• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Kirche nach Schwedenkönig Gustav Adolf benannt

    Vor 90 Jahren wurde die Kirche im Westen der Stadt geweiht. Sie hat turbulente Zeiten mitgemacht.
    Die 1929 geweihte Gustav-Adolf-Gedächtniskirche hatte zunächst noch keinen Turm. Vor 90 Jahren entstand das Gotteshaus. Foto: Archiv Gustav-Adolf-Gedächtniskirchen

    Es regnete in Strömen, als am 15. Dezember 1929 die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche feierlich geweiht sein. Vielleicht war dies bereits ein Fingerzeig auf die turbulenten Zeiten, vor der das neue Gotteshaus im Westen der Stadt schon bald stehen sollte.

    Als 1926 die Pläne für den Bau konkrete Züge annahm, erlebte die Weimarer Republik ihre kurze Blütezeit. Während der eigentlichen Bauzeit herrschte jedoch Not im Land: Banken brachen zusammen, die Arbeitslosigkeit wuchs rapide, in der Politik wurden die Radikalen immer stärker. Und trotzdem packte man das ehrgeizige Projekt an. Es war eine Art Konjunkturspritze: Alle Schweinfurter Baufirmen waren daran beteiligt, bis zu 85 Handwerker gleichzeitig auf der Baustelle. Innerhalb nur eines Jahres wurden Gemeindehaus und Kirche fertiggestellt.

    Schweinfurter Wachstum

    Pläne für eine eigene evangelische Kirche im Westen der Stadt gab es seit dem schnellen Anwachsen der Industrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Inzwischen war dieser Teil Schweinfurts größer als die so genannte alte Stadt. Der Zuzug kam vor allem aus dem katholisch geprägten Umland und nicht mehr so stark aus dem evangelischen Thüringen. Und so gab es 1922 erstmals eine katholische Mehrheit im früher protestantischen Schweinfurt. Das schlug sich auch in einer regen Bautätigkeit nieder. Heilig Geist, das Maria-Theresien-Heim, die Kilianskirche und das Kolpinghaus stehen dafür.

    Auf der evangelischen Seite hatte man ja bereits 1908 einen Teil des Grundstücks für das spätere Gemeindezentrum erworben, auch um ein Gegengewicht zu setzen. Das Vorhaben wurde wegen des Ersten Weltkries und der sich anschließenden Notzeiten zunächst nicht verwirklicht

    Den Turm spendete Sachs-Gattin

    Die Pläne hatte der Nürnberger Architekt Professor Otto Schulz entworfen. Als Gemeinde und Kirche Ende 1929 vom Bayreuther Oberkirchenrat Prieser geweiht wurden, besaß die Kirche noch keinen Turm. 1934 war es schließlich Betty Sachs, die Frau von Geheimrat Ernst Sachs, die die dafür notwendigen Mittel spendete.

    Die Kirche erhielt den Namen des Schwedenkönigs Gustav Adolf, dem die Stadt und ihre evangelischen Bürger sehr viel zu verdanken haben. Er war es, der die Lateinschule zum Gymnasium erhob. Dort war sogar die Promotion möglich, später einmal sollte das Gymnasium zu einer Universität ausgebaut werden. Der Schwedenkönig wollte einen Gegenpol zu Würzburg und Bamberg schaffen. Sein Tod 1632 machte den Schweinfurtern jedoch einen Strich durch die Rechnung.

    Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche heute. Foto: Karl-Heinz Körblein

    Nach Jahren der Blüte der Gustav-Adolf-Gemeinde und des Evangelischen Gemeindehauses, das vielen Theateraufführungen und Konzerten mit berühmten Solisten (Lale Andersen, Clown Grock), Bällen und Versammlungen den würdevollen Rahmen bot, folgte der Krieg, der Schweinfurt zu drei Vierteln zerstörte.

    Nur die Taufglocke blieb

    Der Bombenhagel traf auch Kirche und Gemeindehaus. Nur der Turm blieb erhalten. In ihm hing noch die kleinste, die Taufglocke, die die Vorsitzende des Evangelischen Frauenbundes, Emmy Rahn, gestiftet hatte. Die drei größeren Glocken waren 1942 fortgeschafft worden, um für Kriegszwecke eingeschmolzen zu werden.

    1946 konnte in die Räume unter der Kirche das Evangelische Hilfswerk der Inneren Mission einziehen und Vertriebenen und Ausgebombten Hilfe leisten. Nach der Beseitigung des Bauschutts wurde die Kirche 1948 notdürftig wiederhergestellt, und zwei Jahre später erfolgte die Ernennung zur selbstständigen Kirchengemeinde. Die bisherige dritte Pfarrstelle an der St. Johanniskirche wurde an die Gustav-Adolf-Kirche verlegt. Sie hatte der seit 1942 schon für Gustav-Adolf tätige Pfarrer und spätere Kirchenrat Heinrich Schorn inne. Er hatte im Krieg Lic. Dr. Hans Kreßel abgelöst, der der erste Pfarrer war.

    Modernisierungen

    Im Lauf der nächsten Jahre konnten der alte Altar wiederhergestellt und die neuen Glocken geweiht werden (zwei der vier Glocken sind Patenglocken aus Schlesien). 1954 wurde das Gemeindehaus nach Plänen von Franz Göger wieder aufgebaut und durch den Anbau des Johann-Heinrich-Wichern-Hauses vergrößert. Von 1990 bis 1992 wurde das Gemeindehaus noch einmal modernisiert.

    Vergrößert hatte sich auch ganz enorm die Kirchengemeinde. 1956 zählte sie 8120 Mitglieder. Daher wurde beschlossen, 1958 eine Tochterkirchengemeinde im Nordwesten zu bilden. Schon ein Jahr darauf wurde die dort erstandene Dreieinigkeitskirche geweiht. 1960 konnte der Kindergarten von Gustav-Adolf eröffnet werden.

    Schorn forschte in der Geschichte

    1967 starb plötzlich während einer Kur Kirchenrat Heinrich Schorn. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Hermann Wunderer, der 1974 als Dekan nach Hof ging. Sein Nachfolger wurde Schorns Sohn Dieter, der 1998 in den Ruhestand ging. Er hat sich intensiv mit der Geschichte der Kirche beschäftigt und sich für die Gestaltung des Kirchenraumes engagiert.

    Im Jahr 2014 begann die Sanierung von Kirche und Gemeinderäumen. Dabei wurden die Haustechnik, das Dachgebälk und der Glockenstuhl erneuert. Vor zwei Jahren konnten die Gemeinde ihre Kirche wieder in Besitz nehmen.

    Am Sonntag feiert sie um 10 Uhr mit einem Gottesdienst das 90-jährige Bestehen der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche.

    Der Innenraum der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche beim Erntedankfest 1930. Foto: Archiv Gustav-Adolf-Gedächtniskirche

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!