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    GEROLZHOFEN

    „Keine Schande dort einzukaufen“

    Bei engagierten Helfern: Landrat Florian Töpper und Bürgermeister Thorsten Wozniak besuchten die Außenstelle der Schweinfurter Tafel in Gerolzhofen. Im Bild: (von links) Ingrid Gotthardt (Ladenleiterin Gerolzhofen), Brigitte Salzer (Vorstandsmitglied Schweinfurter Tafel), Thorsten Wozniak, Florian Töpper und Marliese Herrmann (Vorstandsmitglied Schweinfurter Tafel). Foto: Matthias Beck

    Landrat Florian Töpper sowie Bürgermeister Thorsten Wozniak besuchten die Außenstelle der Schweinfurter Tafel in Gerolzhofen. Dort erläuterten zwei der Vorstände des Vereins, Brigitte Salzer und Marliese Herrmann sowie Ladenleiterin Ingrid Gotthardt den beiden alles rund um die Tafel.

    „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, in der ersten Woche hier vorbeizukommen, um die Dinge vor Ort zu sehen“, so der Landrat. Auch im Landkreis Schweinfurt gebe es Menschen mit geringem Einkommen. Daher gefalle ihm das Motto „Essen, wo es hingehört“. Ebenso wertschätzend äußerte sich der VG-Vorsitzende Wozniak zum Einsatz der Mitarbeiter: „Hier sieht man wirklich, dass die Engagierten an der Front sind.“

    25 ehrenamtliche Helfer in Gerolzhofen sorgen dafür, dass haltbare Lebensmittel nicht in der Mülltonne landen. Mit einem Kühlauto sammelt das Team der Außenstelle die regelmäßigen Beiträge an Waren von neun Geschäften aus Gerolzhofen und Volkach ein. Hinzu kommen einzelne Lieferungen aus der Umgebung. Sortiert wird nach hygienischen Gesichtspunkten und Haltbarkeit. Dabei ist die Kühlkette nicht unterbrochen, so dass die Qualität des Angebots beständig bleibt. Schließlich bietet die Tafel in Gerolzhofen einmal pro Woche die Produkte zum Verkauf an.

    So kommen am Samstag zwischen 14 und etwa 16 Uhr rund 60 Kunden in die Bürgermeister-Weigand-Straße. Rechnet man neben den Alleinlebenden alle Verbraucher einschließlich der Kinder mit ein, unterstützt der Verein mit seiner Tätigkeit in Gerolzhofen etwa 180 Menschen. Für einen Einkauf benötigt man einen sogenannten Tafelschein. Das Diakonische Werk und der Caritasverband Schweinfurt sowie die Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen geben diese im Auftrag der Tafel heraus. Vorzulegen sind Einkommensnachweise und die Kontoauszüge der letzten 30 Tage. Ob ein Schein ausgehändigt wird, entscheidet sich anhand der Armutsgefährdungsquote der Europäischen Union.

    Die Kunden können 48 Einkäufe im Jahr erledigen. Anschließend prüft man die Daten erneut. Für 2,50 Euro bekommen die Abholer ein Vielfaches dieses Wertes in Form von Naturalien. Die Menge richtet sich nach dem Angebot und der Zahl der Familienmitglieder. Stets im Sortiment sind Backwaren, Obst und Gemüse. Je nach Angebot gebe es süße und salzige Lebensmittel, Milch- sowie Non-Food-Produkte.

    „Hier sieht man wirklich, dass die Engagierten an der Front sind.“

    VG-Vorsitzender Thorsten Wozniak über die Tafel-Mitarbeiter

    Geändert habe sich das Alter der Verbraucher. Gerade die Nachfrage von Familien und Alleinerziehenden habe stark zugenommen. Wichtig sei hier der Aspekt der Scham, so die Vertreter des Vereins. Der Gang zur Tafel stelle für viele eine gewisse Hemmschwelle dar. Wenn man sich das Essen nicht mehr leisten könne, sei dies ein schwerer Schritt. Für die Vermittlung dieser gesellschaftlichen Entwicklung habe die Tafel ein gewisses Bewusstsein geschaffen, so Töpper. Wozniak betonte, dass es keine Schande sei, dort einzukaufen.

    Die Schweinfurter Tafel hat 160 Mitarbeiter. Ihre Leitsätze sind Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und Mildtätigkeit. Sie finanziert sich über Kunden- und Mitgliedsbeiträge und insbesondere über Spenden.

    mb

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