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    SCHWEINFURT

    Junger Jazzer auf dem Weg nach oben

    Seine erste CD aufgenommen hat der Schweinfurter Jazz-Saxofonist Anton Mangold mit seiner Band. Foto: Alex Chepa

    Anton Mangold ist ein überaus bescheidener Mensch, der vor allem seine Musik sprechen lässt. Der 26 Jahre alte Träger des Schweinfurter Kulturpreises – gemeinsam mit Alina Pfister in diesem Jahr – machte kürzlich durch zwei positive Nachrichten wieder von sich reden: Gemeinsam mit Theodor Spannagel, Zhi Tong Ju und Felix Schneider brachte er mit dem Anton Mangold Quartett die erste CD heraus, „Beijing Underground“. Und in Osnabrück siegte die Gruppe beim Jungen Deutschen Jazzpreis.

    Gerade dieser Preis zeigt die Qualität des Jazz-Quartetts, das sich durch seine Auftritte in der Disharmonie schon in der Region einen Namen gemacht hat. Denn man setzte sich gegen 50 deutsche Jazz-Bands durch, die eingeschickte Debüt-CD überzeugte die Jury, man wurde für die Endausscheidung eingeladen und setzte sich dort gegen die Mitkonkurrenten durch. „Ein tolles Erlebnis“, freut sich Mangold über den mit 3000 Euro dotierten Preis.

    In Köln hat er mittlerweile sein Master-Studium im Fach Jazz-Saxofon beendet, das Master-Studium mit der Harfe wird er im Sommer nächsten Jahres beenden. Seine Masterarbeit im Fach Saxofon war die erste CD, die seinen Professor beeindruckte. Zu finden ist dort der bekannte Mangold-Jazz, der sich durch markante Melodieführung und einen ganz eigenen, weltmusikalisch angehauchten Stil auszeichnet. Produziert und veröffentlicht wurde die CD vom Schweinfurter Label Drheartmusic, das Professor Dr. Hubert Seggewiß, bis Frühjahr Chefarzt der Medizinischen Klinik am Leopoldina-Krankenhaus. Musik spielt in Seggewiß' Leben schon immer eine große Rolle, im Ruhestand hat er sich nun vorgenommen, „gerade junge Künstler wie Anton Mangold zu fördern mit einer hochwertigen Produktion“.

    Das ist augenscheinlich gelungen, die Aufnahmequalität der von Christian Heck in Köln aufgenommenen und gemischten und von Greg Calbin in New York gemasterten CD ist sehr gut, ein Standard, der heutzutage vom Konsumenten erwartet wird. Seggewiß, selbst großer Jazz-Fan, unterstützt die Gruppe beim Marketing der CD, aber auch bei der Selbstvermarktung und Suche nach Auftrittsmöglichkeiten. Gerade das soll in den nächsten Monaten intensiviert werden.

    Der Titel „Beijing Underground“ ist nicht unbedingt Programm, die fast alle von Anton Mangold geschriebenen Stücke sind aber vor allem bei einem längeren Aufenthalt in Peking bei Schlagzeuger Zhi Tong Xu verbunden mit Konzerten des Anton Mangold Quartetts und der Interaktion mit anderen Jazzmusikern aus der chinesischen Metropole entstanden. „Jazz ist ja irgendwie eine internationale Sprache, es war ein tolles Erlebnis, wie man da zusammenkommt und einfach miteinander spielt“, erinnert sich Anton Mangold gerne an die Zeit in der chinesischen Hauptstadt zurück. Die Großstadthektik im Gegensatz zum gemächlichen Leben in den Hutongs, auch beim Anton Mangold Quartett treffen Gegensätze aufeinander, die nicht immer Konsens, sondern manchmal auch Widerspruch erzeugen. Doch daraus beziehen die vier jungen Musiker, die sich beim gemeinsamen Studium an der Hochschule für Musik in Würzburg kennenlernten, viel von ihrer Energie und Inspiration.

    „Beijing Underground“ ist ein bunter Mix des Mangoldschen Musik-Kosmos: Folkloristisch wie in „Going West“, spannungsreiche Harmonien und komplexe rhythmische Strukturen in „Frühling, Sommer, Herbst und Winter und Frühling“ oder „Frustration“. Dass die jungen Musiker sich auch der Tradition der amerikanischen Jazzmusik verpflichtet fühlen, kann man beim Titelstück des Albums erleben, das auch ein Brückenschlag zwischen amerikanischer Musiktradition und chinesischer Melodik ist.

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