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    Gochsheim

    Kneuer und Edeka: Win-win im Supermarkt

    Es ist Rats- und Bürgermeister-Wahlkampf in den Gemeinden. Wer kann, holt sich einen Promi zur Unterstützung. Gochsheims CSU ist beim Werben besonders schmerzfrei.
    Wahlkampf an der Supermarktkasse: der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach (Mitte) scannt, Shoshana Heinikel (hinter ihm) passt auf, der Gochsheimer Bürgermeister-Kandidat Manuel Kneuer packt ein.
    Wahlkampf an der Supermarktkasse: der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach (Mitte) scannt, Shoshana Heinikel (hinter ihm) passt auf, der Gochsheimer Bürgermeister-Kandidat Manuel Kneuer packt ein. Foto: Stefan Sauer

    Als er endlich an der Supermarktkasse sitzen darf, dreht er richtig auf. "Ah, Ravioli, Sie haben Kinder", erkennt der Mann im weißen Hemd und mit Krawatte messerscharf. Auf dem Kassenband folgen noch Spaghetti und Windeln. "Ja, manchmal muss es eben schnell gehen", sagt die junge Frau, und Wolfgang Bosbach, früheres MdB aus Nordrhein-Westfalen, sehr bekannt aus Talkshows und durch eine kritische Haltung gegenüber der Kanzlerin, nickt verständnisvoll.

    Mordsgaudi an der Kasse

    "Ist das schon abgelaufen?", juxt der ehemalige Bundestagsabgeordnete für alle hörbar, als er einen Joghurt über die Scannerkasse zieht. Beim nächsten Kunden hält er den Geldschein gegen das Licht: "Ist der echt?" Es ist gerade eine rechte Gaudi am Mittwochmorgen gegen halbelf an der Kasse des Edeka-Supermarktes in Gochsheim. Herr Bosbach scannt die Einkäufe der Kundschaft und kassiert, streng überwacht, angeleitet und im Zweifel korrigiert von der Angestellten Shoshana Heinikel. Bosbach ist gelernter Einzelhandelskaufmann und war vor seiner Politikkarriere Marktleiter für Coop-West, sagt er. Aber das war in den Siebzigern und ist lange her. Die Preise waren aufgeklebt, wurden in eine Kasse getippt, und bargeldloses Zahlen war Zukunftsmusik.

    Manuel Kneuer, der 28 Jahre junge Bürgermeisterkandidat der örtlichen CSU/Freien Wähler, packt die Einkäufe in Jutebeutel mit Wahlwerbung für sich darauf: #ein (K)neuer fürs Rathaus! Bosbach kassiert und haut Sprüche raus – Kneuer packt ein. Schön anzusehen, wer Koch ist und wer Kellner. Bosbach, die rheinische Frohnatur, erheitert Kunden, Angestellte, und Kneuers Entourage, die den Politpromi aus NRW auf Schritt und Tritt begleitet, filmt, fotografiert. Der Bürgermeisterkandidat hat Mühe, aus dem Schatten seines Wahlhelfers zu treten. Es werden aber selbstverständlich schöne Fotos von beiden plus der Markt-Mitinhaberin Claudia Didis gemacht, versteht sich.

    Viel Werbung – etwas Charity 

    Bosbach will gar nicht mehr aufhören mit Kassieren und Kundenplausch, da wird ihm gesagt, dass die vereinbarten zehn Minuten schon um seien, er müsse zum Ende kommen. Die freundliche  Bürgermeisterkandidatenhilfe ist mit offener Edeka-Werbung überhaupt nur inszenierbar, wenn das Konstrukt mit einem gemeinnützigen Zweck unterlegt ist. Der besteht darin, dass die Marktinhaber den von Bosbach kassierten Warenumsatz von 332,70 Euro auf einen Spendenwert von 500 Euro erhöhen. Darüber sollen sich der Sportverein und die Feuerwehr Gochsheims freuen dürfen.

    Den fränkischen Fresskorb hat sich Wolfgang Bosbach redlich verdient mit der Show, die er für den Wahlkämpfer Kneuer abgeliefert hat. Wie kam er eigentlich auf den völlig unbekannten Gochsheimer? Der CSU-Sprecher sagt, Bosbach habe sich angeboten. Bosbach sagt, "er hat mich darum gebeten". Um Kommunalpolitik – was der 28-Jährige als Bürgermeister so vorhätte oder vielleicht sogar anders machen würde – ging es bei dem Bosbach-Auftritt keine Sekunde.

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