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    Schweinfurt

    Klimawandel: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gefordert

    Klimaschutz ist eine globale Aufgabe – welche Rolle kann dabei Deutschland spielen, welche Mainfranken? Beim 40. Forum für Zukunftsfragen im Konferenzzentrum auf der Maininsel wurde darüber gesprochen. Im Bild: Klimaforscher Stefan Rahmstorf (vorne) bei seinem Vortrag. Foto: Anand Anders

    Es ist immer wieder beängstigend, wenn Klimawissenschaftler die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung zum Klimawandel präsentieren und am Ende in der Regel zu dem Ergebnis kommen: Machen wir weiter wie bisher, droht eine "Katastrophe von planetarem Ausmaß", wie es am Montagabend Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, verdeutlichte.

    Der Mann war zu Gast in Schweinfurt beim 40. Forum für Zukunftsfragen und ist ein international hoch angesehener Klimaforscher. Wenn er Sätze sagt wie "Katastrophe von planetarem Ausmaß", dann tut er das allerdings in dermaßen ruhigem, sachlichem Ton, dass man als Zuhörer diese eigentlich erschütternde Information recht nüchtern hinnimmt und denkt: Weltuntergang, interessant! Erzählen Sie mehr! 

    Globale Erwärmung und internationaler Konsens

    Das tat Rahmstorf dann auch vor den Teilnehmern des Zukunftsforums, zu dem die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) ins Konferenzzentrum auf der Maininsel eingeladen hatte. Der Forscher lieferte Daten und Fakten zur globalen Erwärmung in Zusammenhang mit der CO2-Emission, ließ keinen Zweifel daran, dass der Mensch durch sein Wirken das Klima massiv beeinflusst, und verwies auf die Notwendigkeit, endlich entschieden zu handeln, um die Emissionen weltweit zu reduzieren, bis 2050 schließlich ganz zurückzufahren. Der Konsens darüber bestehe ja schon seit langem auch auf internationaler Ebene, aber über Jahrzehnte wurde "viel debattiert und nichts getan". 

    Beim "40. Forum Zukunftsfragen – Herausforderung Klimawandel" im Konferenzzentrum auf der Maininsel: (von links) Stefan Rahmstorf, Anja Weisgerber, Karsten Böhne, Brigitta Huckestein, Josef Ramthun und Christine Völzow. Foto: Anand Anders

    Debattiert wurde auch am Montagabend auf der Maininsel. Was hier ganz gut gelang: Die Klimaschutz-Diskussion nicht ideologisch und emotional zu führen, sondern faktenbasiert, aus wirtschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Perspektive. Das hatten sich Wolfgang Fieber, Vorstandsvorsitzender der vbw Region Unterfranken, und Christine Völzow, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik bei der vbw, eingangs gewünscht. Völzow etwa sagte, dass die vbw auch Gespräche mit Vertretern der Bewegung wie "Fridays for future" suche, sich aber auch klar positioniere und zeige, wo die Grenzen sind – nämlich "wenn die Klimadebatte mit Panikmache einhergeht".  Zudem setzt die vbw beim Klimaschutz laut einer Pressemitteilung auf "internationale Zusammenarbeit, Innovation und Forschung". Nationale Alleingänge lehnt sie ab.

    Die Diskussionsrunde auf dem Podium im Konferenzzentrum hatte fünf Teilnehmer: Klimaforscher Rahmstorf, Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (Beauftragte für Klimaschutz der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag), Brigitta Huckestein (zuständig für Klimastrategie bei BASF), Josef Ramthun (Geschäftsführer der Franken Guss GmbH) sowie Christine Völzow. Die Moderation übernahm Karsten Böhne (Bayerischer Rundfunk).

    Investitionen müssen sich irgendwann auszahlen

    Einig waren sich die Teilnehmer, dass Klimaschutz ökonomisch sinnvoll umgesetzt werden muss. Von den Unternehmensvertretern wurde von Seiten der Politik Planungssicherheit eingefordert, denn Investitionen in die Entwicklung von innovativen Technologien könnten sich Firmen kaum leisten, "wenn nicht klar ist, ob diese Produkte einen Markt haben" (Huckestein). Zudem müssen Firmen laut Josef Ramthun international konkurrenzfähig bleiben, und dabei spiele ein günstiger Strompreis eine  wichtige Rolle. Die Firma Franken Guss etwa befeuert Öfen mit dem Brennstoff Koks, um Metalle einzuschmelzen. "Es könnte auch mit Strom geschmolzen werden", sagte Ramthun. Der müsste allerdings erschwinglich sein.

    Anja Weisgerber verwies darauf, dass das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung die schrittweise Absenkung des Strompreises vorsehe. Zunächst aber würden in einem ersten Schritt Anreize geschaffen, um Bürger und auch Unternehmen dazu zu bewegen, in den Klimaschutz zu investieren. 

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