• aktualisiert:

    Schweinfurt

    "Influenza? Das ist für mich die Spanische Grippe"

    Hallöööchen: Das Podcast-Duo "Bauch an Bauch", alias Patrick Melber (links) und Patrick Schön, macht es sich an einem seiner Drehorte gemütlich. Foto: Uwe Eichler

    Ja doch: Die City von Schweinfurt kann verdammt cool sein, selbst an einem heißen Juniabend. Was auch am Riesenventilator liegt, der sich auf der Dachterasse hoch über der Rückertstraße dreht. Patrick Schön (36) und Patrick Melber (31) stellen "Bauch an Bauch" vor, ihren "specktakulären" Schweinfurt-Podcast, dem ersten seiner Art. Ein Projekt, das frischen Wind in die lokale Filmszene bringt. Folge 6  soll nach einem lockeren Grillabend mit der Familie gedreht werden. Die Kamera steht schon bereit, hoch über den Dächern von Mini-Mainhattan.

    Stellt sich die Frage: Was genau ist ein Podcast? Mit dem "iPod" begann mal die Ära tragbarer Geräte, mit denen man Musik hören oder Online-Videos anschauen kann. Ein Podcast ist somit das Online-Gegenstück zum "Broadcast", der guten alten Radioübertragung. Daraus ist ein eigenes Audio & Video-Genre entstanden, mit Szenegrößen wie dem US-Standup-Comedian Joe Rogan. In Deutschland setzt Felix Lobrecht mit "Gemischten Hack" Maßstäbe, gefolgt von Jan Böhmermann und Olli Schulz, als Duo Fest & Flauschig. "Und gleich danach kommt Bauch an Bauch."

    Sagen die beiden Patricks, die trotz Ähnlichkeit a la Hanni & Nanni keine Brüder sind. Die Tyrannei des Body Mass Index sitzen sie einfach aus: eine Lebenseinstellung, den ihr Internet-Auftritt den Namen "Bauch an Bauch" verdankt. Patrick Melber ist Filmemacher, zwei Werke hat er schon gedreht: In "The Curse" geht es um ein Mädchen, dass vom Hund gebissen wird und bei jedem Bellen eine Art Flashback-Fluch erlebt. "Stundenglas" ist ein Eineinhalbstünder rund um das Thema Zeit. "Zeit ist das Wichtigste, was man haben kann", findet Patrick (Melber): "Geld, Familie, Gesundheit, alles wichtig, aber was, wenn man keine Zeit mehr hat?"

    Werbefilme finanzieren das Hobby

    Kennengelernt hat er den Filmenthusiasten Patrick Schön beim Casting: In der Rolle des Benedikt versucht Schön den Karrieristen Leonard aus der Tretmühle eines festgefahrenen fränkischen Lebens zu befreien. 2017 hatte der nichtkommerzielle Streifen im benachbarten Weltbio Premiere. Mittlerweile ist er über die Schweinfurter Produktionsfirma "Laurenz Films" als DVD erhältlich.

    Patrick Melber arbeitet eigentlich im hiesigen Einzelhandel. Patrick Schön stammt aus Bad Neustadt, ist Mitarbeiter beim Facebook-Livesender "Schweinfurt Now" und im öffentlichen Dienst tätig. Werbe- und Imagefilme dienen dazu, das Hobby zu finanzieren: Kunstfilme und eben, seit einem Vierteljahr, Podcast-Auftritte. Auf 12 000 Minuten Laufzeit bringt es das digitale Duo schon, man habe viel konstruktives Feedback. "AdiposiHass des Monats" nennt sich eine Kategorie der etwa einstündigen Sendungen, die selbstironisch mit den eigenen Pfunden wuchert. Da geht es um Aufreger wie Angriffe auf Rettungssanis. Der positive Konterpart mit Nachrichten aus dem "Glücksbärchiland" läuft unter "Sattmacher des Monats". Müllvermeidung, Volksfest,  einsame Wölfe oder die Europawahl sind Themen beim coolen "Dampflabern" mit spontanen, zwanglosen Witzli, aber schon dem Anspruch, die Schnüdelwelt ein bisschen besser zu machen.  

    "Quentin Tarantino ist definitiv ein Vorbild", lobt Melber den einstigen Videotheks-Mitarbeiter und Selfmade-Kultregisseur aus der Industrie- und Kunst-Stadt Knoxville. Schweinfurt, das verkannte Knoxville am Main? "Die Stadt hat sich weiterentwickelt", ist Melber überzeugt, der mindestens fünf weitere Filmemacher kennt. "Sobald du in in die Hinterhöfe gehst, wird was geboten", findet Patrick Schön. Möglich ist die Arbeit von "Bauch an Bauch" auch durch weit offen stehende Drehorte, etwa der Weinstube Dahms und dem KuK. Oder dem Fachwissen von Max Oppmann, "unserem Technikgott". Außer auf  www.facebook.com/Podcastbauch findet man den "Podcast mit Gewicht" auf Spotify, Podcast.de, Itunes und "Tante Youtube". Influenzer wie Rezo wolle man im Netz nicht werden. "Influenza? Das ist für mich immer noch die Spanische Grippe", flachst Patrick  Schön: "Wenn wir Schweinfurts Yoko und Klaas werden, haben wir nichts dagegen."

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!