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    SCHWEINFURT

    Kolumne: Zeug gibt's

    Zeug gibt`s
    Foto: Grafik Jutta Glöckner

    Kein Fake-News. Selbst beobachtet und traurig genug. Ein junger Mann daddelt in der Innenstadt auf seinem Handy herum, neben ihm abgestellt (s)eine Getränke-Dose. Schnell wie ein Bussard, der eine Maus erspäht hat, kommt plötzlich ein Flaschensammler angeradelt, um sich die vermeintlich herrenlose Dose, die ihm ein paar Cent Pfand einbringt, zu greifen. „Noch nicht leer“, sagt der Dosenbesitzer, trinkt noch einen Schluck und gibt die Dose dann dem Sammler. Der gießt sich den Rest der süßen Brühe in die Kehle, dankt für die Dose und radelt von dannen. Auch das ist unsere Realität, nicht nur in einem Entwicklungsland, sondern mitten unter uns. Soziale Schieflage ist eben überall, manchmal fängt das Zurechtrücken ganz klein an, zum Beispiel mit einer Dose. Der Weg ist noch sehr sehr weit und lässt sich bestimmt nicht mit Investitionen im Flaschenpfand-Format lösen.

    Ganz andere Probleme, die zunächst „sprachlos“ machten, hatten die Veranstalter des Honky Tonk, das in der Nacht auf den 20. Oktober die Kneipen der Stadt zum rocken und swingen bringen wird. Keine klassische Pressekonferenz im Frage & Antwort-Modus war das Mittel der Wahl, um über Bands und Locations zu informieren. Eine Facebook-Live-Konferenz mit Countdown und allem drum und dran war angekündigt – und alle, die die Kunde vom Honky Tonk in die Welt tragen wollen, hatten sich eingeloggt. Doch, die Älteren unter uns kennen das noch aus den Tagen analogen Fernsehens, es gab zwar nette Bilder, aber keinen Ton. Eine Pressekonferenz mit „Tonstörung“ ist auch bei genauerer Betrachtung von minderem Informationsgehalt. Vor allem weil Lippenlesen nicht zur journalistischen Ausbildung gehört. Aber selbst Fachleute des lautlosen „Hörens“ wären gescheitert, weil ein zwar großes aber letztlich nutzloses Mikrofon sich im Bild dort breit machte, wo Hörgeschädigte etwas hätten lesen können. Ja, ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nach einem Neustart der Seite hat es doch noch geklappt mit der „Online-Pressekonferenz“. Unser Lob gilt dem Mut, es überhaupt (letztlich erfolgreich) versucht zu haben. Der erste Zug ist ja bekanntlich auch nicht gleich bis nach Sibirien gefahren, sondern ließ sich für die Strecke „Nürnberg-Fürth“ feiern.

    Ganz anders gefeiert wurde bei der „Nacht der fränkischen Band-Legenden“ in der Stadthalle. Eine echte Zeitreise in die Tage der guten alten Tanzboden-Herrlichkeit mit den aktuellen Inkarnationen von Shades, Jets und Kleeblatt. Früher, ja ganz früher, als wir alle noch jung waren, sind wir tatsächlich Samstag für Samstag in irgendein Dorf gefahren, um die halbe Nacht einer Band beim Nachspielen seinerzeit aktueller Hits zuzuhören. War das Radio noch nicht erfunden, hatten alle Kassetten Bandsalat? Nein, diese nächtlichen Ausflüge mit der ersten selbst zusammenverdienten Klapperkiste mit schlechten Winterreifen und lausigem Vergaser, hatten nur einen Zweck – Spaß zu haben. Freestyle-tanzen zu „Smoke on the Water“, beim Fox rumblödeln und seltsame Süßgetränke wie Whisky-Cola konsumierend – so hat eine ganze Generation ihre Jugend verbracht. Gut nur, dass diese Art der musikalischen Nostalgie-Partys heutzutage stattfindet. In 15, spätestens 20 Jahren, wäre es vermutlich zu spät dafür, müssten die betagten Fans doch dann wahrscheinlich mit dem Rock'n'Rollator in die Halle einrollen. Aber wer weiß das schon. Musik machen und dazu tanzen hält schließlich jung.

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