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    Schweinfurt

    Jobmesse: Wo sich Firmen bei den Bewerbern bewerben

    Der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen angekommen. Bei der ersten Job- und Karrieremesse in Schweinfurt wurde versucht, Angebot und Nachfrage besser zu vernetzen.
    Neuer Job auf dem Bau? Bürgermeisterin Sorya Lippert (Zweite von rechts) und Messe-Teamleiterin Anita Gerhard (rechts) schauten sich beim Messerundgang unter anderem bei der Schweinfurter Firma Glöckle um. Beraten wurden sie dabei von (von links) Rouven Fischer, Rupert Kehl und Ute Primke. Foto: Helmut Glauch

    Die Premiere ist geglückt: Das neue Angebot einer Job- und Karrieremesse in Schweinfurt unter dem Motto "Meine Zukunft!" war gleich bei der Erstauflage für rund 40 regionale Arbeitgeber und Aussteller interessant genug, um dabei zu sein.  Dass eine Messe sich sozusagen erst einmal im Bewusstsein einer Region etablieren muss, ist normal für Messe-Teamleiterin Anita Gerhard, die für die Mattfeld & Sänger Marketing und Messe AG aus Kempten die Messe organisiert hat. Tatsächlich, so Gerhard, war es die Nachfrage aus der Region, geäußert auf einer vergleichbaren Messe in Würzburg, die dazu geführt hat, auch hier diese Zukunftsmesse an den Start zu bringen. 

    Zwei Tage lang, am Samstag und Sonntag des zurückliegenden Wochenendes, nutzten die Firmen an ihren Ständen die Möglichkeit, Job- und Ausbildungsmöglichkeiten und die Karrierechancen in ihren Betrieben zu erläutern. Bei so manchem, oft im Vorfeld online ausgemachtem Bewerbergespräch, wurden die Weichen für künftige Arbeitsverhältnisse gestellt. Mehr als 100 Termine waren bereits im Vorfeld verabredet worden, weitere ergaben sich im Gespräch. 

    Menschen suchen nach neuen Formen, ihre Arbeit zu gestalten

    Die Hoffnung, dass diese Job- und Karrieremesse künftig ihren festen Platz im hiesigen Veranstaltungskalender  haben möge, hatte schon bei der Eröffnung Bürgermeisterin Sorya Lippert geäußert.  Die Gesellschaft verändert sich, werde bunter und klimabewusster. Unterwegs in der Stadt werde sie von Menschen gefragt: "Haben Sie nicht eine Wohnung für mich, wissen Sie keinen Job für mich?". Große Nachfrage auf der einen Seite, Fachkräftemangel auf der anderen. Da sei es gut, wenn es so eine Messe gebe, auf der Angebot und Nachfrage zusammenkommen können. 

    Die Fränkischen Rohrwerke aus Königsberg haben nicht nur Rohre zu bieten, sondern auch eine breite Job-Palette. Dies erläuterte Frauke Barnofsky (rechts) Bürgermeisterin Sorya Lippert. Foto: Helmut Glauch

    Dazu komme, dass Menschen neue Modelle der Gestaltung ihres Arbeitsalltages wünschen. Das Thema "Work-Life-Balance" werde immer wichtiger, Home-Office-Möglichkeiten verstärkt nachgefragt. Herausforderungen, denen man sich stellen müsse. Denn "wenn wir nicht die Zukunft gestalten, dann wird sie uns gestalten", so Lippert. Die Zukunft gestalten, das will man zum Beispiel auch bei der Firma Glöckle, die mit einem großen Messestand vertreten war. "Wir haben viel zu tun, wir können viele Leute gebrauchen", so Personalleiterin Ute Primke. Längst sei es auch so, dass die "Firma sich bei den Bewerbern bewirbt". Bei Glöckle tut man dies nach eigener Einschätzung mit guter Bezahlung, Weiterbildung und klaren Perspektiven für die Mitarbeiter, so Rupert Kehl, zuständig für die innerbetriebliche Qualifikation. 480 Mitarbeiter hat der Mittelständler alleine in Schweinfurt, gesucht werden vom Maurer bis zum Baggerfahrer allerlei Facharbeiter für den Hoch- und Tiefbau. Die Messe, eine gute Gelegenheit für die Baufachleute, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sich vorstellen können, in diesem Bereich beruflich Fuß zu fassen.

    Rohre in allen Farben und für alle Fälle

    So bunt wie die Farben der Rohre in ihrem Portfolio sind auch die Jobangebote der Fränkischen Rohrwerke mit Sitz in Königsberg (Landkreis Haßberge), die weltweit rund 4500 Mitarbeiter haben. Frauke Barnofsky, Leiterin PR und Internet bei den Königsbergern, und ihr Team hofften ebenfalls auf interessante Gespräche mit Menschen,  die sich dort eine berufliche Zukunft vorstellen können. Vom Projektmanager über den Maschinen- und Anlagenführer bis zur Logistik-Fachkraft gibt es dort interessante Jobangebote.  

    Hinlänglich bekannt ist, dass Pflegefachkräfte, egal ob sie nun Senioren pflegen oder Patienten im Krankenhaus betreuen, Mangelware sind. Nicht nur dies, so Sebastian Güldner, kaufmännischer Leiter am Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt, sondern auch Ärzte werden gesucht. Im Bereich der Pflegefachkräfte sind es dann noch einmal die auf die Kinderkrankenpflege spezialisierten Kräfte, die besonders fehlen. 

    Pflege-Generalisten sollen helfen, Engpässe zu überwinden

    Ideal wäre so eine Art "Pflege-Generalist(in)", der oder die im Rahmen ihrer Ausbildung schon möglichst viele Bausteine der unterschiedlichen Pflegeberufe mitbekommen haben. Da komme das neue Berufsbild Pflegefachmann/-frau gerade recht, das ab September auch am Leopoldina angeboten wird. Pflegefachkräfte für Menschen jeden Alters in allen Versorgungsbereichen also. Mit der Vertiefung der Pädiatrie in der praktischen Ausbildung haben künftige Fachkräfte einen höheren Anteil an Praxisstunden in der Pflege von Kindern – vom Frühchen bis zum Jugendlichen.

    Die Zahlen auf dem Monitor sprechen für sich. Dennoch, so Sebastian Güldner, sucht auch das Leopoldina Krankenhaus in vielen Bereichen weitere Mitarbeiter. Bürgermeisterin Sorya Lippert informierte sich über die Situation. Foto: Helmut Glauch

    Mit der neuen EU-weiten und europaweit anerkannten Ausbildung sei ein hohes Maß an Flexibilität und Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bereichen der Pflege garantiert, so Güldner. Aber auch in vielen weiteren Berufsfeldern, vom Pflegefachhelfer bis zum Energie- und Gebäudetechniker, hat das Leopoldina facettenreiche Jobangebote.    

    50+ –  Lebenskenner starten durch

    Wie man sich überhaupt fit macht für eine neue Stelle, für ein Bewerbungsgespräch, dass konnten die Messebesucher bei flankierenden Angeboten erfahren wie beim "Bewerbungsmappen-Check", oder beim "Job-Coaching". Auch im Alter 50+ ist im Gegensatz zu früher und in Zeiten des Fachkräftemangels noch einiges drin in Sachen beruflicher Umorientierung und Karriereplanung. Auch "Lebenskenner", wie diese Altersgruppe auf der Messe genannt wurden, können noch einmal richtig durchstarten. 

    Vielfalt nicht nur im täglichen Leseangebot, sondern auch bei den Jobangeboten. Auch die Main-Post war bei der Zukunftsmesse im Konferenzzentrum Maininsel als Aussteller und Anbieter vertreten. Foto: Helmut Glauch

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