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    KREIS SCHWEINFURT

    Immer weniger Feldhamstergebiete

    Nicht nur als „gefährdet“ gilt der Feldhamster. Jetzt ist er auch in Bayern auf der „Roten Liste“ gelandet und akut vom Aussterben bedroht. Grund genug für die Regierung von Unterfranken, derzeit kartieren zu lassen, wo das kleine Nagetier überhaupt noch vorkommt. Denn der Regierungsbezirk ist die letzte Bastion des Feldhamsters im Freistaat überhaupt. Im Landkreis Schweinfurt ist er noch zuhause, aber aus etlichen anderen Landkreisen hat er sich schon verabschiedet.

    „Wir haben ihn beispielsweise in den Landkreisen Aschaffenburg, Main-Spessart oder Miltenberg verloren“, weiß Thorsten Ruf, Sachbearbeiter bei der Regierung von Unterfranken, der Höheren Naturschutzbehörde. Nur in einem immer schmaler werdenden Flächenband vom Landkreis Schweinfurt über Kitzingen bis in den Landkreis Würzburg und ins Mittelfränkische bei Uffenheim kommt das geschützte Tier noch vor. Dort erregt es immer dann Aufmerksamkeit, wenn es beispielsweise bei Bauprojekten hinderlich ist, wie jüngst beim Verkehrskreisel auf der B 303 bei Euerbach.

    Vier Umweltbüros sind mit dem Thema beschäftigt

    Über die Verbreitung des Nagers lässt die Regierung nun von vier Umweltbüros für eine Übersicht aktuelle Zahlen eruieren. Zusätzlich zum bekannten Kerngebiet des Hamsters wird auf 191 Quadratkilometern Fläche von Röttingen bis nördlich von Schweinfurt großflächig kartiert, sprich das Vorkommen erfasst und auf der Landkarte dargestellt.

    „Die Untersuchungsfläche ist dort, wo wir nicht ganz sicher sind, ob es den Hamster noch gibt“, erklärt Ruf. Eine solche Untersuchung gab es noch nicht, eine ähnliche 2012/2013. Im vergangenen Jahr wurden zudem im Rahmen eines FFH-Monitoring (Flora-Fauna-Habitat-Überwachung) die bekannten Vorkommen überprüft.

    Frankreich wurde verurteilt – und muss den Hamster wieder ansiedeln

    Die Gesamtbestandssituation soll jetzt dargestellt werden. Schließlich lautet die Vorgabe der Europäischen Union, den Feldhamster „in einen günstigen Erhaltungszustand zu bringen“, sagt Ruf. Denn: der Zustand der Populationen ist aktuell ungünstig. „Frankreich ist deshalb schon verurteilt worden und muss den Feldhamster wieder ansiedeln“. Was sehr teuer sei.

    Auch andere deutsche Bundesländer stünden knapp davor. „Die Tiere werden derzeit schon nachgezüchtet“, weiß der Regierungsmitarbeiter.

    Gesucht wird im Norden

    Bei der Kartierung der strittigen Flächen, die vom Bayerischen Umweltministerium finanziert wird und knapp 100 000 Euro kostet, suchen die Mitarbeiter der beauftragten Büros auf den abgeernteten Getreidefeldern die Sommerbaue der Hamster. Konkret gesucht wird im nördlichen Bereich, also im Landkreis Schweinfurt, bei Vasbühl, bei Euerbach und Sömmersdorf, bei Maibach, bei Grafenrheinfeld, bei Schwebheim, bei Herlheim und Kolitzheim sowie bei Frankenwinheim.

    Im südlichen Bereich sind interessante Flächen nordwestlich von Würzburg Richtung Rimpar, zwischen Gerbrunn und Theilheim, nordöstlich von Eibelstadt, bei Uengershausen, bei Lindflur, Fuchsstadt und Eßfeld, bei Gaubüttelbrunn, bei Bütthard und Oesfeld, bei Riedenheim und Röttingen sowie zwischen Ochsenfurt, Oberickelsheim, Hemmersheim und Simmershofen.

    Die Begehung der Stoppeläcker ist mittlerweile abgeschlossen, berichtet Carola Rein vom Umweltbüro Fabion (Würzburg). Sie war mit ihrem Trupp von drei bis vier Mitarbeitern auf den abgeernteten Getreideäckern im Landkreis Schweinfurt unterwegs. „Man läuft da parallel über den Acker und sucht nach Löchern“, erklärt sie. Wobei die Hamsterröhren eindeutig und leicht unterscheidbar von Mäuselöchern seien: größer, kreisrund und schräg oder senkrecht tief in den Boden ragend.

    Bei Maibach fühlt sich der Feldhamster pudelwohl

    Was sie aufgrund ihrer Arbeit als vorläufiges Resümee der Übersichtskartierung preisgibt: das Ausbreitungsgebiet des Feldhamsters nimmt weiter ab. Zwar habe sie erfreulicherweise nördlich von Schweinfurt, bei Maibach, relativ viele Hamsterbauten gefunden, ebenso bei Grafenrheinfeld. Aber bei Sömmersdorf konnte sie keinen einzigen Bau entdecken, auch nicht bei Vasbühl und bei Kolitzheim seien auf einem sehr großen Gebiet nur ein bis zwei Nachweise vorhanden.

    „Wir haben zwei unterschiedliche Kategorien von Gebieten: einige wenige mit erfreulich vielen Hamsterbauten, aber eine größere Anzahl von Flächen, wo es gar keine oder nur ganz wenige Nachweise noch gibt“, überblickt sie den unterfränkischen Untersuchungsraum. Die Außenränder des bekannten Kerngebietes brechen ein, die Ost-West-Ausdehnung der Hamstervorkommen wird immer enger. Fazit: Es gibt immer weniger Feldhamster.

    Bitte an Landwirte: Eine Reihe Hamsterfutter stehen lassen

    Den Landwirten legt Thorsten Ruf von der Regierung entsprechende Förderprogramme ans Herz. Wer einen Getreidestreifen als Nahrung und Schutz für den Nager nach der Ernte stehen lasse, bekomme das „sehr gut honoriert“. Kontrolluntersuchungen hätten gezeigt, dass diese Programme wirken, weiß Carola Rein. Dort, wo noch welche der kleinen Tiere leben, könne man sie dadurch stärken. Aber wo es keine Hamster mehr gibt, helfe auch das nichts mehr. „Es ist schon so viel verloren.“

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