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    Lülsfeld

    Kleine Gemeinde, großer Gemeinsinn: Lülsfeld ehrt Richard Bördlein

    Für sein Lebenswerk geehrt: Richard Bördlein mit Landrat Florian Töpper (links) und Lülsfelds Bürgermeister Wolfgang Anger (rechts).
    Für sein Lebenswerk geehrt: Richard Bördlein mit Landrat Florian Töpper (links) und Lülsfelds Bürgermeister Wolfgang Anger (rechts). Foto: Matthias Wiener

    Beim im Zwei-Jahres-Turnus stattfindenden Neujahrsempfang der Gemeinde hat erster Bürgermeister Wolfgang Anger am Freitagabend einen langjährig engagierten Lülsfelder für sein Lebenswerk geehrt: Richard Bördlein.

    Im Beisein zahlreicher verdienter Bürger, Ehrengäste, Gemeinderatsmitglieder und Ehrenbürger Hans Anger blickte der Gemeindechef im Gemeindehaus nicht nur auf die vergangenen 24 Monate zurück, sondern auch auf seine zu Ende gehende Amtszeit. In diese zwölf Jahre mit ihm als Bürgermeister fielen unter anderem: die Verwüstungen durch das Sturmtief Emma, der Straßenneubau Schallfeld-Gerolzhofen, der Erneuerung des Lülsfelder Dorfbrunnens sowie der Radwege von Schallfeld-Brünnau und Schallfeld-Lülsfeld, der Siebenertags 2014, die Erweiterung des Kindergartens Lülsfeld, die Weihe der beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge und der beiden Mannschaftswagen, die Erstellung von Urnengräbern in beiden Ortsteilen, der Abriss der ehemaligen Schule in Schallfeld und die Beschaffung von neuen Ortseingangsschildern. Dies alles bebilderte Anger in einer Diashow.

    Bei der Rückschau auf die vergangenen zwei Jahre bedauerte Anger, dass trotz intensiver Bemühungen und zahlreicher Interessenten noch immer keine zukunftsorientierte Verwendung für das Gelände der ehemaligen Schule gefunden werden konnte. Die Absagen seien nicht zuletzt auf die räumliche Nähe zu Gerolzhofen zurückzuführen. Die Gehwegsanierungen in der Gerolzhöfer Straße in Schallfeld sowie im Tannenweg und in der Steigerwaldstraße in Lülsfeld seien als Investition in die Zukunft zu verstehen, zumal Glasfaserkabel für eine schnelle Netzanbindung gleich mit verlegt wurden. Auch die zwölf neuen Bauplätze in Lülsfeld seien damit bereits angeschlossen. Ein neuer Funkmast für Mobiltelefonie wurde genehmigt und die Stilllegung der Bahnstrecke auf dem Gebiet der Gemeinde beantragt.

    Als Schwerpunkte der Gemeidneratsarbeit für die nächsten Monate sieht Anger die Umrüstung der Straßenbeleuchtungen auf LED-Technik, die Detailplanung des Geländes der ehemaligen Schule im Ortskern von Schallfeld, die Umgestaltung des Platzes vor der Lülsfelder Kirche sowie die Sanierung des Schallfelder Feuerwehrhauses. Ein weitere Aufgabe wird es sein, ein Konzept für die nur noch bis zum Jahresende betriebsbereite Kläranlage Lülsfeld zu erarbeiten.

    Ehrung für Richard Bördlein und sein Lebenswerk

    Als einen wichtigen ehrenamtlich Tätigen in der Gemeinde hatte Bürgermeister Anger ein vorbildliches Beispiel zu ehren: Richard Bördlein war bereits im Jahr 1945 im Alter von 13 Jahren in die Lülsfelder Musikkapelle eingetreten. Von 1988 bis 2005 übernahm er deren Leitung. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten beim Komponieren und Transponieren von Musikstücken und seine langjährliche Erfahrung trugen maßgeblich zur Weiterentwicklung der Kapelle bei, erläuterte der Bürgermeister in der Laudatio. 

    53 Jahre lang war Bördlein Mitglied im Kirchenchor und auch hier sieben Jahre lang in leitender Verantwortung. Anger, einst selbst Mitglied im Kirchenchor, beneidete den Jubilar stets um sein musikalisches Gehör und seine sichere Tonfindung, da "diese Eigenschaften leider nicht" zu seinen Stärken zählten, berichtete er. Nicht zuletzt engagierte sich Bördlein 18 Jahre lang für die Belange der Mitbürger als Gemeinderatsmitglied. Landrat Töpper und Bürgermeister Anger bedankten sich mit einer Urkunde bei Bördlein für sein Lebenswerk.

    Die Kleinste ist die Erste

    Landrat Florian Töpper ließ die Zuhörer in seinem Grußwort wissen, dass die kleinste Gemeinde in seinem Landkreis in diesem Jahr die erste sei, der er einen Besuch abstatte. Zuversichtlich blicke er in die Zukunft, da gerade in kleinen Gemeinden alles das vorhanden sei, was für eine funktionierende Gemeinschaft nötig sei. Viele ehrenamtlich Tätige übernähmen wichtige Funktionen in der Gesellschaft. Auch der Landkreis Schweinfurt trage seinen Anteil bei, versicherte Töpper  und konnte stolz über die anhaltend niedrige Arbeitslosenquote berichten. 

    Lülsfelds größten Arbeitgeber, die Überlandzentrale Mainfranken, zitierte er mit den Worten: "Heimat trifft Fortschritt". Um den Fortschritt zu unterstützen, investiere der Landkreis zum Beispiel ständig in die Instandhaltung und den Ausbau der Infrastruktur. Dass die Verkehrswende in Lülsfeld natürlich anders aussehen müsse als in Berlin, sei selbstverständlich. , meinte der Landrat und rief zur Besonnenheit beim Umgang mit dem Thema "Bahntrasse" auf.

    Als weiteres Highlight der jüngeren Vergangenheit führte er den Erfolg des Steigerwaldzentrums an und blickte dabei auch auf die Unterstützung beim Neubau des Aussichtturms am Zabelstein.

    Und doch ein kleiner Abschied

    Gerolzhofens Bürgermeister Thorsten Wozniak meinte, dass die Gemeinde Lülsfeld stolz auf ihre Leistungen und ihre engagierten Bürger sein könne. Beispielsweise die Theateraufführungen, die weit über die Gemeinde hinaus strahlten und demnächst an gleicher Stelle stattfinden werden, seien ein Zeichen von gelebtem Gemeinsinn. Der Zusammenhalt in kleineren Städten und Gemeinden sei eben ein entscheidender Vorteil im Vergleich zur Großstadt.

    Er wolle noch keine Verabschiedungsrede auf Bürgermeister Anger halten, wies jedoch darauf hin, dass es schließlich der letzte Neujahrsempfang Angers sei und blickte dankbar auf die gemeinsamen sieben Jahren der Zusammenarbeit zurück: Er habe Anger als verlässlichen, offenen Partner kennen und schätzen gelernt.

    Pfarrer Stefan Mai sinnierte über ein passendes Motto für 2020 und zitierte biblische Worte wie "Ich glaube, hilf meinem Unglauben". Zur Wahl standen auch Schlagworte wie "Anpacken" oder "Bleib cool". Schließlich ließ er ein mit Sprüchen von Pater Anselm Grün gefülltes Körbchen durch die Reihen gehen. Vielleicht sei der gezogene Spruch ja ein individueller Hauptgewinn, meinte er. Sollte er nicht passen, so könnte er doch zumindest dazu anregen, sich selbst Gedanken über einen individuellen Leitspruch für das noch junge Jahr zu machen.

    Sichtlich Spaß hatten die Gäste beim gemeinsamen Singen des 'Lülsfelder Lieds'.
    Sichtlich Spaß hatten die Gäste beim gemeinsamen Singen des "Lülsfelder Lieds". Foto: Matthias Wiener

    Bevor die Anwesenden zum gemütlichen Teil übergingen, stimmten sie gemeinsam das "Lülsfelder Lied" an. Begleitet wurden sie dabei von der von Uli Kram geleiteten Musikgruppe "Vivere", die auch der gesamten Veranstaltung eine niveauvolle musikalische Umrahmung verlieh.

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