriebsleiter auf dem Schloss Gut wurden, haben wir gleich auf ökologische Erzeugung umgestellt. Zuerst haben wir die Schweinemast aufgegeben, dann den Raps- und Zuckerrübenanbau und dann parallel mit anderen Kulturen begonnen. Heute bauen wir auf unseren 272 Hektar Ackerflächen neben verschiedenen Getreidearten und Kleegras vor allem Sonnenblumen, Linsen, Kichererbsen und Kartoffeln an.  

    Sandjohann: Gleichzeitig haben wir 100 neue Apfel- und Birnbäume gepflanzt. Inzwischen haben wir auch eine 1,5 Hektar große Steinobstanlage mit Aprikosen, Kirschen, Mirabellen, Pfirsichen und Zwetschgen. Mit den Äpfeln und Kartoffeln sind wir damals gleich in die Direktvermarktung eingestiegen. Nach und nach kam dann immer mehr dazu. Heute verkaufen wir in unserem Hofladen nicht nur die Rohware, sondern auch selbst gemachten Apfelcider, Apfelschorle und Apfelessig, Sonnenblumenöl, Honig und Bier sowie Gemüse, Käse, Wein und Brotaufstriche von unseren Partnerbetrieben.

    2018 wurde die neue Aufbereitungsanlage für ökologisch erzeugte Druschfrüchte in Betrieb genommen. 
    2018 wurde die neue Aufbereitungsanlage für ökologisch erzeugte Druschfrüchte in Betrieb genommen.  Foto: Silvia Eidel
    Das Schloss Gut Obbach hat mit der Saat Gut GmbH noch einen zweiten Betriebszweig. Für wen und was wird hier produziert?

    Schreyer:  Auf dem Schloss Gut wurde schon vor der Umstellung Saatgut erzeugt. Wir haben diesen Betriebszweig weiter ausgebaut, weil es nur konsequent ist, dass man als ökologisch wirtschaftender Betrieb auch ausschließlich ökologisch erzeugtes Saatgut einsetzt. 2003 haben wir in ein zweites Getreidelager investiert und 2018 dann die neue Aufbereitungsanlage für Saat- und Konsumdruschfrüchte gebaut. Darin wird das Getreide direkt nach der Ernte gereinigt, getrocknet und gelagert. Die Druschfrüchte sind dann hygienisch lagerfähig, so dass wir unsere Partner das ganze Jahr über gleichmäßig mit hochwertigen Rohstoffen beliefern können. Außerdem kann die Anlage Schälsonnenblumen und Spelzgetreide schälen. Die Wertschöpfung bleibt also auch hier auf dem Hof.

    Der Schälsonnenblumenanbau ist eine Besonderheit des Schloss Gut Obbach. Warum?

    Schreyer: Geschälte Sonnenblumen für Müsli, zum Kuchen backen oder als Grundlage für Brotaufstriche kommen derzeit zu 90 Prozent aus China und Osteuropa, auch im Öko-Bereich. Wir wollen den Anbau in Deutschland forcieren und wollen weg vom Hybrid-Saatgut mit nur einer Sorte hin zu nachbaufähigen Sorten, die in die Region passen und besser mit dem Klimawandel zurecht kommen. Auch wollen wir unabhängig werden von den großen Saatgutkonzernen. Wir sind deshalb an einem Forschungsprojekt der Schweizer Firma Sativa beteiligt.  

    14 verschiedene Sorten Schälsonnenblumen werden für Zuchtversuche einer Schweizer Firma auf dem Gutshof Obbach angebaut.
    14 verschiedene Sorten Schälsonnenblumen werden für Zuchtversuche einer Schweizer Firma auf dem Gutshof Obbach angebaut. Foto: Anand Anders
    Wie sieht diese Beteiligung aus?

    Schreyer: Wir stellen für die Zuchtversuche die Flächen und das Know-How zur Verfügung. Die Zuchtarbeit ist aufwendig und dauert sehr lange, wir haben aber schon eine vielversprechende Linie. Aktuell werden 14 verschiedene Sorten Sonnenblumen bei uns angebaut. Das ist eine enorme Vielfalt. 

    Wissen Sie schon, was Sie mit dem Preisgeld machen werden?

    Sandjohann: Wir haben viele Ideen, aber noch nichts Spruchreifes. Wir werden die 7500 Euro in jedem Fall zurücklegen für ein neues Projekt im Bereich Vermarktung und Verarbeitung. Und wir werden den Preis gemeinsam mit unseren Partnern und Kunden im Frühjahr oder Sommer feiern.

    Schloss gut Obbach
    Das Schloss Gut Obbach befindet sich im Besitz der Familie Schäfer und wird seit 1923 landwirtschaftlich bewirtschaftet. 1998 wurde der mit Pachtflächen 275 Hektar umfassende Betrieb auf biologisch-organische Landwirtschaft nach den Richtlinien von Naturland umgestellt. Schwerpunkt ist der Anbau von Getreide und Leguminosen zur Saatguterzeugung sowie zum Verkauf als Mahlgetreide und Futter an Mühlen. Eine Besonderheit ist der Anbau von Schälsonnenblumen unter anderem für die Firma Zwergenwiese, die daraus vegetarische Brotaufstriche herstellt. Kartoffeln, Linsen und Kichererbsen werden für die Direktvermarktung angebaut. Zum Gutshof gehören Streuobstwiesen und eine Steinobstplantage. Äpfel und Birnen werden überwiegend zu Saft verarbeitet und auch als Tafelobst verkauft.
    Seit 2006 ist das Schloss Gut Obbach Demonstrationsbetrieb für den Ökologischen Landbau. Rund 40 Veranstaltungen (Führungen, Besichtigungen, Informationstage) gibt es pro Jahr. Im Rahmen der Initiative BioRegio 2020 werden zudem Landwirte beraten, die an einer Umstellung ihres Betriebs auf ökologische Erzeugung interessiert sind.
    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Schweinfurt-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!