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    Schweinfurt

    Izabella Effenberg bezauberte in der Disharmonie

    Kunstgenuss bis in die kleinsten Zellen mit Anton Mangold und Jochen Pfister. Es war ein besonderer Jazzabend.
    Izabella Effenberg beim Konzert in der Disharmonie an der Glasharfe mit Anton Mangold an der Harfe. Foto: Charlotte Wahler

    Lag es an den Kompositionen, an den Instrumenten? Oder an der Künstlerin mit ihren Musikern, dass die Klänge zu einem körperlichen Ereignis wurden? Da zogen sich die Töne, perlten, flossen, schmiegten sich die Wirbelsäule hinauf und hinunter, vibrierten im Brustraum, rannen wie Wassertropfen kühl über die Haut, da wippten die Füße und kein Kopf blieb statisch auf seinen Schultern sitzen.

    In der Disharmonie spielte Izabella Effenberg, eine der ganz wenigen Künstlerinnen des Jazz, auf so ungewöhnlichen Instrumenten wie dem Vibraphon, der Glasharfe und der Array Mbira – fragen Sie jetzt bitte nicht, wie genau diese funktionieren. Effenberg entlockte ihnen ganz außergewöhnliche Töne, nein, Stimmungen, die das Herz aufmachten. Das passte gut in diese Jahreszeit, Sternstunden in den dunklen Tagen des Jahres.

    Effenberg hatte Jochen Pfister mitgebracht ans Klavier und Anton Mangold an die Harfe und ans Saxophon. Ihre Kompositionen erzählten Geschichten, eine zum Beispiel heißt Doktor Doktor und ist einem Handchirurgen gewidmet. Oder polnische Weihnachtslieder weckten Gemeinsamkeiten oder ein Titel namens Frühling nahm das Publikum mit auf den Vorgeschmack von frischem Grün und Blütenexplosionen. Ein Stück heißt Dave Bubeck und ist dem fast namensgleichen Jazzmusiker gewidmet, ein anderes heißt Impressions und darin kommt es nur auf die Stimmungen an, der Musik und der Hörenden und der Verbindungen, die dazwischen entstehen.

    Sie spielte gleich mit vier Schlegeln am Vibraphon

    Effenberg, gebürtige Polin, erzählte charmant und mit einem bezaubernden Akzent poetische Geschichten zu ihren Stücken, die aus den unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen immer genau auf den Punkt der exakten Empfindungen trafen. Sie spielte gleich mit vier Schlegeln am Vibraphon, zog Geigenbögen an den Seiten des Instruments hoch, während Mangold an der Harfe Perlenstränge erzeugte und gleich darauf mit dem Saxophon dem Publikum Honig um die Ohren träufelte. Pfister am Klavier griff auf, gab vor, entführte und brachte sicher wieder zurück ins Zentrum. Vielleicht ist solcher Jazz beschreibbar als Podiumsgespräch voller Freundlichkeit, Magie, Intellekt und Gleichberechtigung. Keiner drängt sich vor und dennoch erhält jeder den Raum, seine besonderen Fähigkeiten auszuleben.

    Die Glasharfe besteht aus 30 Gläsern und als diese ins Schwingen kamen unter den Händen der Künstlerin, summte es bis in die kleinsten Körperzellen. Spätestens nach einer Viertelstunde hatten die Musiker ihr Publikum aufgeschlüsselt und Stück für Stück brandete der Beifall länger und lauter. Als Zugabe spielten sie dann noch anrührend die "Stille Nacht". Janosch, ebenfalls ein außergewöhnlicher polnischer Künstler, formulierte es einmal folgendermaßen: "Manchmal möchte man sich auf die Erde setzen und vor Freude ins Hemd weinen."

    Charlotte Wahler

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