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    ÜCHTELHAUSEN

    Ist der Transporter wirklich nötig?

    Der Tageordnungspunkt schien ganz harmlos, löste aber heftige Grundsatzdiskussionen aus. Der Bauhof benötigt einen Pritschenwagen mit Allradantrieb, vor allem um im Winter für den Handräumdienst mobil zu sein.

    Angebote wurden bereits eingeholt und aufgrund der Vorteile im Gebrauch ein Fahrzeug vorgeschlagen, das rund zweieinhalbtausend Euro teurer war, als das günstigste Angebot.

    Dies akzeptierte der Gemeinderat einhellig, die Diskussion ging um die Frage, ob der Bauhof überhaupt ein weiteres Fahrzeug braucht. Wie viele Leute arbeiten eigentlich im Bauhof und wie viele Fahrzeuge gibt es? Bauhofleiter Wolfgang Schürger antwortete, dass für zehn Mitarbeiter fünf Fahrzeuge zur Verfügung stünden.

    „Warum braucht jeder im Bauhof ein Auto“, fragte Kneuer, es sei ja doch immer einer krank und einer in Urlaub. Früher sei man auch mit einem kleineren Fuhrpark zurechtgekommen. „Früher waren aber auch die Ansprüche der Bürger nicht so hoch“, entgegnete Bürgermeisterin Birgit Göbhardt. Da hätten Bürger selbst mal die Schere in die Hand genommen und Hecken geschnitten, heute werden immer sofort bei der Gemeinde angerufen. „Wir brauen jedes Fahrzeug“, erklärte Schürger. Kein Fahrzeug stehe in der Halle, obwohl zurzeit nicht alle Mitarbeiter da seien.

    Es sei wenig sinnvoll, die Mitarbeiter einzeln zum Einsatzort zu fahren und später dort wieder abzuholen, weil die Fahrzeuge fehlten. Die Pflegemaßnahmen würden immer von einzelnen Mitarbeitern ausgeführt, erklärte Schürger auf den Einwand von Steffen Sperber, dass ja nicht jeder alles alleine machen müsse und man dann auch nicht so viele Fahrzeuge brauche.

    „Selbst in den Wald gehen die Leute alleine“, erklärte Geschäftsleiter Harald Mantel, das sei so mit dem Förster ausgemacht. Für Doppelbesetzung hätte die Gemeinde nicht genügend Personal, betonte er. Auch Uwe Heid meinte, beim der derzeitigen Mitarbeiterzahl sei das zusätzliche Fahrzeug „unnötig waghalsig aufgestellt“. Dem widersprach Fritz Geiß. Fünf Fahrzeuge für zehn Leute sei nicht zu viel und schließlich gehe es auch um die Mitarbeiterzufriedenheit.

    Joachim Zehner mahnte, soviel Vertrauen müsse man zu seinem Bauhofleiter schon haben, dass der beurteilen könne, ob ein Fahrzeug gebraucht wird oder nicht. Zumal Schürger einer sei, der ohnehin jeden Pfennig dreimal umdreht, ergänzte die Bürgermeisterin.

    Gemeinderat und Bauhofmitarbeiter Manfred Niklaus sprach sich gegen den Transporter aus. Wenn der nur 2,5 Tonnen habe, dann sei das ein „Spielzeug“, meinte er, und warum überhaupt ein Allrad, fragte er weiter. Die Bürgermeisterin erinnerte ihn daran, dass die jüngeren Mitarbeiter mit dem normalen Autoführerschein gar keine größeren Fahrzeuge fahren dürfen, und der Allrad verstehe sich angesichts der Berge in der Großgemeinde gerade im Winter ja wohl von selbst.

    Ihrem Gemeinderat machte sie klar, dass in diesem Gremium nur die haushaltstechnische Frage geklärt werde, arbeitstechnisch liege die Verantwortung beim Bauhof. Schließlich stimmte der Rat mit zehn gegen fünf Stimmen dem Kauf des Transporters für knapp 34 000 Euro zu.

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