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    HAMBACH

    Jagdhornbläser schlagen den Deutschen Meister aus Hameln

    „Es gibt wenige Ereignisse im Leben, wo man so emotional aufgeladen ist. G'standene Mannsbilder hatten Tränen in den Augen.“ Die Augen von Hornmeister Wolfgang Hochrein beginnen zu strahlen. Er hat mit den Schweinfurter Jagdhornbläsern am 23. Juni in Dinkelsbühl die Bayerischen Meisterschaften im Jagdhornblasen gewonnen. „Wir haben sogar den mehrfachen Deutschen Meister aus Hameln geschlagen“, ergänzt Bläserobmann Michael Markert.

    „Wir haben das aber auch irgendwie verdient“, meint Hochrhein. Die Proben seien viel ernster genommen worden und die 26 Jagdhornbläser hätten mehr auf Details geachtet. Unter den ersten sechs war die Gruppe auch schon in den letzten Jahren, aber fürs Treppchen hatte es noch nicht gereicht. Das war diesmal anders. „Wir spielten im letzten Drittel der 30 Bläsergruppen, die angetreten sind“, erzählt Hochrein. Er habe schon gehört, dass die anderen „ein bisschen schlechter waren“, aber mit diesem Erfolg habe dennoch keiner gerechnet.

    Gerhard Geuder hat alle Höhen und Tiefen mitgemacht

    „Jetzt sind wir an der höchsten Stelle“, meint Gerhard Geuder. Er ist einer der dienstältesten Bläser der Gruppe. Die Jagdhornbläser Schweinfurt Stadt wurden 1958 ins Leben gerufen, und bereits seit 1963 ist Geuder mit von der Partie. Damals, als Zwölfjähriger, hat er seinen Vater nicht nur auf die Jagd, sondern auch zu den Bläsern begleitet und dann „sei Hörnle gekriegt“. Seitdem spielt Geuder. Er habe alle Höhen und Tiefen des Vereins mitgemacht, erklärt er, auch als dieser vor 20 Jahren kurz vor seiner Auflösung stand. „Dann aber kamen doch wieder Junge“, erinnert sich Markert.

    Bürgermeister Willi Warmuth: „Klingt wie ein Elefant“

    Die jüngste Bläserin, eine der vier Frauen in der Gruppe, ist Nadine Pfister. Sie ist seit einem Jahr dabei. In ihrem Jagdkurs waren auch zwei Jagdhornbläser. „Ich habe gedacht, nach dem Jagdschein hast du ja Zeit, dann lernst du das mal“, erzählt sie. Am Anfang allerdings habe das gar nicht gut geklungen, erinnert sie sich und meint lachend: „Ich habe schon Angst gehabt, die Nachbarn schmeißen uns raus.“ Es ist halt gar nicht einfach, dem Fürst-Pless-Horn oder dem Parforcehorn die richtigen Töne zu entlocken. Da hilft nur üben und ein „geduldiger Lehrmeister“, den Pfister im Hornmeister gefunden hat. Bürgermeister Willi Warmuth, der zum Gratulieren kam, trat den Beweis an, er blies kräftig ins Fürst-Pless-Horn, um dann resigniert festzustellen: „Klingt wie ein Elefant.“

    Wenn es um die Jagd und die Jagdhornbläser geht, dann kann sich Hochrein in Begeisterung reden. Schließlich sei Jäger der älteste Beruf der Welt und das Horn das älteste Instrument. Seine Geschichte reiche zurück bis in die Steinzeit, als auf Kuhhörnern erste Signale gegeben wurden. Auch die Geschichte seiner Instrumente kennt er gut.

    Das Fürst-Pless-Horn beispielsweise verdankt seinem Namen dem Oberstjägermeister von Kaisers Wilhelm II Hans Heinrich Fürst von Pless, der das kreisförmige Signalhorn im deutschen Bundesheer einsetzte, von wo aus es seinen Siegeszug bei den Jägern und Förstern antrat.

    „Horn auf, blas an“

    Das Parforcehorn dagegen wurde von berittenen Jägern bei Hetzjagden mit Hundemeuten eingesetzt. Durch die große Windung kann es über der Schulter getragen werden, so dass der Reiter beide Hände für die Zügel freihat. Beide Hörner werden bei den Bläsercorps konzertant eingesetzt. „Horn auf, blast an“, so beginnt der Hornmeister jedes Stück, das gespielt wird. „Das Militärische gehört auch dazu“ erklärt er. Die Bläser spielen auswendig, geübt wird zwar mit Noten, erklärt Hochrein, aber es gebe immer wieder auch Bläser, die gar keine Noten lesen können und nach Gehör spielten. Auch einen Dirigenten im eigentlichen Sinn haben die Jagdhornbläser nicht.

    „Der Chef ist das Kollektiv“

    Das Zusammenspiel gelingt dennoch. Sogar dafür hat Hochrein eine Erklärung: „Die Stare am Himmel fliegen doch auch in Formation. Der Chef ist das Kollektiv.“

    Und dieses Kollektiv hat sichtlich Spaß an seinem Tun. Vor allem freuen sich die Bläser jetzt auf die neuen Herausforderungen, die die Goldmedaille bei den Bayerischen Meisterschaften im Jagdhornblasen nach sich zieht. Im September werden sie beim Oktoberfestumzug den bayerischen Jagdverband anführen, außerdem steht ein Besuch in der Hohen Tatra in der Slowakei auf dem Programm und im kommenden Jahr geht's dann zur Deutschen Meisterschaft. Und bis dahin heißt es üben, üben und das Kollektiv stärken.

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