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    Schwebheim

    Keine glyphosatfreie Zone

    Vor Jahren hat Altbürgermeister Hans Fischer die Landwirte ins Boot geholt und die Gemeinde zur gentechnikfreien Zone erklärt. Sein Nachfolger Volker Karb schlug dem Gemeinderat nun vor, für die Flächen der Kommune auch den Unkrautvernichter Glyphosat zu verbieten. Und er scheiterte.

    Der Bund Naturschutz macht sich im Augenblick gegen den Unkrautvernichter stark und dessen Ortsvorsitzender Edo Günther hatte den Bürgermeister informiert. Den Gemeinderäten hatte Karb den Informationsflyer des BUND geschickt. Der aber sorgte gleich für Widerspruch von Frank Böhm, der einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb bearbeitet. In der Informationsbroschüre des BUND heißt es unter anderem, der Glyphosateinsatz habe zum Verschwinden vieler Wildkräuter in der Agrarlandschaft geführt. Der "Einsatz von Grubber, Schälpflug oder Stoppelhobel" aber könne den Unkrautvernichter ersetzen. Dieser Einsatz aber vernichte die Wildkräuter ganz genauso, erklärte Böhm. Glyphosat sei zugelassen und werde streng kontrolliert, außerdem sei nicht die Landwirtschaft, sondern die Deutsche Bahn der Hauptverbraucher dieses Giftes, das sie an den Bahndämmen einsetze.

    Während sich Lothar Schwarz für ein Verbot einsetzte, um die Artenvielfalt zu schützen, war der Rest des Gemeinderates gespalten. Auf den kommunalen Flächen werde es ohnehin nicht verwendet, erklärte Karb, der aber auch den Vorschlag machte, den Pächtern kommunaler Flächen nach Ablauf der Pachtverträge den Einsatz zu verbieten. Toni Götschl meinte, jede Seite suche sich ihre passende Studie heraus. Nach WHO-Berichten sei Glyphosat zwar krebserregend, aber das sei geräucherte Wust und geräuchertes Fleisch auch und keiner komme auf die Idee das zu verbieten. Außerdem warnte er: "Glyphosat ist das best untersuchte Mittel, andere Alternativen auf dem Markt sind schlechter untersucht." Auch Mario Söllner fand ein Verbot für Pächter "höchst problematisch", man greife damit bei einem zugelassenen Mittel in die Selbstbestimmung der Landwirte ein.

    Karin Model fragte nach dem Unterschied zwischen landwirtschaftlichen und privat genutzten Flächen. Privatleute kämen gar nicht an diesen Unkrautvernichter ran, erfuhr sie. Es sei aber vor allem die Unkrautvernichtung, die zum Sterben von Insekten und Amphibien führe, warnte Schwarz noch einmal. Christian Hennings, selbst Biobauer, gab schließlich Entwarnung. Das Problem löse sich in Kürze ganz von selbst. In den USA gebe es eine Klagewelle gegen den Monsantonachfolger Bayer, was die Aktien in den Keller fahren ließ. Die letzte Verlängerung der Zulassung sei bereits höchst umstritten gewesen und nur für drei Jahre erteilt worden. Nach dieser Zeit vermutete er ohnehin ein Aus für den Unkrautvernichter.

    Einstimmig beschloss der Rat, dass auf den von der Gemeinde bewirtschafteten Flächen auch weiterhin kein Glyphosat eingesetzt wird. Mit neun gegen fünf Stimmen sprach sich der Rat allerdings dagegen aus, den konventionellen Landwirten diesbezüglich Vorschriften zu machen.

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